Es brodelt in Basel. Offiziell ist die neue Führung um Bernhard Burgener und Marco Streller zwar noch nicht im Amt. Aber im Hintergrund ist vor allem Streller am Weibeln. Die Zeit ist knapp. Lange mussten Trainer und Spieler warten, bis überhaupt klar war, dass Burgener und Streller übernehmen dürfen. Auslaufende Verträge, Neuverpflichtungen, Vertragsverlängerungen – all das wurde aufgeschoben.

Untätig war man natürlich trotzdem nicht. Ein erstes Zeichen dafür gab es kurz vor der Präsentation des Konzepts der neuen Führung («Für immer Rot-Blau») am 7. April. Der Vertrag von Manuel Akanji sei bis 2021 verlängert worden, verkündete Bernhard Heusler. Aber schon seit bekannt wurde, dass er und Georg Heitz im Sommer aufhören, betonten sie beide, dass sie keine Entscheidungen mehr treffen, die über diese Saison hinausgehen.

Nur drei Tage nach der ausserordentlichen Mitgliederversammlung und der Absegnung der Neuen teilte der Verein mit, dass die Zusammenarbeit mit Trainer Urs Fischer beendet werde im Sommer. Anderthalb Wochen später präsentierte Streller Fischers Nachfolger: Raphael Wicky, zuletzt U21-Trainer beim FCB. Und jetzt also der nächste Paukenschlag: Der Vertrag von Marc Janko wird nicht verlängert. Der Österreicher muss gehen. Auch wenn er gerne geblieben wäre, wie er unlängst im Gespräch mit der «Nordwestschweiz» sagte. Selbst als Nummer 2, wie er betonte.

Ein trauriger Janko

Janko zeigte damals Verständnis, dass die Gespräche um seine Vertragsverlängerung aufgeschoben wurden, weil zuerst die neue Führung um Bernhard Burgener abgesegnet werden musste. Zugleich gestand er: «Wenn ich jünger wäre, würde mich diese Unsicherheit extrem belasten.» Mit 33 Jahren aber sei das anders, da habe man etwas auf der Seite. «Ich bin eigentlich sehr entspannt, habe eine wirklich gute Saison gespielt und eine entsprechende Visitenkarte abgegeben.»

Wie wahr. In 20 Meisterschaftsspielen hat er elf Tore geschossen. Nur zwei Spieler haben eine bessere Quote als Janko (0,55 Tore pro Spiel): Guillaume Hoarau (0,86) und Seydou Doumbia (0,74). Und es waren nicht irgendwelche Tore: Jankos Treffer waren in mindestens vier Spielen – beim 3:2 gegen Luzern Anfang Saison, beim 2:1 gegen Lausanne im November, beim 1:0 gegen St. Gallen direkt vor der Winterpause und beim 4:3 gegen Lausanne kurz danach – entscheidend.

Entsprechend enttäuscht ist der Österreicher. Wenige Minuten nach dem offiziellen Communiqué des Vereins veröffentlicht er auf Twitter ein bewegtes Bild eines traurigen Kindes mit den Worten: «Meine Zeit in Basel neigt sich dem Ende zu. Aus vereinspolitischen Gründen wird mein Vertrag nicht verlängert.» Und auf Facebook präzisiert er: «Die Entscheidung für junges/frisches Blut ist zwar für meine Familie und mich sehr schade, aber absolut zu respektieren bzw. zu akzeptieren.»

Der künftige Sportchef Streller lässt auf Anfrage der «Nordwestschweiz» mitteilen: «Der Entscheid, den Vertrag mit Marc Janko nicht zu verlängern, wurde nicht leichtfertig getroffen, sondern innerhalb der neuen sportlichen Leitung intensiv diskutiert. Am Schluss kam diese jedoch überein, die Offensive neu zu besetzen.» Einen konkreten Grund liefert er nicht. Es liegt jedoch nahe, dass die neue Führung auf ihr neues Konzept baut und schon kommende Saison vermehrt auf Spieler aus dem eigenen Nachwuchs und solche mit Basler Vergangenheit setzen wird.

Die Offensive vor dem Umbruch

Die Aussage Strellers deutet auch darauf hin, dass es in der Offensive zu weiteren Veränderungen kommen dürfte. Mitunter auch, um Geld zu sparen. Neben Janko gehört auch Seydou Doumbia zu den Grossverdienern. Der Ivorer dürfte den FCB ebenfalls verlassen. Offenbar hat ZSKA Moskau, einer seiner ehemaligen Vereine, gegenüber der AS Roma, seinem aktuellen Verein, schon Interesse an einer Leihe bekundet.

Zudem ist Flügelspieler Mohamed Elyounoussi in der Premier League offenbar ein Thema und auch ein Abgang Renato Steffens scheint möglich. Beide verfügen über laufende Verträge und würden dem FCB entsprechende Transfererlöse bescheren. Erlöse, die der FCB gut gebrauchen könnte, wenn er seine Offensive für die Champions League auffrischen will.

Denn es ist klar: Mit Andraz Sporar und jungen Spielern aus dem Nachwuchs wird der FCB in der Königsklasse kaum bestehen können. Welche Verstärkungen also? Immer wieder fallen die Namen von Valentin Stocker (derzeit bei Hertha Berlin meist Ersatz) und Eren Derdiyok (nach seinem Blitzstart bei Galatasaray und fünf Toren in fünf Spielen zuletzt nur noch eingewechselt).

Bei beiden müssen jedoch auch Fragezeichen gemacht werden, einerseits bezüglich einer fälligen Ablöse und andererseits bezüglich ihrer Lohnvorstellungen. Sicher ist: Streller wird weiterwirbeln.