Welche Konsequenzen hätte eine Niederlage in Bulgarien?

Peter Gilliéron: Mathematisch wäre eine Qualifikation für die EM auch dann noch möglich – aber eher unwahrscheinlich.

Wie würde sich eine erfolglose EM-Quali finanziell auswirken?

Gilléron: Wir würden nächstes Jahr sicher einige Millionen weniger verdienen. Aber ein Verpassen der EM würde nicht den Tod des Schweizer Fussballs bedeuten. Wie in jedem vernünftigen Haushalt haben auch wir in den guten Zeiten Reserven angelegt, um eine Phase ohne Endrunden-Qualifikation zu überstehen. Denn jedem im Zentralvorstand ist bewusst, dass eine Qualifikation für die Schweiz auch nach vier Endrunden-Teilnahmen in Serie keine Selbstverständlichkeit ist.

Man müsste bei einem Scheitern keine Einsparungen vornehmen?

Gilléron: Nein. Theoretisch müsste man bei ausbleibendem Erfolg die Nachwuchsförderung sogar noch verstärken. Genau für diesen Fall haben wir ein finanzielles Polster angehäuft, damit wir mit voller Kraft weiterarbeiten könnten.

Wie viele Jahre kann das Niveau ohne Endrunden-Qualifikation gehalten werden?

Gilléron: Zwei erfolglose Qualifikations-Perioden könnten wir überstehen. Sollte sich dann der Erfolg nicht wieder einstellen, müssten wir Massnahmen ergreifen.

Hat ein Scheitern in der EM-Qualifikation direkten Einfluss auf die Erträge aus der Vermarktung?

Gilléron: Nein. Glücklicherweise haben wir Sponsoren, die uns auch in schlechteren Zeiten treu bleiben. Auch auf die Fernseh-Gelder dürfte ein sportlicher Misserfolg keinen Einfluss haben, weil ja die Einschaltquoten relevant sind und das Interesse an der Schweizer Nati weiterhin ungebrochen ist. Es müsste schon über eine längere Zeit katastrophal laufen, ehe sich die Resultate auf die Einnahmen aus dem TV- und Werbetopf auswirken.

Was stimmt Sie trotz der delikaten Situation noch zuversichtlich?

Gilléron: Meist, wenn wir mit dem Rücken zur Wand gestanden sind, hat sich das positiv auf die Leistungen ausgewirkt. Es brauchte oft den Kick, dass es jetzt um die Wurst geht. Das stimmt mich zuversichtlich für die Partie in Bulgarien.

Warum wurde Ottmar Hitzfelds Vertrag so kurz vor dem Bulgarien-Spiel um zwei Jahre verlängert?

Gilléron: Es war mit ein Grund, dass wir uns von dieser Vertragsverlängerung für das Bulgarien-Spiel etwas erhoffen. Wäre die Zukunft noch offen, würde mehr über eine eventuelle Vertragsverlängerung als über das Spiel gesprochen und geschrieben. Wir wollten die Voraussetzungen schaffen, damit sich alle einzig auf das Spiel konzentrieren können.

Verstehen Sie die Kritik am Zeitpunkt der Vertragsverlängerung?

Gilléron: Man kann in dieser Sache durchaus eine andere Meinung vertreten. Aber wir wollten unabhängig der Resultate langfristig planen. Wenn der Zentralvorstand in der Verantwortung steht, dann muss er diese auch wahrnehmen und Entscheidungen treffen.

Seit der WM hat die Nati stagniert – oder sehen Sie das anders?

Gilléron: Wenn man etwas länger zurückdenkt, muss man festhalten, dass allein die Qualifikation für die WM ein Erfolg war. Das darf man nicht vergessen, auch wenn wir alle enttäuscht darüber waren, dass es nicht für die Achtelfinals gereicht hat. In die aktuelle Qualifikationsphase sind wir nicht nur schlecht gestartet, sondern auch von der Stärke der Montenegriner überrascht worden, was unsere Situation zusätzlich erschwert. Für die Zukunft stimmt mich positiv, dass von unten viel nachkommt. Beispielsweise aus der U21, die sich für die EM im kommenden Sommer qualifiziert hat. Und auch bei der A-Nati sind die Voraussetzungen gegeben, dass sie den Turnaround noch schaffen kann.

Doch Alex Frei will nach dem übernächsten Spiel zurücktreten. Werden Sie vor der Partie in England nochmals aktiv, um den Captain umzustimmen?

Gilléron: Unser Trainer hat in Personaldiskussionen die besseren Argumente als ich. Deshalb ist das Sache von Ottmar Hitzfeld. Zudem hat Alex Frei angedeutet, dass er in einer Notsituation nochmals einspringen würde. Wir werden die Situation nach dem England-Spiel nochmals neu beurteilen.