«Klassenerhalt», sagt Fabian Lustenberger zu den Saisonzielen seiner Hertha, kann sich ein Schmunzeln aber nicht verkneifen: «Im Ernst, es bringt nichts, sich über neue Ziele Gedanken zu machen, denn im Fussball kann es sehr schnell gehen. Wir werden sicher keine Kampfansagen machen, sondern wollen einfach so lange wie möglich die angenehme Situation geniessen.»

Nach der Hinrunde stehen die Hauptstädter in der Bundesliga mit 32 Punkten auf Platz drei und damit lediglich hinter den grossen Bayern aus München (46) und Borussia Dortmund (38). Dazu feiern Fabian Lustenberger und die Hertha auch noch den Einzug in den Pokal-Viertelfinals. «Es lief uns zuletzt mehr als super», erklärt der
27-jährige gebürtige Nebiker, «nicht nur die Mannschaft, das ganze Umfeld ist sehr zufrieden. Es ist extrem beruhigend, wenn man einmal ohne grosse Sorgen in die Winterferien reisen kann.» Diese verbrachte er mit Frau Monique und den beiden Söhnen «an der Sonne».

Bescheiden im Erfolg

In die Ferien an die Sonne, im Berufsleben ein Platz an der Sonne – die Zufriedenheit von Fabian Lustenberger ist wenig überraschend derzeit nahe am Maximum. Trotzdem bleibt der Captain der Berliner bescheiden und hält nichts von speziellen Würdigungen seiner Person. «Ich bilde mir überhaupt nichts ein, denn ich bin nicht mehr als alle anderen verantwortlich für unseren Höhenflug», sagt Fabian Lustenberger, «wir sind als Mannschaft erfolgreich.»

Sicher kenne er nach achteinhalb Jahren bei der Hertha die Bundesliga, den Verein und das Umfeld bestens und könne hie und da auch vermitteln, «aber ich habe nicht das Gefühl, eine spezielle Position auszufüllen». Deshalb nimmt zwar auch der Nebiker den grösseren Rummel wahr, «aber dabei geht es nicht vorwiegend um meine Person. Nach einigen nicht immer so einfachen Jahren freuen wir uns aber alle darüber, dass wir in der Stadt vermehrt und sehr wohlwollend angesprochen werden. Das war nicht immer so. Es gab Situationen, in denen ich das Gefühl hatte, sehr komisch und skeptisch angesehen worden zu sein.»

Für das momentane Hochgefühl haben die Berliner viel getan. «Einer der Erfolgsfaktoren ist sicher die extrem harte Vorbereitung, die Trainer Pal Dardai mit uns absolviert hat», erklärt Lustenberger, «wir sind bis an die Grenzen gegangen. Ausserdem weiss jeder Sportler, dass mit den Erfolgen das Selbstvertrauen kommt und mit Selbstvertrauen vieles einfacher geht.»

Trotz gesunder Bescheidenheit ist sich Fabian Lustenberger aber auch seiner persönlichen Qualitäten bewusst – zu Recht. Er ist stets ein verlässlicher Wert und hat in dieser Saison sowohl in der Verteidigung als auch im Mittelfeld überzeugt. 1501 von möglichen 1530 Minuten stand er in der Bundesliga auf dem Platz und hat dabei einen Treffer beigesteuert – und was für einen. Mitte September gelang Lustenberger in der Partie gegen Stuttgart nach einem Eckball ein Abschluss Marke Traumtor.

Nati ein schwieriges Thema

Seine Fähigkeiten möchte der 27-Jährige auch dem Schweizer Nationalteam zur Verfügung stellen, doch «das ist ein schwieriges Thema. Ich glaube, ich bringe alle Voraussetzungen mit, in der Nationalmannschaft und dann auch an der EM dabei sein zu können. Ich hoffe auf die Chance des Trainers».

Vorerst gilt die Konzentration aber der Hertha aus Berlin. Wie lange Fabian Lustenberger noch in der Weltstadt tätig sein wird, steht in den Sternen. «Bezüglich meiner Zukunft bin ich aber völlig entspannt, denn ich habe noch einen Vertrag bis 2017. Ob ich danach weiter für Hertha spielen werde, weiss ich noch nicht. Nur so viel: Uns gefällt es hervorragend in Berlin.»