Fussball
Das Wunder von Sofia - oder wie die Schweiz in Bulgarien gewinnen kann

Gewinnt die Schweizer Nati nicht in Bulgarien, ist es aus mit den Träumen von der EM 2012. Derweil erinnern sich Schweizer Legenden an das Wunder von Sofia vor 20 Jahren und sagen, wie die Mannschaft von Hitzfeld in Bulgarien gewinnen kann.

Vasilije Mustur
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 Kubilay Türkyilmaz schiesst die Schweiz mit dem 3:2 Siegtreffer ins Glück.
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 Kubilay Türkilmaz blieb im Spiel gegen Bulgarien lange Zeit blass, bis tief in die zweite Halbzeit hinein.
 Nach dem Ausgleich von Adrian Knup brechen bei den Schweizern alle Dämme. Die Teamkollegen begraben im Jubel Knup unter sich.
 Stephane Chapuisat konnte nur mit einem Foul gestoppt werden.
 Adrian Knup setzt sich im Zweikampf durch.
 Kubilay Türkilmaz jubelt über seinen Siegtreffer.
Das Wunder von Sofia

Kubilay Türkyilmaz schiesst die Schweiz mit dem 3:2 Siegtreffer ins Glück.

So lief das Spiel Bulgarien gegen die Schweiz 1991

Aufstellung Schweiz: Stefan Huber; Marc Hottiger, Andy Egli, Dominique Herr; Christophe Ohrel, Beat Sutter, Marcel Koller (Stephane Chapuisat 46), Heinz Herman, Christophe Bonvin; Adrian Knup (Peter Schepull 88), Kubilay Türkyilmaz.

Aufstellung Bulgarien: Mikhailov, Dochev (Todorov 75), Ivanov, Iliev, Kiriakov, Yordanov, Yankov, Penev, Balakov, Kostadinov, Sirakov (Tanev 66).

Zuschauerzahl: Sofia, 55000 Zuschauer.

Tore: 12. Kostadinov, 27. Sirakov, 60.Knup, 88.Knup, 90.Türkyilmaz.

Nach 45 Minuten schien für die Schweizer Nationalmannschaft bereits alles verloren. Im wegweisenden Spiel zwischen der Schweiz und Bulgarien in der Qualifikation zur Europameisterschaft in Schweden lag die Mannschaft um den damaligen Coach Uli Stielike 1991 in Sofia zur Halbzeit hoffnungslos mit 0:2 zurück.

Dabei hatte sich das Team im Vorfeld der Partie so viel vorgenommen. «Nach einer durchzogenen Kampagne mussten wir dieses Auswärtsspiel unbedingt gewinnen, wenn wir noch eine Chance auf eine Teilnahme an der Europameisterschaft in Schweden haben wollten», sagt der ehemalige Torwart der Nationalmannschaft Stefan Huber heute im Gespräch mit der az. So erübrigte sich jede Taktik: «Wir wollten und mussten auf Sieg spielen».

Balakov zeigte den Schweizern den Meister

Im Hinblick auf das Spiel vom nächsten Samstag seien die Parallelen ähnlich: Auch die Mannschaft um Ottmar Hitzfeld müsse gewinnen. Allerdings seien die Voraussetzungen nicht dieselben, sagt Huber. 1991 waren die Schweizer gegen die spielstarken Bulgaren der krasse Aussenseiter - und dies bekamen Adrian Knup, Stefan Huber und Kubilay Türkyilmaz zu Beginn der Partie dann auch zu spüren.

Das 1:2 war die Wende

Die Mannschaft um den späteren Superstar Krassimir Balakov führte die Schweizer in den ersten 45 Minuten regelrecht vor. «Wir wurden in den ersten 25 Minuten überrannt - waren immer einen oder zwei Schritte zu spät», erinnert sich Huber.

Während der Pause konnten sich die Schweizer von dieser «Tracht Prügel» erholen. «Ich erinnere mich noch, wie enttäuscht und mental angeschlagen wir in der Kabine waren», sagt Huber. Gedanklich begruben die Spieler bereits den Traum von einer Europameisterschaft in Schweden.

Daraufhin beschlossen die Fussballer, die Partie wenigstens mit Anstand zu beenden und sich «nicht abschlachten zu lassen». Das Resultat: Mit dieser Einstellung gelang der Mannschaft die wundersame Auferstehung. «Als Adrian Knup das 1:2 erzielte, spürten wir plötzlich, dass wir eine Chance hatten». Ausserdem seien die Bulgaren nach dem Anschlusstreffer in Nervosität verfallen.

Knup erinnert sich noch heute

Als Knup wenig später auch noch den Ausgleich erzielte, brachen alle Dämme. Knup sagt heute im Gespräch mit der az zu seinen beiden Treffern: «Jedes Tor setzt Glücksgefühle und Adrenalin frei - vor allem aber waren wir mit den Toren zurück im Spiel». Der einstige Skorer kann sich noch heute an seine Tore genau erinnern. «Das 1:2 war ein Abpraller, den ich aus spitzem Winkel unter Mithilfe des Torwarts verwertete. Das 2:2 war ein Kopftor nach einem Freistoss von Bonvin», sagt Knup.

Kurz vor Schluss erzielte Kubilay Türkyilmaz nach einem imperialen Sololauf den Siegtreffer, den die Mannschaft laut Knup «überschwänglich» gefeiert habe. Einziger Wehrmutstropfen: Nach dem Wunder von Sofia konnte sich die Schweiz dennoch nicht für die Europameisterschaft in Schweden qualifizieren.

Zu Beginn nicht hyperventilieren

Derweil wartet auf die Mannschaft von Ottmar Hitzfeld dieselbe Aufgabe wie auf Adrian Knup und Stefan Huber.

Die Schweizer Nationalmannschaft muss die Partie in Sofia unbedingt gewinnen, um reelle Chancen auf ein Ticket für die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine zu ergattern. Trotz dieser Hypothek, warnt Stefan Huber vor Aktivismus. «Die Mannschaft muss in den ersten 15, 20 Minuten auf Abwarten spielen». Danach sei wichtig überhaupt zu Chancen zu kommen.

Gelinge dies, ist laut Huber ein Sieg möglich. Schliesslich verfüge die Schweizer Nationalmannschaft über die besseren Einzelspieler. Auch die heissblütigen Fans machen Huber keine Sorgen. Das sieht der einstige Nati-Stürmer Adrian Knup ähnlich. Von den gegnerischen Fans ausgepfiffen zu werden, könne sogar «leistungsfördernd» sein. Ganz dem Motto: «Jetzt zeige ich erst recht, wie gut ich bin».

Bleibt zu hoffen, dass die Schweizer Nationalmannschaft wie vor 20 Jahren in Bulgarien drei Punkte holt und sich danach aber für die Endrunde in der Ukraine und Polen qualifizieren kann.