Zuvorderst läuft Matías Delgado, 34-jährig, Argentinier, Vater dreier Kinder, Captain des FC Basel. Irgendwie wirkt es, als würde er dem Alter davonsprinten, schnellen Schrittes, motiviert, als wäre er eben aus dem Nachwuchs in die erste Mannschaft berufen worden. Hinter ihm seine Teamkollegen, die an diesem Donnerstagmorgen um den Platz rennen. Sprint, lockeres Laufen, Sprint, lockeres Laufen – Kondition. Einerseits. Andererseits Abschlussübungen. Aus dem Zentrum, über die Seiten. Die eine Hälfte der Mannschaft rennt, die andere schiesst. Delgado rennt vorneweg, er versenkt die Bälle mit einer Lockerheit, wie nur er sie hat. Ein Vorbild, in jeder Situation.

Als Mensch und Spieler gereift

Unter Urs Fischer wurde er im Sommer 2015 Captain, Nachfolger von Marco Streller, dem heutigen Sportdirektor. Der sagt über Delgado, dass sie wohl beste Freunde wären, hätten sie die gleiche Muttersprache. Oder anders ausgedrückt: Streller spricht Deutsch, kaum Spanisch und Delgado umgekehrt. Der Captain spricht neben seiner Muttersprache Italienisch und Englisch. Vor allem aber lässt er den Ball sprechen. Und seine Beine. Das zeigt sich im Trainingslager in Tegernsee genauso wie während der letzten Saison. Matías Delgado ist gereift, als Mensch wie als Spieler. Selten hat man ihn so aggressiv gesehen wie im Cupfinal. Grätschen von Delgado, Pressing, unermüdlicher Läufer. Das wurde aus dem Mann, der einst von Christian Gross darauf aufmerksam gemacht wurde, dass er als 10er in Europa nicht einfach die Mitspieler die Drecksarbeit machen lassen könne. Und fragt man unter den jungen Spielern, wen sie am meisten bewunderten in der eigenen Mannschaft, dann sagen sie alle Delgado. Ohne zu zögern.

Die Captainbinde gehört ihm und sie ist ihm auch in der kommenden Saison gewiss. Trainer Raphael Wicky sagt: «Delgado ist und bleibt Captain. Daran gibt es nichts zu rütteln.» An seiner Stellung ändert sich unter dem neuen Trainer nichts. Wohl aber an seiner Position im Spiel, wie sich erahnen lässt. Obschon Delgado sich auf die alten Tage hin auch bezüglich Defensiv-Arbeit vorbildlich einsetzt, gibt es Spieler, die in diesem Bereich stärker sind. Und Wicky will den Gegner unter Druck setzen. Pressing ist das Stichwort, das derzeit in aller Munde ist, wenn es um den FC Basel geht.

6er oder 10er? Hauptsache Ball

Auf dem Platz bedeutet das, dass sich Delgado des Öfteren zurückfallen lassen dürfte. Während unter Urs Fischer üblicherweise in einem 4-4-2 verteidigt wurde und Delgado zum Stürmer nach vorne rückte, dürfte er kommende Saison in der Rückwärtsbewegung immer wieder auch direkt vor der Abwehr zu finden sein. Taulant Xhaka und Luca Zuffi oder Geoffroy Serey Die dürften dann vor ihm den Gegner angreifen. In der Hoffnung, schnell wieder in Ballbesitz zu kommen. Delgado dahinter, er könnte Tiefe ins Spiel bringen, die Bälle in die Löcher spielen, die nur er sieht. Der FCB wäre geradliniger, überraschender und damit gefährlicher.

Man stellt sich so etwas vor wie Andrea Pirlo bei Juventus Turin vor seinem Wechsel in die USA. Oder den alternden Xavi bei Barcelona. So genau mag das Matías Delgado selbst nicht bestätigen. Im Gespräch mit der «bz» sagt er zuerst, dass er ein bisschen mehr Freiheiten habe als unter Urs Fischer. Und dadurch mehr Ballbesitz. Konkret auf seine mögliche neue Rolle angesprochen, meint er: «Wenn ich den Ball habe, bin ich glücklich. Egal, wo ich mich auf dem Feld befinde. Ob als 6er oder als 10er, wenn ich eine zentrale Rolle im Team spielen kann, fühle ich mich gut.»

Rolle des FCB bleibt gleich

Gut ist auch das Verständnis mit dem neuen Trainer Raphael Wicky. «Ich kenne Raphi schon seit Jahren. Er ist ein grossartiger Trainer, davon bin ich überzeugt, und das bestätigen meine ersten Eindrücke.» Im Detail analysieren will er die Unterschiede zu Vorgänger Urs Fischer noch nicht. Dafür sei es zu früh. Eines aber kann er sagen: «Sie mögen unterschiedliche Methoden haben, aber unsere Rolle als FC Basel ändert sich nicht. Wir wollen das Spiel machen, wir wollen gewinnen.»

Vermutlich mit Delgado in neuer Rolle, aber mit Sicherheit mit der Binde um den Arm. Man darf auf jeden Fall gespannt sein, wie der FC Basel und Delgado heute um 18.30 Uhr im ersten Testspiel gegen den TSV 1860 Rosenheim auftreten.