Viele Menschen schätzen es, im Herbst bei der Zeitumstellung eine Stunde mehr Schlaf zu bekommen. Nicht anzunehmen ist allerdings, dass Kim Källström heute Sonntag besonders lange im Bett liegen bleibt. Denn vorgeschlafen hat der Schwede schon gestern. Um ein Viertel nach acht ist der 34-Jährige nämlich auf dem Rasen des Letzigrundstadions eingenickt.

Anders ist die umständliche Ballkontrolle durch den Captain der Grasshoppers und der anschliessende schludrige Kurzpass auf Cédric Zesiger nicht zu erklären. Der bedauernswerte 18-Jährige liess sich daraufhin den Ball von Seydou Doumbia abluchsen und Matias Delgado hatte schliesslich keine Mühe, den Querpass des Yvorers zum 1:0 (17.) für den FCB zu verwerten.

Und weil GC es schon in den letzten beiden Partien gegen YB geschafft hatte, bis zur 20. Minute jeweils 0:2 in Rückstand zu geraten und scheinbar Gefallen daran gefunden hatte, sorgte es nur drei Minuten später für das zweite Gegentor. Rechtsverteidiger Numa Lavanchy klammerte im Zürcher Strafraum den aufgerückten Basler Linksverteidiger Adama Traoré, dieser liess sich fallen und Schiedsrichter Sandro Schärer zögerte nicht, den Gästen einen Penalty zuzusprechen. Traoré hatte offensichtlich am letzten Samstag in Lugano gut zugeschaut, wie Eder Balanta nach einem Leibchenzupfer blitzschnell zu Boden gegangen war. Delgado verwandelte den Elfmeter souverän; der Argentinier hat nun wie Doumbia sieben Tore auf dem Konto.

Tami zufrieden

Damit war schon nach zwanzig Minuten so gut wie klar, dass die makellose Heimbilanz der Grasshoppers mit bisher fünf Siegen in fünf Spielen zu Ende gehen würde. Denn Basel war ja als auswärtsstärkstes Team angereist und liess auch tatsächlich nicht mehr viel anbrennen. Die Gastgeber besassen zwar Mitte der zweiten Halbzeit durch Runar Sigurjonnson und Ridge Munsy innert vier Minuten zwei gute Möglichkeiten, zum Anschlusstreffer zu kommen, aber beide Bälle flogen knapp am Tor vorbei.

Insgesamt war es allerdings viel zu wenig, was GC in der Offensive zu bieten hatte. Erstaunlicherweise war Trainer Pierluigi Tami mit dem Auftritt seines Teams zufrieden: «Ich habe ihm zur guten zweiten Halbzeit gratuliert. Die Niederlage ist nicht verdient.» Tami hatte seinen siebenfachen Torschützen Caio auf die Ersatzbank gesetzt, obwohl eigentlich keine Alternativen vorhanden sind. Doch der Brasilianer ist mittlerweile in ein solches Formtief geraten, dass Tami den zuletzt aufreizend lustlosen Stürmer mit dieser Massnahme wohl wachrütteln wollte.

Dem FC Basel konnten diese Probleme des Zürcher Abstiegskandidaten egal sein. «Wir haben es bis zur 60. Minute gut gemacht, dann aber wie in Lugano das Spiel aus den Händen gegeben. Das darf nicht passieren», fand der Basler Trainer Urs Fischer aber doch Grund zur Kritik. Noch nicht sagen konnte er, ob die Fussgelenkverletzung von Verteidiger Michael Lang gravierender Natur ist und dessen Einsatz in der Champions League gefährdet ist.

Der FCB hatte sich nach den beiden frühen Toren in idealer Weise für den Kracher vom Dienstag gegen Paris Saint-Germain warmspielen können. Weil er dies aber weitgehend im Sparmodus tat, plätscherte die Partie gehaltlos dahin. Es war erschreckend, auf welch tiefem Tempolevel Super-League-Fussball geboten wurde. So ist auch davon auszugehen, dass nicht nur Källström ein Schläfchen machte, sondern auch auf der Tribüne dem einen oder anderen Besucher temporär die Augen zugefallen sind.

Telegramm:

Grasshoppers - Basel 0:2 (0:2)

7000 Zuschauer. - SR Schärer. - Tore: 17. Delgado (Doumbia) 0:1. 22. Delgado (Foulpenalty) 0:2.

GC: Vasic; Lavanchy, Pnishi, Zesiger, Bamert; Basic, Källström; Munsy, Brahimi (81. Gjorgjev), Sherko (63. Andersen); Tabakovic (58. Sigurjonsson).

Basel: Vaclik; Lang (61. Gaber), Suchy, Balanta, Traoré; Serey Die, Xhaka; Callà, Delgado (72. Zuffi), Bjarnason; Doumbia (80. Janko).

Bemerkungen: Grasshoppers komplett. Basel ohne Akanji, Bua (beide verletzt), Hoegh, Fransson, Steffen (alle krank) und Sporar (nicht im Aufgebot). Lang verletzt ausgeschieden. Verwarnungen: 6. Basic (Foul), 20. Lang (Foul), 88. Källström (Foul).

Das Spiel zum Nachlesen im Liveticker: