Interview
Darum ist die Polizei nicht gegen die GC-Chaoten vorgegangen

Die Luzerner Staatsanwalt prüft momentan, ob beim durch GC-Chaoten verursachten Spielabbruch in der Swisspor-Arena ein strafrechtlich relevantes Verhalten vorliegt. Christian Bertschi, Mediensprecher der Luzerner Polizei, erklärt derweil, warum die Polizisten im Stadion passiv geblieben sind.

Jonas von Flüe
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Szenen, die nicht zum Fussball gehören sollten: GC-Fans stürmen von den Rängen.
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Doch es wurde auch Fussball gespielt – und da war der FC Luzern heute für GC zu stark. Hier bejubeln Idriz Voca, Blessing Eleke und Ruben Vargas das Tor zum 1:0.
Luzerns Ruben Vargas (links) im Laufduell mit Cedric Zesiger.
Später freute sich Vargas über seinen Treffer zum 2:0.
Euclides Cabral schirmt den Ball gegen Luzerns Otar Kakabadze ab.
Yoric Ravet zeigt sich konsterniert.
In der 68. Minute begann dann das unrühmliche Ende des Rekordmeisters, als ein Teil ihrer Anhänger von den Rängen stürmten.
Polizisten reagierten und sicherten das Spielfeld.
Der GC-Torhüter Heinz Lindner versuchte, die Fans zu beruhigen – jedoch ohne Erfolg.
Gepanzerte Polizisten auf dem Grün der Swissporarena.
GC-Trainer Uli Forte muss zusehen, wie GC-Anhänger den Abstiegs seiner Equipe besiegelten.
Schiedsrichter Alessandro Dudic entschied sich schliesslich, das Spiel abzubrechen.
Die Sicherheitskräfte stellten sich vor dem Gästesektor auf.

Szenen, die nicht zum Fussball gehören sollten: GC-Fans stürmen von den Rängen.

KEYSTONE/Alexandra Wey, Luzern, 12. Mai 2019

Rund 20 Polizisten im Vollmontur waren am Sonntag auf dem Rasen der Swisspor-Arena präsent. Was war das Einsatzziel?

Christian Bertschi.

Christian Bertschi.

CH Media

Christian Bertschi: Wir wollten die Leute im Stadion schützen. Zum einen die Spieler und Betreuer der beiden Mannschaften. Zum anderen die Zuschauer. Zudem wollten wir verhindern, dass Personen aus dem Gästesektor auf das Spielfeld oder sogar Richtung Kabinen gelangen können.

Wer entschied, dass die Polizei im Stadion Präsenz markieren muss?

Es war ein Entscheid der Polizei in Absprache mit dem FC Luzern. Wir sind während allen Spielen ständig in Kontakt mit den Verantwortlichen des FC Luzern.

Die Polizisten stellten sich auf dem Rasen auf, versuchten aber nicht, die Chaoten zurück in den Gästesektor zu drängen. Warum ging man nicht aktiv gegen die fehlbaren Zuschauer vor?

Wir haben versucht, deeskalierend zu wirken. Wir standen bewusst nur in der zweiten Reihe, zeigten aber auch, dass wir bereit sind. Es stand nicht zur Diskussion, Zwangsmittel einzusetzen. Denn es war nicht absehbar, wie die Personen aus dem Gästesektor reagieren würden. Die Aggression richtete sich auch nicht gegen andere Zuschauer oder die Einsatzkräfte, sondern einzig gegen die Spieler des Grasshopper Clubs.

Gab es Festnahmen?

Nein.

Einige Chaoten waren nicht vermummt. Wie werden die nun weiter identifiziert?

Wir werten nun das Datenmaterial aus den Überwachungskameras aus. Es müsste aber eine Anzeige seitens des FC Luzern eingehen, zum Beispiel wegen Nötigung. Oder vom tätlich angegangenen GC-Spieler (Aimery Pinga; Anm. d. Red.). Dann würden wir eine Untersuchung einleiten.

Die Polizisten waren vor dem Stadion in Bereitschaft. Hat der Einsatz nun höhere Kosten verursacht, als bei anderen Spielen?

Nein. Die Polizei ist bei jedem Match aktiv und zuständig für die Sicherheit ausserhalb des Stadions. Allerdings mit unterschiedlich grossem Aufgebot. Gegen Lugano sind beispielsweise weniger Polizisten vor Ort als gegen GC oder Basel. Wir wussten, dass GC definitiv absteigen kann und haben deshalb im Vorfeld verschiedene Szenarien diskutiert – auch über Vorfälle ausserhalb des Stadions. Zwischenfälle haben wir eher auf dem Rückweg vom Stadion zum Bahnhof erwartet. Dort blieb es allerdings ruhig.