Nikolic oder Lindner
Das sich anbahnende Duell um die Nummer 1 beim FC Basel

Der FC Basel hat mit Djordje Nikolic und Heinz Lindner zwei starke Torhüter in seinen Reihen. Die Rollen sind eigentlich verteilt. Auch nach Lindners sensationellen Leistungen?

Céline Feller
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Die Basler Nummer 2 und die Nummer 1: Heinz Lindner und Djordje Nikolic.

Die Basler Nummer 2 und die Nummer 1: Heinz Lindner und Djordje Nikolic.

freshfocus.ch

Nein, für ihn sei das keine Diskussion. So reagiert Ciriaco Sforza am Dienstag, als er auf eine der brisantesten Debatten beim FC Basel der letzten Tage angesprochen wird: Jene um die Vorherrschaft im Tor. Jene um den Status der Nummer 1. Heinz Lindner oder Djordje Nikolic? Das ist die Gretchenfrage bei den Baslern.

Die Ausgangslage ist eine schwierige. Lindner, zuletzt als Vertreter des am Coronavirus erkrankten Nikolic vier Spiele lang im Tor und mit überzeugenden Leistungen, wurde als Nummer 2 geholt. Mit seiner Ruhe, seiner Erfahrung, aber auch seiner Demut, diese Rolle zu akzeptieren, sollte er der Mannschaft aus der zweiten Reihe helfen. Eine Aufgabe, die Lindner so akzeptierte. Und unter anderem auch aus seiner Zeit bei Eintracht Frankfurt bestens kannte.

Doch seit Lindner Anfang September einen Vertrag beim FCB unterschrieben hat, werden die Diskussionen um ebendiese Rollenverteilung nicht leiser, sondern lauter. Nicht, weil der Österreicher intern aufmüpft. Zwar erklärte er vor kurzem, dass er natürlich immer spielen wolle. Nur aber um nachzuschieben, dass er wisse, wofür er geholt worden sei.

Es sind viel mehr die Leistungen Lindners, aber auch jene Nikolics, welche die Debatte von selber ankurbeln. Djordje Nikolic, ohne Zweifel ein hochveranlagter Torhüter, konnte in den Spielen vor seiner Corona-Erkrankung des Öftern nicht restlos überzeugen. Nikolic fehlte oft die Ruhe und Sicherheit, die sein Vorgänger Jonas Omlin bis auf die Zuschauerränge ausstrahlte. Eine Ruhe, die auch von Lindner ausgeht, zumindest bis zu seinen Vordermännern. Pajtim Kasami beispielsweise wollte Heinz Lindner nach dessen sensationeller Leistung am Samstag gegen Servette die Note 10 verteilen – ungeachtet dessen, dass die Skala bei 6 endet. Und Lindners Pendant im Genfer Tor war sich sicher, dass der 1:0-Sieg des FCB zu grossen Teilen Lindners Verdienst war. Dieser 1:0- Sieg. Der Erste des FCB in dieser Meisterschaft zu null. Es mag Zufall sein, dass dies ausgerechnet mit Lindner erstmals klappt.

Die Zahlen sprechen pro Lindner

Es sind aber auch Lorbeeren und Argumente pro Lindner. Unterstreichen liessen sich diese von Zahlen: Derweil Nikolic 70 Prozent aller Schüsse auf sein Tor pariert, sind es bei Lindner 80. Und auch die Passgenauigkeit in der eigenen Hälfte ist beim Österreicher höher (90 Prozent) als beim jungen Serben (84 Prozent). Zwar stellt sich die Frage für Sforza vor allem heute nicht, wen er zwischen die Pfosten stellen soll, weil sich Nikolic nach überstandener Isolation noch im Aufbau befindet und es ihm noch nicht ins Kader reicht.

Aber obschon Sforza von «keiner Diskussion» spricht, lässt er auch durchblicken, dass man sich Gedanken macht: «Wir werden es sehen. Ich will nicht spekulieren, und ich will keine Menschen kaputtmachen. Das ist nicht meine Art.» Man könnte durchaus auslegen, dass er eine Degradierung Nikolics zur Nummer 2 als ein solches Kaputtmachen eines hoffnungsvollen Spielers und Menschen sehen würde. Vor allem, nachdem Sforza bislang und auch nach den Patzern Nikolics immer an ihm festgehalten hatte.

Weil man den Serben so sehr schätzt, bekommt er vorerst einmal Zeit. «Wir haben mit ihm besprochen, dass er erst ganz fit werden soll. Wir haben die Ruhe und werden das analysieren. Dann schauen wir von Spiel zu Spiel.» Von diesen gibt es bis Weihnachten noch fünf. Gut möglich, dass man ihm genau diese fünf Spiele gibt, um im Hintergrund gestärkt aus dieser Debatte herauszukommen. Klar ist aber, dass die Diskussionen nicht abreissen, solange der FCB zwei solch starke Torhüter in seinen Reihen hat.

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