WM14

Das chilenische Selbstmord-Kommando lehrt die Brasilianer das Fürchten

Wie ein wild gewordener Schwarm Moskitos: Chiles Fussballer sind in Topform.

Wie ein wild gewordener Schwarm Moskitos: Chiles Fussballer sind in Topform.

Siegen oder fliegen: Für die Brasilianer um Superstar Neymar geht es auf ihrer «Mission Hexa» ab jetzt um alles oder nichts. Aber Chiles Krieger wollen zum Partyschreck werden.

Neymar-Mania oder Super-GAU: Die Seleção ist im Achtelfinal-Kracher gegen Chile zum Siegen verdammt. Alles andere als ein Weiterkommen gegen den Lieblingsgegner würde Brasilien in ein Tal der Tränen stürzen. Doch der Respekt vor den Kriegern der La Roja um Arturo Vidal und Alexis Sanchez ist im Lager des Top-Favoriten gewaltig.

«Hätte ich die Wahl gehabt, ich hätte sie sicher nicht ausgesucht», sagt Brasiliens Trainer Luiz Felipe Scolari. Gegen die extrem aggressiven Quälgeister des Rivalen setzt der 65-Jährige wieder alle Hoffnungen auf sein Wunderkind Neymar.

Der 22 Jahre alte Star des FC Barcelona hielt dem riesigen Erwartungsdruck der 200 Millionen Fussball-Fans im Gastgeberland bisher stand und sorgte im Alleingang für die wenigen lichten Momente des Teams – vier der sieben Treffer gehen auf das Konto des Hoffnungsträgers. Der Hype um den Mädchen-Schwarm mit der merkwürdigen Frisur könnte grösser nicht sein.

Auch Ronaldo, der Brasilien 2002 zum fünften und bisher letzten Titel geschossen hatte, ist begeistert. «Neymar ist herausragend, meiner Meinung nach der beste Spieler bei der WM», sagt Il Fenomeno: «Er macht keine Fehler, hat sich als sehr erwachsen gezeigt, ist technisch unglaublich stark. Ich habe von Messi noch nicht so viel gesehen, aber Neymar ist der Mann.»

Doch bei aller Bewunderung für Neymar: Er ist auch der wunde Punkt der Seleção. Wenn Chile den Zauberkünstler aus dem Spiel nimmt, ist nicht mehr viel übrig. «Wir wollten nicht gegen Brasilien spielen», sagt Vidal: «Aber Brasilien wollte noch viel weniger gegen uns spielen. Weil wir eine Mannschaft sind wie ein Selbstmord-Kommando. Wir geben unser Leben für diese WM.» Die Mannschaft von Trainer Jorge Sampaoli fiel bisher wie ein wild gewordener Moskito-Schwarm über die Gegner her und will ihr Brasilien-Trauma ablegen.

Chile qualifizierte sich bisher dreimal für die K.-o.-Runde einer WM und scheiterte immer an – Brasilien. 1962 bei der Heim-WM im Halbfinal 2:4. Zuletzt verlor man 1998 und 2010 im Achtelfinal 1:4 und 0:3. «Brasilien war schon oft Chiles Nemesis, aber der Fussball ändert sich», sagt Vidal: «Wir sind eine neue Generation von Spielern.» Zudem kann Chile auf die Unterstützung von rund 30 000 Fans bauen. Die Polizei ist in Alarmbereitschaft und versucht, mit rund 15 000 Beamten die Sicherheit beim Traditionsduell zu gewähren. Tickets werden auf dem Schwarzmarkt für rund 2500 US-Dollar gehandelt.

Der ganze Rummel scheint Neymar nicht zu belasten. Der Angreifer telefonierte bis zuletzt mit Chiles Sturmhoffnung Sanchez, seinem Kollegen in Barcelona. «Ich telefoniere immer mit Alexis», sagt Neymar bestens gelaunt und warnt vor seinem Kumpel: «Er ist ein Star, ich bewundere ihn. Wir dürfen ihm keinen Raum lassen.» Denn auch Neymar weiss: Der Hype um ihn kann ganz schnell im Super-GAU enden.

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