WM14
Brasilien steht nach Penaltyschiessen im Viertelfinal

Brasilien erlebt im Achtelfinal eine unglaubliche Zitterpartie. Erst im Penaltyschiessen setzt sich der Gastgeber gegen Chile durch. Nach 120 Minuten stand es 1:1.

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Der brasilianische Jubel nach dem verschossenen Penalty der Chilenen
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Der entscheidende Penalty Jara trifft nur den Innenpfosten
Der Penaltykrimi zwischen Chile und Brasilien kostete Nerven
Sieg! Das Team feiert mit Torhüter Julio Cesar
Julio Cesar hielt drei Penaltys
Jubel in Rio de Janeiro
Aber der Druck, den auf Neymar lastete, kostete dem 22-Jährigen Nerven
Brasilien-Chile, Achtelfinal: Die Bilder zum Spiel
Der Druck ist immens Die Spieler können nicht hinschauen
David Luiz und Neymar umarmen sich nach dem Penalty-Sieg
Neymar beim Penalty
Die Brasilianer leiden
Brasilien feiert Die Selecao bezwingt Chile im Penaltyschiessen
Die Brasilianer verfolgen den Krimi von der Mittellinie
Alexis Sanchez verschiesst den Elfmeter
Auch Pinilla, der in der 120. Minute noch die Latte traf, verschiesst seinen Elfmeter ebenfalls
David Luiz verwandelt seinen Elfmeter
Julio Cesar hält den Penalty
Auch Chiles Claudio Bravo hält zwei Penaltys - zu wenig. seine Vorderleute treffen nicht
Brasilien vereint
Chile vor dem Penaltykrimi
Neymar kämpft
Alexis Sanchez trifft zum 1:1-Ausgleich - aus dem Nichts!
Eindrückliche Sprungkraft - selbst beim Torjubel Alexis Sanchez machts vor
David Luiz trifft am langen Pfosten stehend zum 1:0
Torschütze David Luiz
Jubel bei den Brasilianern David Luiz bringt die Seleccao 1:0 in Führung
Verteidiger David Luiz trifft zur 1:0-Führung für Brasilien
Neymar muss sich bereits nach sechs Minuten behandeln lassen
Die Startformation der Brasilianer

Der brasilianische Jubel nach dem verschossenen Penalty der Chilenen

Keystone

Was für ein Spiel, was für eine Dramatik!

Brasilien hat sich mit Ach und Krach als erstes Team den Einzug in die WM-Viertelfinals gesichert. Der Gastgeber setzte sich in Belo Horizonte im südamerikanischen Duell gegen Chile erst im Penaltyschiessen mit 3:2 durch. Nach 120 Minuten hatte es 1:1 gestanden.

Brasilien hat seinen ersten ganz grossen Helden an der Weltmeisterschaft im eigenen Land. Torhüter Julio Cesar rettete die "Seleçao" im Penaltyschiessen gegen Chile mit den zwei parierten Versuchen von Mauricio Pinilla und Alexis Sanchez vor dem frühesten Ausscheiden an einer WM seit 1990 und dem Achtelfinal-Out gegen Argentinien.

Beim fünften und letzten chilenischen Penalty von Gonzalo Jara stand dem 34-jährigen Keeper vom FC Toronto dann das Glück des Tüchtigen zur Seite, als der Ball vom Innenpfosten ins Feld zurückprallte.

Zuvor hatte Neymar in der nervenaufreibenden Kurzentscheidung Brasilien wieder in Führung gebracht, nachdem Willian und Hulk für das Heimteam nicht getroffen hatten. "Ich bin sehr glücklich. Wir Spieler brauchten dies, das ganze Land brauchte dies", sagte Matchwinner Julio Cesar, der nach dem Ausscheiden vor vier Jahren in Südafrika in den Viertelfinals gegen Holland hart kritisiert worden war und bereits vor dem Penaltyschiessen einige Tränen verdrückte.

Julio Cesar und dem Rekordweltmeister hatte nicht nur in der Kurzentscheidung die Göttin Fortuna zur Seite gestanden. Das Weiterkommen der Brasilianer hing kurz vor dem Ende der Verlängerung an einem seidenen Faden, als Pinilla mit seinem strammen Schuss nur die Latte traf und die knapp 60'000 Zuschauer und die Millionen Fans im ganzen Land beinahe in einen Schockzustand versetzte. Es war die beste Chance der Verlängerung, in der Brasilien zwar deutlich mehr Spielanteile hatte, Chile sich aber trotz schwindender Kräfte geschickt wehrte und dem Gastgeber kaum Chancen zugestehen musste. "Wir wussten, dass es ein sehr schwieriges Spiel werden würde", sagte Trainer Felipe Scolari. "Wir müssen uns weiter verbessern."

Der Sieg der Brasilianer fiel nicht überzeugend aus, war am Ende aber verdient, da sich das Team von Scolari in den 120 Minuten im Mineirao-Stadion ein klares Chancenplus erarbeitet hatte.

Durch ein Tor von David Luiz, das im Nachhinein als Eigentor von Jara gewertet wurde, war der Gastgeber in der 18. Minute nach einem Corner in Führung gegangen, eine Viertelstunde später glich Sanchez für Chile aus, als er von einem schweren Fehler von Hulk, der nach einem Einwurf Brasiliens den Ball leichtfertig verlor, profitierte. Der Stürmer des FC Barcelona hielt damit den chilenischen Traum aufrecht, erstmals in der WM-Geschichte Brasilien zu bezwingen.

Die Angst vor dem Scheitern

Hulk fand nach seinem Fehler immer besser ins Spiel und avancierte mit Fortdauer der Partie zum gefährlichsten Angreifer des Gastgebers, nachdem Toptorschütze Neymar nur in der ersten Halbzeit zu glänzen vermocht hatte. Hulks vermeintliches 2:1 in der 55. Minute wurde zu Recht aberkannt, hatte der Angreifer von Zenit St. Petersburg den Ball doch mit dem Oberarm mitgenommen.

Nach dem nicht gegebenen Tor riss vorübergehend der Faden im Spiel des Gastgebers. Viele Ballverluste prägten das Geschehen, kaum ein Spielzug über mehrere Stationen gelang mehr.

Und auch die Einzelvorstösse von Hulk oder Neymar waren nicht von Erfolg gekrönt. Die Angst vor einem möglichen Ausscheiden machte sich im Lauf der zweiten Halbzeit breit, die Brasilianer, die vor der Pause noch so leidenschaftlich gespielt hatten, wirkten plötzlich gehemmt.

Nur eine Glanzparade von Julio Cesar gegen den Abschlussversuch von Charles Aranguiz bewahrte das Heimteam von einem Rückstand. Auch den Zuschauern gefiel der Vortrag ihrer Mannschaft nicht. Nach 66 Minuten ertönten im Mineirao die ersten Pfiffe.

Die Brasilianer hatten in der Offensive nur in der ersten Halbzeit phasenweise zu überzeugen vermocht. Nachdem sie sich nach dem Führungstreffer etwas gar weit zurückgezogen und den Chilenen damit Ball- und Spielkontrolle überlassen hatten, schaltete die Mannschaft von Scolari nach dem Ausgleich einen Gang höher. Angetrieben von Neymar erspielte sich die "Seleçao" noch vor der Pause drei klare Chancen.

Zuerst setzte Neymar einen Kopfball knapp neben das Tor (36.), dann wurde die Nummer 10 im Strafraum im letzten Moment gebremst, ehe Fred den Abpraller über das Tor setzte (39.). Und zum Abschluss einer spektakulären ersten Halbzeit scheiterte Dani Alves mit einem Weitschuss aus 25 Metern am stark reagierenden Bravo.

Scolari hatte zum Auftakt in die K.o.-Runde in seiner Stammformation eine Änderung vorgenommen. Für den in der Vorrunde schwachen Paulinho erhielt Fernandinho neben Luiz Gustavo eine Chance.

Der Mittelfeldspieler von Manchester City fiel aber mehr durch rüde Tacklings als durch spielerische Klasse auf und wurde Mitte der zweiten Halbzeit durch Ramires ersetzt.

Ebenfalls kaum in Szene setzen konnte sich einmal mehr Mittelstürmer Fred. Und auch von seinem Ersatz Jo ging keine Gefahr aus. Seine beste Chance vergab der Angreifer von Atletico Mineiro kläglich, als er nach einem Querpass von Hulk den Ball nicht traf (75.). Im Viertelfinal, wo es erneut zu einem Duell zweier südamerikanischen Teams kommen wird, ist Scolari aufgrund der Gelbsperre gegen Luiz Gustavo zu einer weiteren Umstellung gezwungen.

Starker Auftritt von Webb

Eine ausgezeichnete Leistung zeigte der englische Schiedsrichter Howard Webb. Der bald 43-Jährige, der vor vier Jahren den WM-Final zwischen Spanien und Holland geleitet hatte, wahrte in der teilweise hitzigen Atmosphäre stets kühlen Kopf und lag bei allen wichtigen Entscheiden richtig. Die Chilenen hatten im Vorfeld der Partie über diverse Kanäle und Exponenten ihre Befürchtungen kundgetan, dass sie im Duell mit dem Gastgeber benachteiligt werden könnten. Bei den zwei kniffligsten Situationen, einem leichten Rempler von Mauricio Isla gegen Hulk im Strafraum (13.) und beim nicht gegebenen Tor des brasilianischen Flügelstürmers, bevorteilte Webb den Gastgeber nicht.

Brasilien - Chile 1:1 (1:1, 1:1) n.V. - Brasilien 3:2-Sieger im Penaltyschiessen.

Mineirao, Belo Horizonte. - 57'714 Zuschauer. - SR Webb (Eng). - Tore: 18. Jara (Eigentor) 1:0. 32. Sanchez 1:1. - Penaltyschiessen: David Luiz 1:0, Pinilla (Julio Cesar wehrt ab), Willian (daneben), Sanchez (Julio Cesar wehrt ab), Marcelo 2:0, Aranguiz 2:1, Hulk (Bravo wehrt ab), Diaz 2:2, Neymar 3:2, Jara (Innenpfosten).

Brasilien: Julio Cesar; Dani Alves, Thiago Silva, David Luiz, Marcelo; Fernandinho (72. Ramires), Luiz Gustavo; Oscar (106. Willian), Neymar, Hulk; Fred (64. Jo).

Chile: Bravo; Silva, Medel (108. Rojas), Jara; Isla, Diaz, Aranguiz, Mena; Vidal (87. Pinilla); Sanchez, Vargas (57. Gutierrez).

Bemerkungen: 55. Tor von Hulk wegen Handspiel aberkannt. 120. Lattenschuss Pinilla. Verwarnungen: 17. Mena (Handspiel). 40. Silva (Foul). 55. Hulk (Handspiel). 60. Luiz Gustavo (Foul/im nächsten Spiel gesperrt). 93. Jo (Foul). 102. Pinilla (Foul).