FC Aarau

Burki auf der Ersatzbank: Bordoli hat den Captain ein Stück weit demontiert

Sandro Burki (zweiter von links) musste gegen Neuchâtel Xamax überraschend auf die Ersatzbank.

Sandro Burki (zweiter von links) musste gegen Neuchâtel Xamax überraschend auf die Ersatzbank.

Der Captain Sandro Burki sitzt beim 2:1-Sieg gegen Xamax 90 Minuten auf der Ersatzbank, obwohl er nicht verletzt war. Das gab es zuletzt 2009. War die Kritik vergangene Woche an Trainer Bordoli der Grund?

Als sich die Aarauer nach dem 2:1 gegen Xamax von den Fans feiern lassen, fehlt einer, der normalerweise vorne weg geht. Denn Sandro Burki gehört an diesem Abend ausnahmsweise nicht zu den Hauptdarstellern.

Schlimmer noch. Trainer Livio Bordoli gewährt dem Captain nicht mal eine Nebenrolle. Burki beginnt das Spiel dort, wo er es auch beendet – auf der Ersatzbank. Eine ungewohnte Situation. Wenn der 31-Jährige fit ist, steht er immer in der Startformation. Seit mehr als sechs Jahren. Letztmals Ersatz war Burki am 18. April 2009. Auch damals gewann Aarau. 2:1 in Bellinzona.

Offensichtliche Gründe für die Degradierung des Captains sind keine auszumachen. Zumindest keine sportlichen. Klar, Burki war beim 0:1 in Schaffhausen unscheinbar, träge und uninspiriert. Aber damit nur einer von vielen Aarauern, die arg enttäuschten. In den Spielen zuvor war Burki hingegen der verlässlichste Spieler. Zudem mit zwei Treffern auch der torgefährlichste.

FC Aarau - Xamax 2:1:  Stimmen zum Spiel

FC Aarau - Xamax 2:1: Stimmen zum Spiel

Doch gegen Xamax muss Burki mitansehen, wie die Captainbinde seinen erst 22-jährigen Stellvertreter Olivier Jäckle eher verunsichert als beflügelt. Oder wie Michael Perrier, ein Konkurrent im Mittelfeld, einmal mehr keinen Einfluss auf das Offensivspiel hat. «Burki war aus taktischen Gründen nicht in der Startformation», sagte Trainer Livio Bordoli. «Ausserdem brauchte ich frischen Wind im Team.»

Bordoli spielt All In

Gut möglich, dass Trainer Livio Bordoli noch andere Gründe hatte. Vielleicht stiess dem Tessiner sauer auf, dass sich Burki nach der desaströsen Darbietung in Schaffhausen die Massnahme des Trainer kritisierte, den Spielern zwei Tage frei zu geben. Fakt ist hingegen: Bordoli hat gestern Burki ein Stück weit demontiert. Ihn zu einem Captain ohne Volk degradiert.

Beim Poker würde man von All In sprechen. Bordoli ist volles Risiko gegangen und hat gewonnen. Im siebten Saisonspiel zum ersten Mal.

Auch wenn Aaraus Vizepräsident Roger Geissberger vor der Partie betonte, der Trainer habe zehn Spiele, ehe man erstmals Bilanz ziehen werde, stand Bordoli doch unter ziemlichem Erfolgsdruck. Doch der Erfolg gibt ihm recht. Zumindest unmittelbar. Gleichwohl sind Bordolis Massnahmen fragwürdig.

Denn klar ist: Der FC Aarau weist gegenüber Teams wie Xamax, Schaffhausen aber auch Winterthur viel mehr Qualität auf. Nur: Der FC Aarau kann sein Potenzial bis dato nicht ausschöpfen.

Gegen Xamax beginnt Bordoli mit sechs Verteidigern. Dazu mit einem defensiven Mittelfeldspieler (Perrier). Hingegen sitzen mit Radice, Spielmann, Mobulu und Acosta vier offensiv ausgerichtete Spieler auf der Bank, die man extra dafür verpflichtet hat, um mehr Tempo auf den Aussenbahnen zu erzeugen. So die Worte des am Freitag zurückgetretenen Sportchefs Urs Bachmann. So verwundert es nicht, dass Aaraus Spiel bis zur Einwechslung von Spielmann in der 70. Minute planlos ist.

Hingegen muss man Bordoli Mut zum Risiko attestieren. Immerhin hat er etwas versucht. Trotzdem: Der FC Aarau ist noch längst nicht dort angekommen, wo er aufgrund seines Talents und seiner Qualität hingehört: an die Tabellenspitze.

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