FC Basel
Das Comeback der Luganesi im St.Jakob-Park

13 Jahre, 4 Monate und 18 Tage – der FC Lugano ist wahrlich lange nicht mehr im St. Jakob-Park zu Gast gewesen. Und so lädt das Comeback der Bianconeri heute Samstag förmlich ein, um zurückzublicken.

Markus Brütsch
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Lugano-Goalie Stefano Razzetti muss hilflos zusehen, wie der frühere Teamkollege Christian Gimenez für den FC Basel trifft. .freshfocus

Lugano-Goalie Stefano Razzetti muss hilflos zusehen, wie der frühere Teamkollege Christian Gimenez für den FC Basel trifft. .freshfocus

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Nachdem der FC Lugano 1949 vor dem FC Basel Meister geworden war, gab es diese Konstellation zwar nie mehr, dafür ein paar geschichtsträchtige Begegnungen der beiden Traditionsklubs. Wie etwa 1967, als Lugano zum Wiederholungsspiel des Cuphalbfinals (2:1 für den FCB) im Joggeli erschien und nicht weniger als 52 000 Zuschauer anzog – die höchste Besucherzahl für einen Cupmatch in Basel.

Am 12. Dezember 1998 waren die Luganesi dann vor 34 745 Zuschauern bei ihrem 3:1-Sieg die letzte Gästemannschaft, die im alten Stadion St. Jakob antrat, bevor zwei Tage später die Abbrucharbeiten zugunsten des neuen St. Jakob-Parks begannen.

Zwei Jahre und drei Monate später, und nur drei Tage nach dessen Einweihung, waren die Tessiner dann erstmals im Basler Prunkstück zu Gast. Sie verloren nach einer Pausenführung noch 1:4. Am Ende der Saison 00/01 standen die Südschweizer dann aber vor dem viertklassierten FCB hinter Meister GC auf Rang 2.

«Danach machte Basel einen cleveren und entscheidenden Schachzug», erinnert sich der damalige Lugano-Goalie Stefano Razzetti. «Er warb uns Gimenez ab.» Dieser war mit 21 Treffern Torschützenkönig geworden. «Damit wurden die Basler enorm verstärkt und wir gleichzeitig massiv geschwächt.»

Gimenez führ Basel zum lang ersehnten Titel

Tatsächlich ballerte der Argentinier danach den FCB in der Spielzeit 01/02 mit 28 Toren zum ersten Meistertitel seit 22 Jahren. «Und wir mussten zusehen, wie die Basler diesen Triumph im letzten Spiel feierten», sagt Razzetti. «Wir verloren in einer spektakulären Partie 3:4, Gimenez schoss natürlich ein Tor und es herrschte eine unglaubliche Stimmung im St. Jakob-Park.» 33 433 Zuschauer hatten diesen bis auf den letzten Platz gefüllt. Vier Tage später gewann der FCB, erneut im St. Jakob-Park, beim 2:1-Sieg gegen GC nach 27-jähriger Durststrecke auch noch den Cup und holte erstmals nach 1967 wieder das Double.

Für Lugano aber sollte der damalige Auftritt – als Tabellendritter notabene – bis heute der letzte im St. Jakob-Park bleiben. «Ein paar Monate zuvor war unser Präsident Helios Jermini mit dem Auto in den Luganersee gefahren. Wir wussten, wie prekär die finanzielle Situation des FC Lugano war. Aber wir hatten gute Spieler wie Rothenbühler, Bastida und Rossi. Die Einstellung stimmte, wir gaben immer Vollgas», sagt Razzetti. 81 Millionen Franken hatte Jermini veruntreut und davon 45 Millionen in den FC Lugano gesteckt.

Zwangsrelegation in die Nationalliga B

Weniger als ein Monat nach dem Gastspiel in Basel wurde der FC Lugano dann in die Nationalliga B zwangsrelegiert. «Und klar, der FC Basel holte nach Christian Gimenez nun auch noch Julio Rossi», sagt Razzetti. «Damit hatte er natürlich den besten Sturm der Liga.» Razzetti blieb zunächst noch im Tessin, spielte auch noch die Qualifikationsspiele zum Uefa-Cup gegen Ventspils, wechselte dann aber im Januar 2003 zum FC St. Gallen.

Um aus der Ferne mit ansehen zu müssen, wie Lugano im März 2003 beim 1:2 gegen Aarau zum letzten Mal ins Cornaredo einlief und danach Konkurs anmeldete. Dank der Fusion mit Malcantone Agno zur AC Lugano blieben die Luganesi aber zweitklassig und durften in der neu eingeführten Challenge League mitspielen. Sie trafen im Herbst 2006 im Cup zu Hause auf Basel (0:4) und änderten 2008 schliesslich ihren Namen wieder in FC Lugano.

Dieser dümpelte sieben Saisons weiter in der Zweitklassigkeit, bis im Mai letzten Jahres unter Livio Bordoli nach 13 Jahren die Rückkehr in die höchste Spielklasse gelang. «Ich finde es grossartig, dass endlich wieder ein Tessiner Klub in der Super League spielt», sagt Razzetti, der heute als Goalietrainer beim FC St. Gallen tätig ist. «Ich kann mir vorstellen, dass Lugano den Klassenerhalt schafft. Trainer Zeman ist zwar alt geworden, noch immer aber ein ganz schlauer Fuchs.»

Ob dies für den Aufsteiger aber gleich auch zum ersten Sieg in Basel seit mehr als 15 Jahren, einem 3:2 auf der Schützenmatte, reicht?

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