Pro und Kontra
Braucht der Schweizer Fussball einen neuen Modus?

Ein Drittel der Spiele in der Super League sind absolviert und der FC Basel liegt bereits zwölf Punkte vor dem ersten Verfolger. Nicht viel prickelnder ist die Situation in der Challenge League, wo sich der FC Zürich von der Konkurrenz abgesetzt hat. Gut möglich, dass die Fragen nach dem Meister und Aufsteiger viele Spiele vor Saisonschluss beantwortet sind. Kann ein neuer Modus den Schweizer Fussball wieder spannender machen?

François Schmid-Bechtel und Sébastian Lavoyer
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Der FC Basel liegt bereits mit zwölf Punkten vorne – ist der Schweizer Fussball zu langweilig?

Der FC Basel liegt bereits mit zwölf Punkten vorne – ist der Schweizer Fussball zu langweilig?

Keystone

Pro von François Schmid-Bechtel: Gebt uns wenigstens die Illusion der Spannung zurück

François Schmid-Bechtel, Ressortleiter Sport

François Schmid-Bechtel, Ressortleiter Sport

Mathias Marx

Wahrscheinlich stirbt man nicht wirklich vor Langeweile. Nur ist Langeweile keine lebenserhaltende Massnahme. Trotzdem wird im Schweizer Fussball an einem Modus festgehalten, der die Langeweile begünstigt. Die Ingredienzen der fussballerischen Langeweile: Viermal pro Jahr gegen die immer gleichen Gegner; fehlende Spannung an der Tabellenspitze; zu wenig Durchlässigkeit zwischen den Ligen. Der Schweizer Fussball braucht eine Frischzellenkur in Form einer Modusänderung. Andernfalls verliert er auf dem umkämpften Markt der Sport- und Unterhaltungsindustrie an Terrain.

Eine Fussballmeisterschaft sollte wie ein Krimi aufgebaut sein. Fesselnd am Anfang, tiefgründig und vielschichtig in der Mitte, atemberaubend am Schluss. Wir lassen uns vom «Tatort» in den Bann ziehen, obwohl das Ende vorhersehbar ist, das Gute gewinnt. Warum? Weil Spannung aufgebaut wird. Weil wir uns von der Illusion verführen lassen, dass es auch mal anders ausgeht. Es gibt durchaus Parallelen zwischen einem Krimi und dem Schweizer Fussball. Auch in der Super League gewinnt am Schluss das Gute, sprich der FC Basel. Aber wenn aus den Nebenbuhlern aus Bern, Zürich, Luzern und St. Gallen unscheinbare Statisten werden, die mit ihrem Versagen der Illusion die Luft abdrücken – gute Nacht.

Es gibt ein altbewährtes Rezept – die Rückkehr zur 12er-Liga mit Final- und Auf-/Abstiegsrunde und der Punktehalbierung bei Halbzeit. Das würde kaum etwas an der Erfolgsserie des FC Basel ändern. Aber wir hätten immerhin die Illusion der Spannung zurück. Sowohl in der Super- als auch in der Challenge League. Denn dort ist es richtig trostlos. Ein Mittelfeldklub in der Super League kann immerhin den Kampf um die Europacup-Plätze als Argument bemühen. Wer wie der FC Aarau in der eh schon strukturschwachen Challenge League im Mittelfeld feststeckt, kann nur beten, dass die Zuschauer nicht fernbleiben. Bei der Rückkehr zum alten Modus hätten die Aarauer im Frühling immerhin noch die Möglichkeit, um den Aufstieg zu spielen.

Der Spannungsabfall kann nicht im Interesse einer Liga sein, die punkto Professionalisierung und Infrastruktur immer höhere Massstäbe setzt. Höchste Zeit, dass sich die Liga auf ihre Kernaufgabe, den Wettbewerb, besinnt.

Kontra von Sébastian Lavoyer: Den FCB für das Versagen der anderen bestrafen? Bitte nicht!

Sébastian Lavoyer, Sportredaktor

Sébastian Lavoyer, Sportredaktor

Hansjörg Sahli

Ja, praktisch jede andere Liga ist spannender als die Super League. Natürlich hat das auch mit den finanziellen Möglichkeiten des FC Basel zu tun. Keine Diskussion! Aber diesen Vorsprung haben sich die Basler hart erarbeitet. Teilweise mit etwas Glück. Oft aber auch mit gütiger Mithilfe der Konkurrenz.

Beispiel YB: Die Berner hatten es 2009/10 in den eigenen Füssen. Aber Investoren und Trainer liessen sich von einem cleveren Schachzug der Basler, der Verpflichtung von YB-Taktgeber Gilles Yapi, aus dem Konzept bringen, verspielten einen Vorsprung von 13 Punkten – in der Rückrunde. Wer also sagt, dass die Meisterschaft nach zwölf Runden und bei einem Basler Vorsprung von 12 Punkten schon entschieden ist? Ein weiter so konstantes Sion, ein auf den Fussball konzentriertes YB, ein kleines Tief beim FCB – und plötzlich ist alles offen.

Leicester City hat letzte Saison auch mit einem rund dreieinhalb Mal kleineren Budget als die ganz Grossen den Titel in der Premier League geholt. Dort kam erschwerend dazu, dass Leicester mit diesem Budget nicht die Nummer 2 des Landes war wie YB, sondern Nummer 12. Leicester hatte also insgesamt elf Teams mit mehr Mitteln vor sich. Die Berner dagegen, deren Budget geschätzt etwa halb so gross ist wie jenes der Basler, nur den FCB.

Hätte YB 2010 den Titel geholt, wer weiss, wie die Liga heute aussähe. Auf jeden Fall wäre Basel nicht sieben Mal in Serie Meister geworden. Und YB hätte wohl kaum das erfolgreiche Berner Sportchef-Trainer-Gespann Niedermaier-Petkovic entlassen.

Es kam anders. Basel holte Titel um Titel. Trainer kamen und gingen. Die Führung dagegen blieb. Derweil YB, FCZ oder wer auch immer ein ums andere Mal an sich selbst scheiterten. Vergesst die Modusänderung. Egal, welcher Art. Die Liga wurde auf zehn Mannschaften reduziert, um die Qualität zu steigern. Jede Erweiterung bedeutete eine Verwässerung, ein Schwächung der Liga. Und seien wir ehrlich: YB oder der FCZ würden gegen Provinz-Teams eher scheitern als der FCB. Kommt hinzu, dass es ab 2018 auch für den FCB härter wird, die Millionen der Königsklasse abzusahnen. Wegen der Modusänderung der Champions League. Damit dürfte die Liga automatisch wieder ausgeglichener werden.