Stadionfrage
«Das ist uns der Spitzenfussball in der Stadt Zürich wert»

Gerold Lauber, Vorsteher des Schul- und Sportdepartements der Stadt Zürich, spricht über die Krise bei GC und die neuen Fussball- und Eishockeystadien.

François Schmid-Bechtel
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Ist es Ihnen egal, wenn GC zugrunde geht?

Gerold Lauber: Das ist eine hypothetische Frage. Natürlich ist mir GC nicht egal. Denn dieser Klub gehört zu Zürich. Ich bin überzeugt, dass GC nicht zugrunde gehen wird.

Wie können Sie GC helfen?

Lauber: GC hat den Mietvertrag im Letzigrund bekanntlich gekündigt. Jetzt gilt es, eine für alle Parteien akzeptable Lösung zu finden.

Nervt Sie das Gejammer von GC?

Lauber: Nein, solche Dinge belasten mich emotional nicht. GC hat wirklich einige Probleme. Und dessen CEO gibt selber zu, dass einige dieser Probleme hausgemacht sind.

GC-CEO Urs Linsi kokettiert mit einem Umzug. Befürchten Sie, dass GC dereinst in Aarau die Heimspiele austragen wird?

Lauber: Es wäre schade, wenn GC die Stadt Zürich verlassen würde. Aber es ist legitim, wenn GC nach der Kündigung des Mietvertrages für den Letzigrund nach alternativen Austragungsorten sucht. Ich bin aber nach wie vor zuversichtlich, dass GC auch in der kommenden Saison in der Stadt Zürich spielen wird.

Was ist der Nutzen für die Stadt, dass GC am Leben bleibt?

Lauber: Dieser Klub hat eine riesige Tradition und die Farben der Stadt sowohl national als auch international würdig vertreten. Zudem hätten wir keine richtigen Derbys mehr, was sicher alle Fussballfans bedauern würden.

Wie haben Sie darauf reagiert, dass man den Wettbewerb für das neue Stadion zurückstecken musste?

Lauber: Wir durften den Wettbewerb nicht ausschreiben, weil der Gemeinderat das Budget für 2011 zurückgewiesen hat und wir nun bis Ende März ein Not-Budget haben.

Aber der Wettbewerb macht nur einen kleinen Teil der 220 Millionen Franken aus, die man nun einsparen muss. Wäre es nicht möglich gewesen, den Wettbewerb im Not-Budget unterzubringen?

Lauber: Nein. Das Not-Budget sieht nur Ausgaben für absolute Notwendigkeiten vor. Rechtlich war es gar nicht möglich, den Wettbewerb per 15. Januar auszuschreiben.

Sportler kritisieren, dass die Stadt für Kultur mehr ausgibt als für den Sport. Von 1993 bis 2006 soll die Stadt dem Schauspielhaus 193 Franken pro Besucher gezahlt haben.

Lauber: Es ist falsch, wenn man Kultur und Sport gegeneinander ausspielt. Zudem sind die beiden Budgets in etwa gleich hoch und haben 2009 rund 70 Millionen Franken betragen. Wir subventionieren beispielsweise auch den Letzigrund mit jährlich 8,8 Millionen Franken pro Jahr. Und noch eine Klammerbemerkung: Die Beiträge der Fussballklubs sind ertragsabhängig. Es stimmt nicht, dass GC pro Jahr zwei Millionen Franken für Stadion und Sicherheit bezahlen muss, wie dies kolportiert wurde. Sobald mit GC alles bereinigt ist, werden wir über die genauen Zahlen informieren – Klammer geschlossen.

War es ein Fehler, mit dem fussballuntauglichen Stadion Letzigrund um jeden Preis auf den EM-Zug aufzuspringen?

Lauber: Die EM war eine Chance für den Letzigrund. Natürlich ist die Stimmung im Letzigrund nicht gleich gut wie in einem reinen Fussballstadion und in der Tat herrscht in den oberen Reihen etwas Durchzug. Aber das ist jammern auf hohem Niveau.

Falls tatsächlich mal ein Fussball-Stadion gebaut wird, wird der Letzigrund nur noch für ein Meeting und drei bis vier Konzerte pro Jahr gebraucht – ist das dekadent?

Lauber: Das widerspricht der Argumentation, die Stadt müsse im Sport etwas bieten. Allein wegen des Leichtathletik-Meetings und der Leichtathletik-EM 2014 hat dieses Stadion eine Daseinsberechtigung. Ausserdem gilt es, zusammen mit Swiss Olympic, die Leichtathletik im Hinblick auf die EM gezielt zu fördern. Die Frage ist nicht, ob wir ein Stadion zu viel, sondern zwei Stadien zu wenig haben.

Sie sprechen die Eishockeyaner an, die mit dem Hallenstadion auch nicht glücklich sind, weil es eher Event- als Sporttempel ist.

Lauber: Das ist richtig. Deshalb suchen wir gemeinsam mit den ZSC Lions nach Alternativen. Wir haben die ganze Stadt nach einem geeigneten Standort durchgescannt und sind in der «Unteren Isleren» in Altstetten fündig geworden.

Wie weit ist man fortgeschritten?

Lauber: Die Machbarkeitsstudie ist abgeschlossen. Die Bauherrschaft würden private Investoren übernehmen. Die Stadt wird im Baurecht das Land zur Verfügung stellen. Bis jetzt sind wir auf keine unüberwindbaren Hindernisse gestossen. Ausserdem führen wir Diskussionen mit den Pächtern der Familiengärten, die dem Stadion weichen müssen und denen wir in der Nähe Realersatz anbieten. Ich bin optimistisch, dass dieses Projekt bald umgesetzt wird.

Wie sieht dieses Projekt aus? Mit Mantelnutzung oder gibt es nur ein reines Eishockeystadion?

Lauber: Man würde die Verwaltung der ZSC Lions integrieren. Genutzt wird dieses Stadion einzig für Eishockey und eishockeyverwandte Sportarten.

Also kein Mega-Projekt?

Lauber: Nein, das wäre auch nicht zu finanzieren. Aber das Stadion sieht doch eine Kapazität von 10000 bis 12000 Zuschauern vor.

Wie hoch sind die Kosten?

Lauber: Die Kosten sind derzeit noch nicht im Detail bekannt.

Für das neue Fussballstadion befürworten Sie Stehplätze. Doch die Fifa ist strikt dagegen. Trotzdem will man die Namensrechte der Fifa verkaufen. Wie wollen Sie dieses Dilemma lösen?

Lauber: Für eine lebendige Fankultur braucht es Stehplätze. Wir haben mit der Fifa diverse Punkte diskutiert. Auch den Punkt Kunst- oder Naturrasen. Die Fifa forderte unmissverständlich Kunstrasen. Andernfalls würde sie aussteigen. Unterdessen ist der Kunstrasen aber nicht mehr sakrosankt. Im Moment beharrt die Fifa noch auf Sitzplätze. Aber ich glaube, dass wir eine flexible Lösung finden werden. Das heisst: Für internationale Spiele müssen die Steh- in Sitzplätze umgewandelt werden. Wir werden genau beobachten, was diesbezüglich Luzern für eine Lösung präsentiert.

Ein Stadion ohne Mantelnutzung ist nicht kostendeckend. Braucht man die Fifa, um das Loch zu stopfen?

Lauber: Selbst wenn die Fifa partizipieren würde, bliebe ein Fehlbetrag in Millionenhöhe.

Den die Stadt tragen muss?

Lauber: Richtig. Aber das ist uns der Spitzenfussball in der Stadt Zürich wert.