Die Vereinigten Staaten also. Shkelzen Gashi, 27-jährig, wagt es: das Abenteuer Major League Soccer (MLS). Im bordeauxroten Trikot der Colorado Rapids wird man den albanischen Nationalspieler künftig sehen. Tore soll Gashi von nun an für ein Team schiessen, das in der vergangenen Spielzeit in der Western Conference der MLS den letzten Platz belegte. Als «Designated Player» dürfte Gashi fürstlich entlohnt werden – die MLS-Gehaltsobergrenze gilt für ihn nicht. Gashi soll Colorados Star werden. Das ist Balsam für seine Seele.

Denn FCB-Sportchef Georg Heitz verschleiert Gashis sensible Züge nicht. Aus Sicht der Klubverantwortlichen habe Gashi «nicht wenig gespielt». In Basel war Gashi aber einer von vielen. Sobald die Tore ausblieben – so, wie in dieser Hinrunde – fehlten ihm Argumente, der Weggang zeichnete sich ab. Auch wegen der anstehenden EM. Bernhard Heusler skizziert: «Seine Chancen sind deswegen nicht kleiner. Der Gedanke, in der MLS könnte Gashi aus dem Blickfeld geraten, lässt der FCB-Präsident nicht zu: «Diese Liga floriert.»

Jean-Paul, die Frohnatur

Eine personelle Lücke gibt es beim Ligakrösus indessen nicht. Mit Renato Steffen wartet ein potenzieller Erbe. Doch einen Akteur hat man in den ersten sechs Monaten noch nie richtig zaubern sehen: Jean-Paul Boëtius, 21-jährig, heimisch auf den Gashi-Positionen. Der Holländer der Anfang August von Feyenoord Rotterdam ans Rheinknie wechselte, ist in Basel längst angekommen – vollends jedoch nur neben dem Platz.

Die Sommervorbereitung verpasste er, weil der Transfer erst zwischen dem dritten und vierten Spieltag abgewickelt wurde. Mit Feyenoord absolvierte er zwar die gesamte Vorbereitung, vergleichen könne man das aber nicht, findet Boëtius. Der Hype war ansehnlich. Basel habe sich den nächsten Memphis Depay geangelt, meinte der Boulevard. Depay war zuvor für knapp 30 Millionen Franken von Eindhoven nach Manchester zur United gewechselt. Ob Nationalität, Alter oder Position: Boëtius passte ins Bild des Depay-Doppelgängers.

Dann kam das Abschlusstraining vor dem Luzern-Spiel. Boëtius verspürte Schmerzen im Oberschenkel: Zerrung. Erst 14 Tage später folgte das Debüt gegen Lugano. Die Rolle der teaminternen Frohnatur gehörte längst ihm. Zauberei auf dem Rasen sollte folgen. Doch statt Magie zu versprühen, bekundete Harry Potter – so tauften ihn seine Kameraden, wegen seiner Narbe auf der Stirn – bald immense Hüftprobleme. Wieder Pause. Diesmal knapp zwei Monate. Sein Lachen verlor Boëtius nie. Er kämpfte sich zurück, kam in den letzten Partien vor der Winterpause zu Einsätzen. Seine Trümpfe, die Dynamik sowie seinen Spielwitz, vermochte der Holländer aber nur ansatzweise auszuspielen.

Jean-Paul, der Bodenständige

Es folgte die Winterpause, Boëtius rackerte, konnte die gesamte Vorbereitung mitmachen. Keine Verletzung, nichts hemmte, die Magie liegt endlich wieder in der Luft. So viele Einsatzminuten wie möglich , wolle er nun sammeln, erklärt der 21-Jährige unaufgeregt. Boëtius handhabt den Erfolg der Mannschaft prioritär. In solchen Momenten würzt er seinen sympathischen Auftritt mit deutschen Wörtern, die er in seiner Schulzeit in Rotterdam gelernt hat. «Bodenständig», so bezeichnet er seine Maxime. Zwar kontrastiert das stark mit seinem extravaganten Kleidungsstil. Allüren hat Harry Potter keine – einzigartige Zauberkünste hingegen schon. Diese muss er dem Basler Publikum nun auch präsentieren.