Duell der Xhaka-Brüder
«Das Beste wäre, wir flögen beide nach zwei Minuten vom Platz»

53 Tage vor dem ersten Spiel der Schweizer Nationalmannschaft an der EM in Frankreich gegen Albanien spricht Granit Xhaka über das Bruderduell mit Taulant. Und er äussert sich zu einem möglichen Wechsel von Taulant Xhaka zu Mönchengladbach.

Etienne Wuillemin
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Im Spiel Schweiz gegen Albanien trifft Xhaka auf Xhaka.

Im Spiel Schweiz gegen Albanien trifft Xhaka auf Xhaka.

Keystone

Mehr Emotionen? Unmöglich. Schweiz gegen Albanien ist auch ein Spiel gegen das eigene Blut. Derzeit sind im Schweizer Nationalteam sieben Spieler mit kosovarischen Wurzeln. Für niemanden ist das Spiel gegen Albanien aber so speziell wie für Granit Xhaka. Der 23-Jährige steht vor dem Duell gegen Bruder Taulant (25).
Granit Xhaka über...
... das emotionale Spiel gegen seinen Bruder Taulant:
«Am besten fliegen wir beide in der zweiten Minute vom Platz - dann wird es einfacher. Nein, Spass bei Seite. Es ist ein spezielles Spiel für unsere Familie. Gegeneinander zu spielen ist wohl das letzte, das wir uns gewünscht hätten, Kinder wie Eltern. Aber wir konnten nichts beeinflussen und uns mittlerweile damit abfinden. Wir sind professionell genug, die Situation auf dem Platz auszublenden. Der Bessere soll gewinnen.»
... die Beziehung zum Kosovo:
«Taulant und ich sind beide in der Schweiz geboren und aufgewachsen. Erst mit 12 haben wir den Kosovo zum ersten Mal gesehen. Wir machten sowohl im Sommer wie auch im Winter dort Ferien bei den Grosseltern.»
... seine Entscheidung für die Schweiz und Taulants Entscheidung für Albanien:
«Das ist ganz einfach: Bei mir war es so, dass Albanien kein Interesse hatte an mir, die Schweiz aber schon. Und bei Taulant war es umgekehrt.»

... das Verhältnis zu seinem Bruder Taulant:
«Ich habe ein super Verhältnis. Wir sind nicht nur Brüder, sondern auch beste Freunde. Wir telefonieren tagtäglich. Er ist ein Vorbild für mich, auf und neben dem Platz. Wir waren immer füreinander da, in guten wie in schlechten Zeiten.»
... das letzte Bruder-Duell, als Granit noch bei Basel und Taulant bei GC spielten:
«Ich weiss nicht mehr viel davon. Das ist zu lange her. Aber an eines kann ich mich erinnern: Kurz nach dem Spiel flogen wir nach Mallorca, obwohl die Saison noch nicht zu Ende war. Aber der FCB war schon längst Meister.»

... die Entwicklung von Bruder Taulant:
«Seine Entwicklung ist unfassbar! Die anderthalb Jahre bei GC haben ihm unheimlich gut getan. Nicht nur als Spieler, sondern auch als Mensch. Er ist jetzt viel weiter. Und hat auch - verdientermassen - eine grössere Rolle bei Basel. Er ist ein anderer Mensch geworden.»

... einen möglichen Wechsel von Taulant Xhaka zu Mönchengladbach:
«Ich habe noch mit niemandem im Verein darüber gesprochen. Das soll auch nicht meine Sache sein. Die Entscheidungsträger wissen schon, dass es noch einen anderen Xhaka gibt in der Schweiz, der sicher hier in Mönchengladbach auch spielen könnte - aber das kann ich nicht beeinflussen.»

... seine neue Rolle als Chef auf dem Platz nach dem Rausschmiss von Nati-Captain Inler:
«Viele Sachen waren anscheinend negativ - aber damit kann ich umgehen. Ich sagte schlicht, dass ich gerne zentral spielen würde. Ich bin erst 23 - und stelle darum keine Ansprüche, dass ich der Chef sein will. Es gibt andere Spieler, die viel mehr Erfahrung haben. Ihnen gebührt auch die Chef-Rolle.»

... die EM als persönliche Bühne:
«Ich mache mir darüber keine grossen Gedanken und keinen Druck. Viele kennen mich und meine Qualitäten. Ich muss meine Qualitäten nicht primär an der EM unter Beweis stellen, das geht auch in der Bundesliga, wo ich mittlerweile mehr als 100 Spiele absolviert habe.»

... die EM-Favoriten:
«Als Weltmeister ist Deutschland automatisch erster Favorit. Frankreich darf man nicht unterschätzen, sie haben eine Super-Mannschaft. Und vielleicht Belgien noch.»

... den EM-Titel von Griechenland 2004:
«So etwas ist einmalig. Wenn das nochmals ein Team schafft - dann Chapeau! Unser erstes Ziel ist es, die Gruppenphase zu überstehen. Danach müssen wir auch auf ein gutes Los hoffen. Gegen Argentinien im WM-Achtelfinal haben wir ein super Spiel absolviert, aber das interessiert niemanden, wir sind gleichwohl ausgeschieden.»

... die Stärken und Schwächen der Schweiz:
«Wir haben keine Einzelspieler, die eine Partie alleine entscheiden können. Wir müssen kämpfen und laufen füreinander. Das ist das Wichtigste für uns. Es darf niemand denken: ‹Ich bin der Star und schaffe das alleine!› So sind wir nicht. Wir sind kein Brasilien und wir haben auch keinen Messi. Wir müssen sein wie eine Familie.»

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