FC Basel

Degen-Zwillinge nach Cup-Match: Lob von Yakin, Prügel vom Publikum

In Tuggen durften die Degen-Zwillinge David (li.) und Philipp endlich wieder spielen - sie taten das ansprechend bis gut.

In Tuggen durften die Degen-Zwillinge David (li.) und Philipp endlich wieder spielen - sie taten das ansprechend bis gut.

David und Philipp Degen durften beim 3:1-Sieg des FC Basel im Cup wieder einmal ihr Können zeigen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten bestanden sie den Charaktertest im 3000-Seelen-Dorf Tuggen.

Murat Yakin sagte es vor dem Cup-Achtelfinal in Tuggen so: "Der Cup ist ihre Chance. Wir haben mit ihnen auf dieses Spiel hingearbeitet." Ein Schelm, wer denkt, die Worte des Trainers seien mit reichlich Zynismus gewürzt.

Und doch, die Realität der Degen-Zwillinge David und Philipp ist nun mal eine bittere: In Super League und Champions League schauen sie von der Ersatzbank und von der Tribüne aus zu, während ihre Teamkollegen sich gegen die Stars von Chelsea und Schalke messen. Die Gegenspieler der 30-Jährigen heissen derzeit Lars Müller, Philipp Kobel, Raymond Tinner, Daniel Senn und Cyril Schiendorfer. Die Glamour-Profis gegen die Feierabendkicker der 1.-Ligisten Münsingen und Tuggen.

Am südlichen Zipfel des Zürichsees standen die Zwillinge erstmals seit dem Sechzehntelfinal in Münsingen (14. September) wieder in der Startelf. Es regnete horizontal, der Platz war tief, die Windböen unberechenbar - eine Strafaufgabe. Und ein Charaktertest für David und Philipp, die die Demontage durch den Trainer bislang - zumindest öffentlich - stillschweigend hinnehmen. Murat Yakin: "Es sieht auf den ersten Blick zwar einfach aus. Aber solche Spiele sind die schwierigsten Aufgaben für einen Profi."

In der ersten Halbzeit beackerten Philipp (Abwehr) und David (Mittelfeld) den rechten Flügel. Ein Foul da, ein Ballverlust hier, ein Händeverwerfen dort - der Anfang war zäh. Verständlich. Die Motivation, es dem Trainer zu zeigen, war riesig. In einigen Momenten vielleicht zu gross. "Im ersten Durchgang hatten sie Mühe und begingen zu viele Fouls, doch dann wurde es besser", sagte Yakin.

Der Trainer trennte in der Pause die Zwillinge, wies David darauf hin, öfter über die linke Seite zu kommen. Das half. Philipp hatte mehr Freiheiten, seine offensiven Qualitäten auszuspielen. David bekamen die Tuggener nicht mehr in den Griff. Die Folge: Ein feiner Steilpass von David auf Philipp leitete das Führungstor des FCB in der 52. Minute ein, das am Ende einer Chancenkette Mohamed Salah erzielte. "Ihre Offensivläufe in der zweiten Halbzeit waren gut und wichtig für uns", sagte Yakin. Auch beim 3:1 durch Marcelo Diaz hatte mit David ein Degen seine Füsse im Spiel.

Lob vom Trainer - dafür gab es Prügel vom Publikum. Bei jeder Aktion buhte und klatschten die Zuschauer höhnisch - die Degens ecken auch im 3000-Seelen-Dorf Tuggen an. Dazu und auch zur eigenen guten Leistung wollten sie nach dem Spiel nichts sagen, auch nicht auf Nachfrage bei Medienchefin Andrea Roth. "Sie möchten nicht."

Ob ihnen der Auftritt in Tuggen die Türe zu weiteren Einsätzen in Super und Champions League geöffnet hat, muss bezweifelt werden. Aber eines haben sie an diesem grauen Nachmittag am Sportplatz an der Linthstrasse bewiesen: Die Degens sind noch da.

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