Christian Constantin macht im FC Sion reinen Tisch. Zwei Tage nach dem 0:5 in St. Gallen wechselte er den Trainerstaff aus und warf sechs Spieler raus. Der neue Trainer ist ein altbekannter: Michel Decastel (57), in Sitten im letzten Oktober erst freigestellt.

Der Weltmeister Gennaro Gattuso wurde vom heiligen Zorn des Präsidenten immerhin halbwegs verschont. Der hoch dekorierte Italiener wurde nicht freigestellt, sondern bloss degradiert. Er ist jetzt nicht mehr Spielertrainer, sondern nur noch Spieler. Der bisherige Assistent, Luigi Riccio, sowie der offizielle Cheftrainer, Arno Rossini, sind dagegen in keiner Funktion mehr genehm.

Demütigung in St. Gallen brachte Fass zum Überlaufen

Dafür beförderte Constantin das Trio Decastel (Trainer), Christoph Moulin (Assistent) und Fabian Salvi ("Koordinator") vom U21-Team zur 1. Mannschaft. Mit ihnen rücken auch acht Spieler aus der U21-Mannschaft zu den Professionals auf. Dagegen gehören sechs Spieler des Fanionteams per sofort nicht mehr zum Profi-Kader. Gemäss dem Online-Portal von "Le Matin" soll es sich dabei um Michael Dingsdag, Arnaud Bühler, Alberto Regazzoni, Dragan Mrdja, Karim Yoda und Anthony Sauthier handeln.

Die 0:5-Demütigung am Samstag in St. Gallen hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Schon zuvor allerdings hatte sich der FC Sion wochenlang in pitoyabler Verfassung präsentiert. Unter der Führung von Gattuso/Riccio/Rossini holten die Walliser in elf Super-League-Spielen bloss zehn Punkte. Keiner der vier Vorgänger in dieser Saison (Sébastien Fournier, Michel Decastel, Pierre-André Schürmann, Victor Muñoz) brachte es auf einen schlechteren Punkteschnitt.

Die neuste Rochade im Wallis ist vor allem vor dem Hintergrund der vergangenen Herbsttage ziemlich brisant. Als Decastel damals, am 30. Oktober 2012, von Constantin nach nur 57 Tagen freigestellt wurde, galt der Führungsspieler Gattuso als eine der Triebfedern dieser Umwälzung. Nun muss der degradierte Italiener wieder unter Decastel spielen. Im falschen Film wähnt sich Gattuso im Wallis jedoch ohnehin schon lange. Der 35-jährige Haudegen erlebte am Montag den fünften Trainerwechsel seit seiner Ankunft im FC Sion vor zehn Monaten - genau gleich viele wie zuvor in 13 Jahren bei der AC Milan.