FC Basel
Das Kumpelproblem und andere Aufgaben, die auf den Wicky-Nachfolger zukommen werden

Einen Wicky-Nachfolger gibt es noch nicht – dafür viele Baustellen, mit denen er sich konfrontiert sehen wird. Dazu gehören auch die Kommunikation und das Kader.

Céline Feller und Sébastian Lavoyer
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Das Kumpelproblem beim FCB
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Raphael Wicky ist per sofort nicht mehr Trainer des FCB
Und weg ist er: Raphael Wicky verabschiedet sich nach etwas mehr als einem Jahr als Cheftrainer der 1. Mannschaft.
Ein Trio, das schlussendlich nicht wie gewünscht harmonierte: Ex-FCB-Cheftrainer Raphael Wicky (v.l.), Sportdirektor Marco Streller und Präsident Bernhard Burgener,
Raphael Wicky lieferte mit seinem Team die erfolgreichste Champions-League-Vorstellung ab. Gewann aber national keinen Titel.
Der schlechte Saisonstart mit der Auftaktniederlage in der Liga und der Auswärtspleite in Griechenland wurde Raphael Wicky zum Verhängnis. Er wurde entlassen.
Mit Raphael Wicky (links) muss auch sein Assistent Massimo Lombardo seinen Platz räumen.
Eklat in Basel: Raphael Wicky per sofort nicht mehr Trainer des FCB
Ersetzt wird Wicky interimistisch durch U18-Trainer Alex Frei...
... und unterstützt von Marco Schällibaum.
FCB-Sportchef Marco Streller: «Wir erwarten jetzt von der Mannschaft eine positive Reaktion und einen starken Siegeswillen, damit wir unsere Ziele für diese Saison erreichen. Ich bedanke mich für die Zusammenarbeit mit Raphael Wicky und wünsche ihm auf seinem weiteren Weg alles Gute.»
COO Roland Heri: «Wir bedanken uns bei Raphael Wicky für die Zusammenarbeit und wir bedauern die Entwicklung, die sie genommen hat. Wir mussten aber eine professionelle Entscheidung im Sinne des FCB treffen.»

Das Kumpelproblem beim FCB

Keystone

Diverse verletzte Spieler, bereits drei Punkte Rückstand in der Liga auf YB, kein Back-up für den einzigen Rechtsverteidiger im Kader, Silvan Widmer – der FC Basel hat sich schon besser präsentiert. Wer sich der Probleme nach der fristlosen Entlassung von Trainer Raphael Wicky annehmen soll, ist noch nicht bekannt. Klar ist nur, dass er einen Klub mit unglaublich vielen Baustellen übernehmen wird. Welche das sind, zeigt die «Schweiz am Wochenende» auf.

1 Die Kommunikation

So inexistent die Kommunikation seit der Entlassung von Raphael Wicky ist, so offensiv war sie bis zu diesem Zeitpunkt – meist von FCB-Sportchef Marco Streller. Ricky van Wolfswinkel sei ein Königstransfer. Valentin Stocker ein 1:1-Ersatz für Renato Steffen. Silvan Widmer ein Transfercoup. Das aktuelle Kader definitiv gut und auch breit genug. Und sowieso: der Trainer sei kein Thema.

Bewahrheitet hat sich davon bisher nichts. Die Aussage bezüglich Widmer scheint noch die realistischste zu sein. Fakt ist, dass Streller extrem offensiv kommunizierte und damit unnötig Druck aufbaute. Beispielsweise auf Stocker, der sich unlängst eine defensivere Kommunikation gewünscht hatte.

Er sagt: «Sehr viele Dinge sind auch immer eine Frage der Kommunikation. Damit kann man verschiedenes beeinflussen.» Was er auf seine Person und die Erwartungen an ihn bezogen hat, welche Strellers Aussagen provozierten, kann man getrost auf die Kommunikation des Vereins im Allgemeinen übertragen.

Wer sagt, das Kader sei gut genug, und die grösstmöglichen Ziele ausgibt, der sagt auch: Wenn diese nicht erfüllt werden, liegt es am Trainer und dessen Unfähigkeit. Ob der nun Wicky, Frei, Koller, Rahmen, Schmidt oder sonst wie heisst.

2 Nähe des Sportchefs

Marco Streller hat zu einigen Spielern einen näheren Bezug, als ihn Ex-Trainer Wicky jemals hätte haben können. Zudem hatte Wicky immer betont, dass es Bereiche gebe, in die er sich nicht einmische. Er wahrte Distanz.

Distanz, die Streller kaum hat, auch aufgrund seiner nahen Verbindung zu Valentin Stocker, Fabian Frei oder Taulant Xhaka, mit denen er historische Erfolge feierte. Es ist eine Nähe, die es unter Vorgänger Georg Heitz nicht gab und die problematisch ist, weil sie den Trainer unterminieren kann.

3 Das Kader

Ein 20-jähriger Innenverteidiger gibt sein Profi-Debüt auf der Position des Rechtsverteidigers, und das in einem Spiel, in dem es um das Erreichen der für den FCB wichtigen europäischen Wettbewerbe und damit verbundenen Millionen geht.

Yves Kaiser war gegen Paok die letzte Option, weil der einzige Rechtsverteidiger im Kader, Widmer, fiel und der FCB einfach gehofft hatte, dass das nie passieren würde. Es ist nur ein Punkt, der zeigt: Das Kader ist dünn, muss aber für hochgesteckte Ziele ausreichen.

4 Führungsstil des Präsidenten

Wenn Bernhard Burgener eine Firma führt, setzt er Leute mit viel Fachwissen ein, denen er Vertrauen schenkt. Volles Vertrauen. Er legt das Tagesgeschäft in deren Hände und zieht sich zurück. Das mag in der Unternehmerbranche funktionieren, nicht aber im Fussballbusiness.

Statt den Verein mit Herzblut und Emotionen zu führen und sich hinzustellen, wenn es nötig ist, führt er mit Kalkül, kühlem Kopf und verkriecht sich, wenn es darauf ankommt. Er greift nur dann ein, wenn ihn jemand infrage stellt. Und dann richtig. Denn das mag Burgener gar nicht. Das hat Raphael Wicky zu spüren bekommen, als er das Kader hinterfragt, Verkäufe kritisiert und Verstärkungen gefordert hat. Als Quittung gab es die Entlassung.

5 Die Vetterliwirtschaft

«Jobs for the boys» nennt es FCB-Legende Scott Chipperfield. Vetterliwirtschaft die anderen. Gemeint ist die Ansammlung von Kumpels im und um das Kader von Marco Streller. Fabian Frei und Valentin Stocker im Team. Alex Frei als Interimstrainer. Dessen Bruder – der ebenfalls auf den Namen Fabian Frei hört – als Video-Analyst im Trainer-Staff.

Und dann noch die beiden Neuzugänge Aldo Kalulu und Julian von Moos. Sie haben auf den ersten Blick nichts mit den FCB-Freunden zu tun. Auf den zweiten aber schon, werden sie doch von den Degen-Zwillingen beraten.

6 Die Zeit

Ein Trainer braucht Zeit. Um sein Team kennen zu lernen. Die Charaktere der Spieler zu verstehen. Deren Stärken. Deren Schwächen. Und um seine Fussballidee zu vermitteln und allenfalls dem gegebenen Spielermaterial anzupassen.

Oder wie Wicky zu sagen pflegte: «Ein Grossteil der Mannschaft war schon im Winter da. Daher müssen wir nicht wieder bei null anfangen.» Sein Nachfolger wird aber genau das tun: bei null anfangen.

Nur tut er dies nicht zu Beginn einer fünfwöchigen Vorbereitung, mitten in der Saison. Somit hat er keine Zeit für Ausrutscher. Er muss liefern. Sofort. Noch mehr verpatzte Spiele und verschlafene Starts kann sich der FCB nicht leisten. Die Zeit läuft gegen ihn.

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