Entwicklung
Das sind die Gewinner und die Verlierer beim FC Basel unter Ciriaco Sforza

Nach dem heutigen Spiel in Luzern (18.15 Uhr) geht es für den FC Basel in die verkürzte Winterpause. Zeit für eine erste Zwischenbilanz.

Jakob Weber
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Samuele Campo musste seinen Platz an Pajtim Kasami abtreten.

Samuele Campo musste seinen Platz an Pajtim Kasami abtreten.

Freshfocus

16 Spiele hat Ciriaco Sforza als Trainer des FC Basel bisher an der Seitenlinie verfolgt. Achtmal gewann sein Team, sechsmal verlor es und zweimal gab es ein Unentschieden. Sforzas Punkteschnitt ist um 0,4 geringer als der von seinem Vorgänger Marcel Koller und doch bekommt er von Eigentümer Bernhard Burgener Zeit, um die Spieler zu entwickeln und um aus dem FCB wieder einen Meisterkandidaten zu formen. 29 Spieler kamen unter Sforza bisher zum Einsatz. Wir haben ihre Entwicklung bewertet.

Die Gewinner:

Pajtim Kasami kam ohne Spielpraxis und bei laufender Saison zum FCB und wurde sofort zu einem sehr wichtigen Bestandteil, inklusive fünf erzielten Toren.

Pajtim Kasami kam ohne Spielpraxis und bei laufender Saison zum FCB und wurde sofort zu einem sehr wichtigen Bestandteil, inklusive fünf erzielten Toren.

KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS

Pajtim Kasami wechselte kurz vor Transferschluss ablösefrei zum FC Basel. Er spielt seitdem immer von Beginn an und liegt mit fünf Treffern gemeinsam mit Arthur Cabral an der Spitze der internen Torschützenliste. Kasami bekam auch direkt eine Einladung von Nati-Coach Vladimir Petkovic. In der Rückwärtsbewegung ist Sforza noch nicht ganz mit ihm zufrieden. Trotzdem ist er einer von zwei grossen Gewinnern.

Der andere ist Heinz Lindner. Als Nummer 2 verpflichtet, landet er im Tor, weil sich Kollege Djordje Nikolic auf Länderspielreise in Serbien Corona einfing. Seitdem brilliert Lindner mit guten Leistungen. Er hält 82 Prozent der Bälle auf sein Tor (Nikolic 73 Prozent) und so auch dreimal die Null. Der einzige Grund, der auch in der Rückrunde nicht für den 30-jährigen Lindner spricht, ist sein Alter.

Zu den Gewinnern zählen auch zwei Youngsters. Der 20-jährige Yannick Marchand und der 19-jährige Julian von Moos haben es Sforza angetan. Er setzt auf sie und schenkt ihnen regelmässig Einsätze. Marchand belohnte sich jüngst in Vaduz mit seinem ersten Super-League-Tor. Der erste Saisontreffer ist auch für von Moos nur noch eine Frage der Zeit. Bei ihm hapert es nur noch an der Chancenverwertung.

Tendenz steigend:

Timm Klose leistete sich gegen YB einen Patzer.

Timm Klose leistete sich gegen YB einen Patzer.

Fresh (21.11.20

Seine Leistungen sind wohl die umstrittensten. Timm Klose wird von manchen Fans bereits als «viel zu langsamer Fehleinkauf» betitelt. Doch mit seiner Persönlichkeit und seiner Zweikampfstärke hilft er der jungen FCB-Defensive ungemein. Sforza setzt auf Klose und bei ihm geht die Tendenz vor allem auch nach oben, weil er erstmals seit 1,5 Jahren wieder mehrere Monate am Stück ohne Verletzung spielen kann. Dass sportlich noch nicht alles perfekt ist, weiss Klose selber auch. Auch Luca Zuffi spielt unter Sforza nach seinem Kreuzbandriss sofort wieder eine wichtige Rolle.

Sportlich geht auch bei Afimico Pululu die Tendenz nach oben. Er kommt unter Sforza auf sieben Assists und ein Tor. Doch seine Entwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen.

Auch folgende Profis gehören zu den Profiteuren des Trainerwechsels: Andrea Padula, den Sforza aus Wil mitbrachte und der von den Verletzungen von Jorge und Petretta profitierte. Die jungen Albian Hajdari und Orges Bunjaku, die ihre wenigen Einsatzchancen nutzten. Und die ganz jungen Carmine Chiappetta und Liam Chipperfield aus der U18, die unter Sforza bei den Profis mittrainieren und auch schon spielen durften, beziehungsweise einen Profivertrag bekamen.

Stagnation:

Eray Cömert macht grundsätzlichen einen guten Job. Auch hier gegen Servettes Kyei.

Eray Cömert macht grundsätzlichen einen guten Job. Auch hier gegen Servettes Kyei.

KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS

Silvan Widmer und Eray Cömert stagnieren auf gutem Niveau. Doch der nächste Schritt ist beiden unter Sforza bislang nicht gelungen. Widmer sind die vielen Einsätze anzumerken. Cömert hat es noch nicht geschafft, die regelmässigen Fehler abzustellen. Auch bei Valentin Stocker und Edon Zhegrova weiss man mittlerweile, was man bekommt. Im Guten, wie im Schlechten.

Tendenz sinkend:

Fabian Frei ist nicht mehr so auffällig wie noch in der vergangenen Saison.

Fabian Frei ist nicht mehr so auffällig wie noch in der vergangenen Saison.

KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS

Die prominentesten Namen auf dieser Liste sind Fabian Frei und Arthur Cabral. Sowohl der Spieler der vergangenen Saison als auch der Toptorschütze suchen unter Sforza noch ihre Topform. Ein Grund für die nachlassende Form ist neben dem hohen Ausgangsniveau auch die Überspieltheit. Beide haben seit dem Restart 33 beziehungsweise 29 Spiele gemacht. Ebenfalls auf dem absteigenden Ast befinden sich: Raoul Petretta, der wegen Verletzungen den Stammplatz verloren hat. Jasper van der Werff, der nur noch Aushilfsverteidiger ist. Ricky van Wolfswinkel, der das Tor einfach nicht mehr trifft. Und Tician Tushi, der nur selten von Sforza gebracht wird.

Die Verlierer:

Samuele Campo spielt bei Ciriaco Sforza keine Rolle mehr.

Samuele Campo spielt bei Ciriaco Sforza keine Rolle mehr.

KEYSTONE/EPA/YURI KOCHETKOV

Sforza kann auch knallhart sein. Für Samuele Campo ist die Zeit beim FCB wohl vorbei. Auf seiner Position im offensiven Mittelfeld setzt Sforza auf andere Spieler. Campo wurde im Gespräch ein Wechsel nahe gelegt.

Auch für den brasilianischen Leih-Aussenverteidiger Jorge lief die Saison mehr als bitter. Ein Kreuzbandriss beendet das Abenteuer Basel, bevor es so richtig beginnen konnte. Ob er jemals wieder das FCB-Trikot trägt, ist fraglich. Die Leihe endet im Sommer.

Djordje Nikolic ist ebenfalls ein Verlierer. Er befindet sich seit seinen Patzern gegen Donezk und Vaduz und weiteren Unsicherheiten in einem mentalen Teufelskreis. Mit Lindner hat er zudem scheinbar übermächtige Konkurrenz. Das mit der Nummer 1 könnte ein kurzes Intermezzo gewesen sein.

Taulant Xhaka spielte unter Sforza noch gar nicht für den FCB. Seine Innenbandverletzung ist nach wie vor nicht auskuriert. Immer wieder gab es Rückfälle, wahrscheinlich auch, weil Xhaka zu früh zu viel wollte. Ein Ende der Misere ist noch nicht absehbar. Auch zum Trainingsauftakt im Januar rechnet Sforza noch nicht mit dem schmerzlich vermissten Mittelfeldkämpfer.

Ebenfalls zu den Verlierern gehören Dimitri Oberlin und Aldo Kalulu. Beide haben beim FCB keine Zukunft mehr, weil sie nicht ins Konzept passen. Der Vertrag mit Oberlin wurde bereits aufgelöst. Kalulu dürfte im Winter wieder versuchen, einen neuen Verein zu finden.