FC Basel
Captain Marco Streller: «Wir können die Europa League gewinnen»

Nach dem grandiosen 2:2 in London ist die Euphorie bei den FCB-Spielern deutlich zu spüren. Das Selbstvertrauen ist dank der starken Leistung im Team noch weiter gestiegen. Der Captain sieht die Mannschaft bereits auf dem Europa-League-Thron.

Sebastian Wendel, London
Merken
Drucken
Teilen
Marco Streller sieht sich bereits im Finale in Amsterdam.

Marco Streller sieht sich bereits im Finale in Amsterdam.

Keystone

Wo soll man beginnen? Bei Kay Vosers grandioser Leistung aus dem Nichts? Bei Mohamed Salah und seinen vergebenen Chancen? Oder bei der Tatsache, dass der FC Basel am Donnerstagabend den englischen Topklub Tottenham in dessen Stadion phasenweise an die Wand gespielt hat? Die Bandbreite an Themen, die das 2:2 im Hinspiel des Viertelfinals hergibt, ist riesig.

Entsprechend leicht fiel es den Spielern und Trainer Murat Yakin, vor dem Heimflug am Flughafen London-Stansted Stoff für die Notizblöcke und Mikrofone zu liefern.

Es drängt sich die Frage auf, wohin die Reise des FCB in der Europa League nach dieser beeindruckend reifen Leistung führen wird. Marco Strellers Antwort zielt - man hat es insgeheim gehofft - auf den 15. Mai. Den Tag, an dem in Amsterdam der Final stattfindet. «Ja, wir können die Europa League gewinnen», sagt der Captain, «wir haben mit Dnjepropetrowsk das beste Vorrundenteam und mit Zenit ein Schwergewicht eliminiert. Man muss uns auf der Rechnung haben.»

Die Favoritenrolle im Rückspiel gegen Tottenham am Donnerstag im ausverkauften St. Jakob-Park liege beim FCB. «Natürlich können sie gegen uns gewinnen, aber ein Ausscheiden wäre für uns eine Enttäuschung. Zumal Tottenham der Ausfall von Gareth Bale nicht gerade stärker macht.»

Streller kam am Morgen nach dem Spiel regelrecht ins Schwärmen. «Wir zeigten Fussball vom Allerfeinsten. Dieser Auftritt war beste Werbung für uns und den Schweizer Fussball.» Nur wenig habe er geschlafen, nachdem er mit einigen Teamkollegen im Hotel auf das soeben Erlebte zurückgeblickt hatte. «Wie wir nach dem Ausgleich von Tottenham die Partie wieder in die Hände genommen haben und Chancen kreierten, hat mich unglaublich beeindruckt.»

Yakin lässt tief blicken

Zum ersten Mal in der K.o.-Runde musste Rotblau auf fremdem Terrain zum Hinspiel antreten. Gespielt hat er teilweise wie zuhause. Die Abwehrspieler der Londoner verstanden die Welt nicht mehr, als Sturmspitze Streller 25 Meter vor dem Tor zum Pressing ansetzte. «So offensiv habe ich die Jungs eigentlich nicht eingestellt. Aber es zeigt, wie selbstständig sie auf dem Platz sind», sagt Murat Yakin. Der Trainer nahm sich nach der Landung in Basel viel Zeit für die Journalisten und gewährte ungewöhnlich tiefe Einblicke in seine Gedanken.

«Die logische Schlussfolgerung, auch wenn sie sehr hoch gegriffen ist», sagt Yakin zu den Titelansprüchen seines Captains. Diese seien auch Folge des Selbstbewusstseins, das man sich in den letzten sechs Monaten erarbeitet habe. «Die Chance, Geschichte zu schreiben, ist einmalig. Denn im Sommer werden uns wohl einige Spieler verlassen.» Den meistgenannten Wechselkandidaten Valentin Stocker und Aleksandar Dragovic rät Yakin aber, ein Jahr in Basel anzuhängen. «Sie haben noch viele Jahre vor sich und spielen bereits bei einem sehr guten Klub.»

Die derzeitige Erfolgsphase begründet Yakin mit dem ausgeglichenen Kader und der Flexibilität seiner Spieler. «Früher war der FCB für die Gegner einfach auszurechnen.» Die anfängliche Scheu, Stützen wie Stocker oder Streller zu schonen, habe er abgelegt. «Wir haben 20 Stammspieler.» Auch morgen, wenn es gegen St. Gallen zurück in den Ligaalltag geht, will Yakin von diesem Luxus Gebrauch machen.