Bundesanwalt Michael Lauber verteidigt seine zwei Treffen mit Fifa-Präsident Gianni Infantino im Jahr 2016. Die Gespräche auf übergeordneter Ebene seien erforderlich gewesen, um Fragen zum Verfahrenskomplex Fussball zu klären.

Lauber äusserte sich am Mittwoch in Bern vor den Medien, nachdem er der Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft (AB-BA) sowie den zuständigen Organen des Parlaments zu den Treffen Auskunft gegeben hatte. Dass Lauber den damals neu gewählten Infantino 2016 zwei Mal persönlich gesprochen hatte, war wiederholt hinterfragt worden.

Fifa-Führung wünschte Austausch

Lauber gab an der Medienkonferenz Einzelheiten zu den Treffen bekannt. Den Wunsch der Fifa-Führung nach einem Austausch mit der Bundesanwaltschaft (BA) übermittelte demnach der Oberwalliser Staatsanwalt Rinaldo Arnold dem Informationschef der BA, nach der Wahl Infantinos zum neuen Präsidenten des Weltfussballverbandes.

Das erste Treffen fand am 22. März 2016 in Bern statt. Es dauerte rund eine Stunde und diente der Standortbestimmung. Lauber sprach von einer "allgemeinen Einordnung des Untersuchungskomplexes zum Fussball" durch ihn selbst. Auch sei es um die Klärung der Stellung der Fifa als Anzeigeerstatter gegangen.

An diesem Treffen nahmen seitens der BA Lauber sowie André Marty, Informationschef der BA, teil. Infantino liess sich von Arnold begleiten. Ein zweites, abschliessendes Treffen mit dem Fifa-Präsidenten habe einen Monat später in Zürich stattgefunden.

Bei dieser Zusammenkunft am 22. April 2016 sei es um die Klärung von verfahrensspezifische Fragen gegangen, führte Lauber aus. Er nannte als Beispiele den Umgang mit der gewaltigen Menge an sichergestellten Daten. Auch dieses Treffen dauerte rund eine Stunde.

Thormann an Treffen dabei

Infantino wurde vom Fifa-Chefjuristen Marco Villiger begleitet. Zusammen mit Lauber reiste Olivier Thormann nach Zürich, damals Abteilungsleiter Wirtschaftskriminalität in der BA. Das Arbeitsverhältnis mit Thormann löste die BA Anfang November 2018 auf.

Zuvor war bekannt geworden, dass Thormann Ende Oktober vom Amt suspendiert worden war. Anlass dafür waren möglicherweise strafrechtlich relevante Vorwürfe an Thormann im Zusammenhang mit dem Fussball-Verfahrenskomplex.

Die Untersuchungen des ausserordentlichen Staatsanwaltes Ulrich Weder entkräfteten die Vorwürfe dann allerdings. Dennoch einigten sich Lauber und Thormann auf eine Trennung. Die Freistellung Thormanns habe keinen Zusammenhang mit den beiden Treffen mit Infantino gehabt, betonte Lauber.

Die Walliser Staatsanwaltschaft lässt die in Medienberichten über die so genannten "Football Leaks" angesprochene Rolle von Arnold untersuchen und hat einen ausserordentlichen Staatsanwalt ernannt. Seitens der BA hiess es, der von Arnold namens der Fifa kontaktierte Informationschef habe lediglich berufliche Kontakte zu Arnold gehabt.

Strategien für Verfahren entwickeln

Die Treffen mit Infantino hätten dazu gedient, Strategien zu entwickeln für die Führung des Verfahrens, sagte Lauber. Der Weltfussballverband Fifa sei im Fussball-Verfahrenskomplex Privatkläger und geschädigte Partei.

Treffen wie jene mit Infantino seien Bestandteil davon, wie er seine Amtsführung verstehe, hielt Lauber fest. Sie würden auch bei anderen Verfahren durchgeführt und ermöglichten einen übergeordneten Austausch zwischen den am Verfahren Beteiligten.

Auch seien diese übergeordneten Treffen wichtig, um komplexe Verfahren zu steuern und zu koordinieren. Der Bundesanwalt will daran festhalten: "Das muss so weitergeführt werden", sagte er und fügte an, dass er für die nächste Amtszeit von 2020 bis 2023 erneut kandidieren wolle. Lauber ist seit 2012 Bundesanwalt.

Komplex von rund 25 Verfahren

Ihre Untersuchungen im Zusammenhang mit Fussball nahm die Bundesanwaltschaft auf eine Anzeige der Fifa im November 2014 an die Hand. Ein erstes Strafverfahren gegen Unbekannt wurde im März 2015 eröffnet. Inzwischen ist der Komplex auf rund 25 Verfahren, die Zusammenarbeit mit rund 15 Staaten und 19 Terabyte an sichergestellten Daten angewachsen.

Die Bundesanwaltschaft strebt an, die ersten dieser Verfahren im kommenden Jahr zum Abschluss bringen zu können. Das könne heissen, dass sie eingestellt würden oder aber dass es zu einer Anklage komme, sagte Informationschef André Marty.