Es war eine der übelsten Szenen auf Schweizer Fussballplätzen seit langem. Ohne Rücksicht auf Verluste streckte Lugano-Verteidiger Fabio Daprelà vor etwas mehr als einer Woche den St. Galler Cedric Itten nieder. Itten zog sich bei der Attacke einen Kreuzbandriss zu – er fällt für mindestens ein halbes Jahr aus.

Nun hat die Disziplinarkommission der Swiss Football League ihr Urteil gefällt: Daprelà wird für sechs Spiele aus dem Verkehr gezogen – zwei Sperren hat der Verteidiger der Tessiner bereits abgesessen.

Immer wieder fehlen Fussballer ihren Teams nach brutalen Fouls oder sonstigen Ausrastern für lange Zeit. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass Daprelà, seit längerem nicht als Kind von Traurigkeit bekannt, in einer Reihe mit prominenten Namen steht.

Eric Cantona

Er war das Enfant terrible des französischen Fussballs: Eric Cantona. Im Januar 1995 ging der Offensivspieler von Manchester United im Kung-Fu-Stil auf einen Zuschauer los, der ihn beleidigt hatte.

Er wurde in der Folge weltweit für acht Monate gesperrt; einer zweiwöchigen Gefängnisstrafe entging der Franzose nur knapp. In einem Interview zwei Jahrzehnte später gab sich Cantona komplett uneinsichtig. Er gab zu Protokoll, er bereue nicht die Tat, sondern etwas anderes: «Ich habe ihn nicht hart genug getreten. Ich hätte ihn härter treten sollen.»

Gabet Chapuisat

Der Vater ein regelrechtes Raubein, der Sohn eher der filigrane Techniker: Gabet Chapuisat, Vater von Stéphane, war als knüppelharter Verteidiger schon vor dem 13. September 1985 bekannt. An jenem Abend beging er eins der schlimmsten Fouls, das jemals auf Schweizer Fussballplätzen passierte.

Der Vevey-Akteur attackierte ohne Rücksicht auf Verluste Servette-Spielmacher Lucien Favre und verletzte ihn schwer am Knie. Der Schiedsrichter übersah das Foul – eine Parallele zum Fall Itten – Daprelà. Vevey entliess Chapuisat in der Folge, Favre zog gegen ihn vor Gericht und erhielt Recht. Chapuisat erhielt eine Busse von 5000 Franken aufgebrummt.

Sandro Wieser

Nach Fabio Daprelàs Foul an Cedric Itten wurden immer wieder Parallelen zur Attacke von Sandro Wieser gegen Gilles Yapi gezogen. Aarau-Spieler Wieser hatte FCZ-Regisseur Yapi im Dezember 2014 das rechte Knie zertrümmert:

Für seinen üblen Angriff erhielt Sandro Wieser eine Sperre von sechs Spielen aufgebrummt. Zusätzlich reichte der FCZ in Absprache mit Yapi Anzeige wegen schwerer Körperverletzung ein. In erster Instanz wurde Wieser prompt zu einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen und einer Busse von 10'000 Franken verurteilt. Wieser rekurrierte gegen den Entscheid, worauf der FCZ die Anzeige zurückzog.

Luis Suarez

Der ungekrönte König der Langzeit-Gesperrten heisst Luis Suarez. Er fehlte seinen jeweiligen Klubs schon mehrfach monatelang wegen Sperren. Sieben Spiele verpasste Suarez beispielsweise in der Saison 2010/2011 bei Ajax Amsterdam, nachdem er einen Gegenspieler in die Schulter gebissen hatte.

Was der Uruguayer daraus lernte? Nichts. 2013 wurde er für zehn Spiele aus dem Verkehr gezogen. Der Grund: Der damalige Liverpool-Angreifer hatte einen Gegenspieler von Chelsea in den Unterarm gebissen.

2014 bei der WM in Brasilien biss Suarez dann auch im Nationalteam zu. Dafür, dass er seine Zähne in die Schulter von Italiens Giorgio Chiellini rammte, kassierte Suarez neun Sperren.

Paolo Guerrero

In seiner Zeit beim Hamburger SV machte der Peruaner Paolo Guerrero weniger mit sportlichen Leistungen als vielmehr mit Ausrastern auf sich aufmerksam. Im Frühling 2012 beispielsweise fuhr Guerrero dem Stuttgarter Torhüter Sven Ulreich an der Cornerfahne von hinten in die Beine. Die Liga sperrte Guerrero daraufhin für acht Spiele.