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Bunjakus rasanter Aufstieg ins WM-Kader

Ottmar Hitzfeld hat für den verletzten Marco Streller den Stürmer Albert Bunjaku aufgeboten. Der Bundesliga-Profi vom FC Nürnberg trifft am Donnerstagabend im WM-Camp der Schweizer Nationalmannschaft in Crans-Montana ein.

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Bunjaku

Bunjaku

Keystone

Sven Schoch (Si), Crans-Montana

Am Tag nach dem Schock, mit Streller auf einen Spieler des Kerns verzichten zu müssen, orientierte Hitzfeld die Öffentlichkeit über den Ersatz für den Basler. Er zog den gebürtigen Kosovo-Albaner dem U17-Weltmeister Nassim Ben Khalifa (18) vor: «Er ist etwas erfahrener und kann auf verschiedenen Positionen spielen.»

Er habe sich nicht spontan für Bunjaku und gegen Ben Khalifa entschieden, sondern reiflich überlegt, betonte Hitzfeld. Der «Nürnberger» sei dank seinem Speed auch auf der Seite einsetzbar. «Ben Khalifa ist eher ein Strafraumspieler.» Die Wahl ist demzufolge auch eine taktische Erwägung.

Via Umwege ins Nationalteam
Das Nationalteam-Debüt Bunjakus liegt erst ein paar Monate zurück. Am 14. November trug er im Test gegen Norwegen (0:1) in Genf erstmals während 45 Minuten das SFV-Shirt. Als regelmässiger Skorer beim Bundesligisten Nürnberg hatte er sich für höhere internationale Aufgaben empfohlen.

Bunjaku gelangte über weite Umwege ins Scheinwerferlicht. Seine spannende Fussball-Geschichte beginnt in Schlieren. Erst im Alter von 14 schloss er sich dem Zürcher Quartierklub an. Nach kurzen Engagements im Nachwuchs von GC und YF Juventus schloss sich der Stürmer dem FC Schaffhausen an.

Nach dem Aufstieg mit dem FCS fand er mit nur einem Treffer in sechs Monaten den Tritt in der Axpo Super League nicht wie gewünscht. In Paderborn (2. Bundesliga) verbesserte sich seine Situation nicht. Ein weiterer Transfer zum damaligen Regionalligisten Rot-Weiss Erfurt zahlte sich indes aus.

Das Schlüsselerlebnis war die Doublette im Cup gegen die grossen Bayern. Schlagartig rückte der Joker in den Mittelpunkt. 15 Monate später unterschrieb der Zürcher in Nürnberg. Der Wechsel lohnte sich für beide Parteien.

Mittlerweile ist Bunjaku mindestens das Zehnfache der damaligen Ablösesumme (250 000 Euro) wert. Innerhalb von zwei Jahren hat er sich von der Jokerposition in der dritten Klasse Deutschlands in den Kreis der 23 Schweizer WM-Teilnehmer gekämpft.

Ben Khalifas Rolle in der Zukunft
«Die Türe ist immer offen», hatte Hitzfeld im vergangenen Dezember vor der WM-Auslosung erklärt. «Aber man muss sich den Platz hart erarbeiten.» Dass er nun Bunjaku und nicht Ben Khalifa aufbot, kommt nicht ganz überraschend. Hitzfeld setzt im Zweifelsfall auf Erfahrung.

Ein weiterer jugendlicher Joker müsse (mindestens) aus der U21 kommen, sagte der Nationalcoach vor ein paar Monaten. Ben Khalifa gehörte am Mittwochabend in der EM-Qualifikation gegen die Türkei (0:2) zwar zur Startformation der U21, aber zuvor hatte er für die ältesten Junioren keine Partie gespielt.

«Er hat bei GC in der Liga einige Spiele gemacht, aber international bisher nur in der U21 gespielt. Nassim braucht noch etwas Zeit.» Dass der Hochtalentierte aber künftig eine Rolle spielen könnte, hat Hitzfeld erkannt. «Wir planen mit ihm.» Er wird seine Entwicklung in Wolfsburg genau verfolgen.

Hitzfeld lag viel daran, dem U17-Weltmeister persönlich die Gründe für den Entscheid darzulegen. Am Morgen der Nomination von Bunjaku erreichte der Nationalcoach den Romand telefonisch nicht. Er sandte ihm deshalb ein SMS. «Er hat mir geantwortet und war froh, überhaupt auf der Liste zu sein.»