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Christoph Kramer vor FCB-Spiel: «Lucien Favre ist schuld»

Zwei Schweizer machten Christoph Kramer indirekt zum Weltmeister. An das Endspiel in Brasilien kann er sich auf Grund einer Gehirnerschütterung nur noch teilweise erinnern.

Martin Probst
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Christoph Kramer ist zurück bei seinem Stammverein Bayer Leverkusen.

Christoph Kramer ist zurück bei seinem Stammverein Bayer Leverkusen.

KEYSTONE

«Schiedsrichter, ist das hier der WM-Final?» Dieser Satz machte Christoph Kramer berühmt. Dabei weiss der Weltmeister von 2014 gar nicht, dass er die Frage überhaupt gestellt hat. In der 17. Minute des Endspiels von Rio wurde der heute 24-jährige Deutsche von der Schulter eines Argentiniers getroffen. Die Folge: Gehirnerschütterung, Blackout. Kramer spielte zwar bis zur 31. Minute weiter, nur erinnern kann er sich nicht daran.

Am Montag jährte sich das Ereignis zum ersten Mal. Es war ein Jahr, in dem Christoph Kramer seine Geschichte immer und immer wieder erzählt hat. Wie er kurzfristig den verletzten Sami Khedira im WM-Final ersetzte, wie er fast 15 Minuten zwar funktionierte, in der Erinnerung aber eine grosse Lücke klafft.

Er verteidigte quasi als Maschine im Autopilot, trug seinen Teil zum Titel bei. «Es war ein Jahr, in dem sich viel für mich verändert hat», sagt Kramer. «Der WM-Titel war die Erfüllung eines Kindheitstraums.» Doch irgendwann muss es weitergehen. Darum spricht er lieber über die Zukunft oder die Rolle der Schweizer.

Favre der Weltmeistermacher

Ohne Lucien Favre und Granit Xhaka wäre Christoph Kramer heute vielleicht gar nicht Weltmeister. Die beiden Schweizer von Borussia Mönchengladbach haben die Karriere des Deutschen massgeblich geprägt. «Es war für mich ein Glücksfall, dass ich Favre in jungen Jahren als Trainer hatte. Er arbeitet sehr akribisch mit jedem Spieler und hat mich definitiv besser gemacht», sagt Kramer. «Ich bin ihm unfassbar dankbar. Er ist schuld daran, was aus mir geworden ist.»

Favre der Weltmeistermacher. Aber nicht nur er. Auch Granit Xhaka, der 2012 vom FC Basel in die Bundesliga wechselte, ist an der Entwicklung von Kramer beteiligt. Zusammen mit dem Schweizer bildete Kramer das Herz der Gladbacher Mannschaft, die in der letzten Saison Rang drei belegte und damit die direkte Qualifikation für die Champions League schaffte. «Granit und ich haben uns perfekt ergänzt, was ein wichtiger Baustein für den Erfolg war», sagt Kramer.

Die positive Entwicklung und die starken Leistungen überzeugten auch Bundestrainer Joachim Löw, was Kramer schliesslich das WM-Ticket für Brasilien bescherte. Den Schweizern sei Dank? «Das kann man so sagen», sagt Kramer.

Der richtige Ort

Die Wege von Christoph Kramer und den Schweizern haben sich nun aber getrennt. Der 24-Jährige kehrte für die neue Saison zurück zu seinem Stammverein Leverkusen. Zu jenem Verein, der ihn einst als zu schlecht für die Juniorenabteilung befand. Es war der Tiefpunkt, aber gleichzeitig der Beginn seiner Karriere. «Ich habe sehr viel investiert, um Profi zu werden, und ein paar schwierige Jahre erlebt», erzählt Kramer.

Statt aufzugeben, wechselte Kramer 2006 in die Jugend von Düsseldorf, wo er sich mit Extra-Trainings wieder bei Leverkusen empfahl. Bei Bayer steht er seit 2008 unter Vertrag, wurde jedoch 2011 für zwei Jahre nach Bochum in die 2. Bundesliga und danach für zwei Jahre an Gladbach ausgeliehen. «Zu allem Fleiss und Talent muss immer sehr viel Glück dazukommen, dass man zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist», sagt Kramer. «Bei mir war das bisher oft der Fall.»

Der richtige Ort soll nun Leverkusen sein. Heute gastiert der Weltmeister mit seinem Team für ein Testspiel in Basel. Zwar hätten ihm Yann Sommer, in der letzten Saison sein Teamkollege bei Gladbach, und Xhaka viel Positives über den FC Basel erzählt, sehr viel hängen geblieben sei aber nicht. Doch Wissenslücken gehören zur Karriere von Christoph Kramer bekanntlich dazu.

Etwas ist aber auch dem Weltmeister nicht entgangen: «Die Auftritte von Basel in der Champions League waren sehr stark.»

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