Cupfinal

Constantin: «Hännis Ohren sind auf gleicher Höhe wie Strellers Mund»

Sion-Präsident Christian Constantin nimmt die Aussenseiterrolle gegen den FC Basel mit Humor: «Ich werde am Sonntag in die Kirche gehen und hoffen, dass meine Gebete erhört werden.»

Sion-Präsident Christian Constantin nimmt die Aussenseiterrolle gegen den FC Basel mit Humor: «Ich werde am Sonntag in die Kirche gehen und hoffen, dass meine Gebete erhört werden.»

Präsident Christian Constantin spricht vor dem Cupfinal gegen den FC Basel über das Matterhorn, zwölf Cupsiege in Folge, ein viertägiges Trainingslager am Hallwilersee, den Schiedsrichter und Basels abtretenden Star.

Christian Constantin, ein Cupfinal gegen den FC Basel in Basel? Ist das fair? Grenzt das an Wettbewerbsverzerrung? Der Präsident des FC Sion zögert kurz und sagt: «Es kommt noch schlimmer. Mit Nikolaj Hänni wird das Endspiel auch noch von einem Deutschschweizer Schiedsrichter geleitet.»

Ist Hänni eine schlechte Wahl? «Hören Sie», fügt der Klubboss mit einem schelmischen Lächeln hinzu, «man weiss doch, dass die Ohren von Hänni auf gleicher Höhe sind wie der Mund von Basels Mittelstürmer Streller ...»

Hoppla! Was für ein kecker Spruch. Hat Hänni tatsächlich so grosse Ohren, dass sie bis zum Mund von Streller reichen? Besteht wirklich die Gefahr, dass der Schiedsrichter und der Mittelstürmer des FC Basel im Cupfinal am gleichen Strick ziehen? Nein! Natürlich nicht! Alles halb so schlimm: Der Patron des FC Sion provoziert im Vorfeld eines wichtigen Spiels gerne mal und giesst vor dem Cupfinal am nächsten Sonntag bewusst ein wenig Öl ins Feuer.

Wunsch nach «Walliser» Cupfinal

Eigentlich ist Constantin ein cooler Typ: Dass die Wahl des Schweizerischen Fussballverbandes für die Austragung des Cupfinals 2015 auf Basel fiel, nimmt er mit Gelassenheit zur Kenntnis. Und dass die Wahl des Schiedsrichters auf Hänni fiel, war für Constantin schon vor Wochen klar.

«Wäre das Ganze ein Wunschkonzert, würde ich mir einen Cupfinal in unserem Stadion, mit einem Walliser Schiedsrichter und nur mit Walliser Fans wünschen», sagt der Boss. «Eines aber habe ich in den vielen Jahren als Präsident gelernt. Was ich nicht ändern kann, interessiert mich nicht. Es lässt mich kalt.»

Basler St. Jakob-Park hin, Hänni her; der FC Sion ist gegen die Basler in der Rolle des Aussenseiters. An Selbstvertrauen mangelt es Constantin trotzdem nicht. Und ins Boxhorn jagen lässt sich der frühere Torhüter von Xamax (1978/79) und Sion (1979/80) schon gar nicht. Morgen fällt für Constantin der Startschuss zum Unternehmen Cupsieg Nummer 13.

Basel klarer Favorit

Ob der 58-Jährige mit seinem Flugzeug zum viertägigen Trainingslager ins Nobelhotel Seerose nach Meisterschwanden am Hallwilersee fliegt oder die Strecke von Martigny in den Aargau mit seinem Ferrari zurücklegt, ist Nebensache. Hauptsache, Constantin steht im Mittelpunkt! Hauptsache, Constantin steuert den FC Sion auf Erfolgskurs! Hauptsache, der Pokal kommt ins Wallis!

Deshalb bezieht der Alleinherrscher des FC Sion in den nächsten Tagen eine Suite in der «Seerose» und weicht keinen Zentimeter von der Mannschaft. «Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser», sagt er. «Ich will vor dem Highlight der Saison den Puls der Mannschaft spüren. Ich will sehen, wie die Spieler trainieren und wie heiss sie auf den grossen Auftritt sind.»

Und wie beurteilt Constantin das Chancenverhältnis? «Achtzig zu zwanzig für den FC Basel», erklärt er. Was tun? Vielleicht helfen dem FC Sion die Fussballgötter. «Eine gute Idee», sagt Constantin. Ich werde am Sonntag in die Kirche gehen und hoffen, dass meine Gebete erhört werden.»

Grosse Begeisterung

Für die Walliser kommt es am Sonntag also zur 13. Finalteilnahme, für den Präsidenten ist es das siebte Endspiel. Das Verrückte an der Geschichte: Der FC Sion hat noch nie verloren. Zwölf Finals, zwölf Siege lautet die Bilanz. Ein Wahnsinn!
Logisch, dass Constantin wortgewaltig über die Faszination des Cups spricht.

«Das Wallis hat zwei Schönheiten», philosophiert er vor sich hin. «Beide sind einmalig. Für beide werden wir auf der ganzen Welt beneidet. Da ist einerseits das Matterhorn in Zermatt. Da ist anderseits der FC Sion, der die Geschichte des Cups für das Wallis mit zwölf Siegen in zwölf Finals zu einer wunderbaren und einzigartigen Sache gemacht hat.»

Constantin gerät in Fahrt, ist nicht mehr zu stoppen. «Die Begeisterung der Menschen im Wallis vor einem Final kann man nicht beschreiben, man muss sie erleben», erklärt er weiter. «Die 14'000 Tickets für die Fans des FC Sion waren in vier Stunden weg. Wir hätten zwischen 35'000 und 40'000 Tickets verkaufen können.

80'000 Zuschauer?

Ein Final zwischen dem FC Basel und Sion ist mehr als ein Fussballspiel.» Warum das? «Dieser Final ist im ganzen Land von Interesse. Jede sportbegeisterte Schweizerin und jeder sportbegeisterte Schweizer nimmt Anteil am grossen Spiel», erklärt er.

«Es ist ein Prestigeduell zwischen einem Klub der Deutschschweiz und einem Klub der Romandie. Das weckt auf beiden Seiten Emotionen. In einem solch reizvollen Final könnte man ein Stadion von mehr als 80'000 Zuschauern füllen. Leider ist das in der Schweiz nicht möglich.»

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