Lausanne auf dem Weg in die Challenge League

Wie sehen Absteiger aus? So wie Lausanne! Wem in der Schlussphase nach einem Foul, das 23 649 Zuschauer im Stadion sehen, nicht aber der Schiedsrichter, ein Penalty verweigert wird; wer sich acht Minuten vor Schluss einen dämlichen Platzverweis einhandelt; wer in der Nachspielzeit zu wenig leidenschaftlich verteidigt und noch das Tor zur Niederlage kassiert, ja, der hat beste Chancen, sich im Sommer in der Challenge League zu finden.

Stand heute, ist der FC Lausanne-Sport der Abstiegskandidat Nummer 1. «Ein Sieg im Jahr 2018 ist ungenügend», sagte Routinier Alain Rochat nach dem 1:2 gegen den FC Basel im St. Jakob-Park. Auch wenn wegen besagter Szenen ein Quäntchen Pech im Spiel gewesen ist, der Sieg des Noch-Meisters war leistungsgerecht.

Allmählich stellt sich bei den Waadtländern auch die Frage, wie lange der neue Klubbesitzer Ineos mit Fabio Celestini noch Geduld hat. Dem Trainer ist anzukreiden, dass er seine Mannschaft einen zwar gepflegten, aber brotlosen Fussball spielen lässt, der im Abstiegskampf zum Scheitern verurteilt ist.

Thuner Taktik für Lausanne?

Auch der FC Thun hatte versucht, das Publikum mit einem schönen Kick zu verwöhnen, nach einem 2:7 in Sion Trainer Marc Schneider aber die Reissleine gezogen. Er lässt nun viel defensiver spielen und fährt wacker Punkte ein. Am Samstag beim 1:1 in Lugano schossen die Oberländer wie eine Woche zuvor beim 1:0 gegen Luzern – grob geschätzt – einmal aufs Tor.

Lugano seinerseits beendete nach dem Trainerwechsel von Pierluigi Tami zu Guillermo Abascal die Niederlagenserie (sechs am Stück) und holte einen Punkt. Es spielte zwar besser als zuletzt und stand dem Sieg näher, ein Abstieg ist aber für die Tessiner genauso noch möglich wie für die Thuner.

Bessere Karten hat der FC Sion. Er gewann in Luzern verdient 1:0 und gab die rote Laterne an Lausanne ab. Unter dem neuen Trainer Maurizio Jacobacci spielen die Walliser so viel besser als zuvor unter Gabri, dass eine Relegation kaum mehr vorstellbar ist.

Und GC? Die 1:2-Niederlage gegen St. Gallen war zwar nicht gerechtfertigt, wer aber so viele Probleme im Klub wälzt wie der Rekordmeister und ohne Cheftrainer dasteht, kann sich seiner Sache nicht sicher sein.

Fakt ist: Einen Abstiegskampf wie diesen hat es in der Geschichte der Super League noch nie gegeben: Sieben Runden vor Schluss befindet sich die halbe Liga in Gefahr. GC, Thun und Lugano haben 32 Punkte, Sion und Lausanne weisen 31 Zähler auf.

Der Berner Meister-Countdown läuft

Auf der Website meistertraum.ch ist ein Countdown eingerichtet. Er zeigt an, wann YB frühestens als Meister feststehen kann. Nach dem 1:0-Sieg der Berner gegen den FC Zürich durch einen Treffer Sanogos und dem Basler Erfolg gegen Lausanne stand gestern Abend um 20 Uhr zu lesen: 6 Tage, 21 Stunden und 44 Minuten.

Was bedeutet, dass in Bern am nächsten Sonntag ein erstes Meisterfest stattfinden könnte. Gewinnt YB am Mittwoch in Thun und vier Tage später gegen Lausanne, ist Gelbschwarz Meister, wenn der FCB gegen GC und in Sion weniger als vier Punkte holt. Reichen würde es auch, wenn YB vier Punkte holt und der FCB nur einen. Und sollte Basel beide Partien verlieren, dann würde YB ein Sieg genügen.

Alles klar? Übrigens: Sanogo hätte vor dem 1:0 vom Platz gestellt werden müssen. So sieht Meisterglück aus.

Die United verhilft City zum Titel

Auf einem Golfplatz soll Pep Guardiola von der Sensation erfahren haben. Denn der 1:0-Sieg des Tabellenletzten West Bromwich Albion im Old Trafford gegen den Zweiten Manchester United war nun wirklich nicht erwartet worden. Die Mannschaft aus Birmingham ist so gut wie abgestiegen und hat selbst nach ihrem gestrigen Husarenstück nur noch theoretische Chancen auf den Klassenerhalt.

Wie ein begossener Pudel stand Manager José Mourinho in seinem Regenmantel an der Seitenlinie und musste hilflos mit ansehen, wie die United auf den Gegentreffer durch Rodriguez (73.) keine Antwort parat hatte.

Offensichtlich hatten seine Spieler die drei Punkte gegen den Nobody schon vor dem Spiel abgebucht. Die Quittung war das Desaster, den Stadtrivalen im eigenen Stadion zum Meister zu machen. Guardiolas Team hatte am Vorabend bei Tottenham 3:1 gewonnen.

Schalke gewinnt das Derby gegen den BVB

Im Ruhrgebiet herrschte der Ausnahmezustand. Mehr als 300 Spiele des Amateurfussballs waren auf einen anderen Termin verlegt worden, weil die Liga das Derby Schalke gegen Dortmund auf den Sonntagnachmittag angesetzt hatte. Zum einen wären zu den Partien der Unterklassigen kaum Zuschauer erschienen, zum anderen wollten viele der Feierabendfussballer den Bundesligaschlager im Stadion miterleben.

Von den drei Schweizern Roman Bürki, Manuel Akanji (beide Dortmund) und Breel Embolo (Schalke) kam nur ersterer zum Einsatz. Doch der Torhüter des BVB konnte die 0:2-Niederlage in der Veltins-Arena auch nicht verhindern. Schalke unter Jungtrainer Tedesco hat nun vier Runden vor Saisonschluss mit acht Punkten Vorsprung auf Leipzig beste Chancen, sich direkt für die Champions League zu qualifizieren.

Galatasaray siegt im Spitzenkampf

Überall in den europäischen Ligen hat der Endspurt eingesetzt. Extrem spannend geht es in der Türkei zu. Da in der SüperLig noch fünf Runden ausstehend sind, liegt Galatasaray Istanbul einen Punkt vor den punktgleichen Stadtrivalen Basaksehir und Besiktas.

Die Tabellenspitze eroberte «Gala» gestern Abend mit einem 2:0-Heimerfolg über Basaksehir. Der Brasilianer Mariano und Adebayor, der unverwüstliche Mann aus Togo, schossen die Tore. Der Afrikaner allerdings traf in der Nachspielzeit ins eigene Netz.

Die beteiligten Schweizer erlebten einen geruhsamen Tag. Bei Galatasaray wurde Eren Derdiyok erst zwei Minuten vor Schluss eingewechselt, Gökhan Inler sass bei Basaksehir sogar während 90 Minuten auf der Bank. Kerim Frei schliesslich, der als Halbschweizer für die Türkei spielt, durfte für die Gäste noch elf Minuten lang mitspielen. Ohne etwas zu reissen.