Fussball
Bortoluzzi über Linke und Justiz: «Das sind Schlappschwänze»

SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi spricht im Interview mit der az über die Krawalle von Zürich, welche Konsequenzen nun gezogen werden müssen und über die Chancen der Schweizer Nationalmannschaft den Einzug in die Barrage doch noch zu schaffen.

François Schmid-Bechtel
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Toni Bortoluzzi im Einsatz für den FC Nationalrat. Keystone

Toni Bortoluzzi im Einsatz für den FC Nationalrat. Keystone

Können Sie sich mit der aktuellen Nationalmannschaft überhaupt noch identifizieren?

Toni Bortoluzzi: Absolut. Warum meinen Sie?

Weil die Mehrheit der Spieler Migrationshintergrund hat.

Ich bin ein ähnlicher Fall. Mein Vater war auch noch Italiener. Es ist eine normale Entwicklung der Migration. Das Herz schlägt schnell einmal für das Land, wo man zu Hause ist.

Wieso sind eingebürgerte Schweizer so erfolgreich im Fussball?

Das hat mit dem Ehrgeiz zu tun. Ausserdem bietet ihnen der Sport die Möglichkeit zum sozialen Aufstieg. Das ist schon die Triebfeder. Kommt dazu, dass der Fussball insbesondere in südländischen Familien eine grössere Bedeutung hat.

Wie war das bei Ihnen zu Hause?

Mein Vater war eher unsportlich. Der hatte andere Sorgen. Die waren um einen vernünftigen Lebensstandard besorgt. Mein Grossvater ist zwischen den Weltkriegen in die Schweiz gekommen, weil er Hunger hatte. Früher waren für die Zuwanderung andere Beweggründe ausschlaggebend.

Sie sehen keinen Widerspruch zwischen dem Parteiprogramm Ihrer SVP und Ihrer Unterstützung für das Schweizer Nationalteam?

Nein, überhaupt nicht. Sport ist die beste Integration. Die Sozialarbeiter aus Bern sind hingegen nicht geeignet. Diese haben zwar theoretisch eine Ahnung, aber sind von der Praxis zu weit entfernt. Der beste Weg zur Integration ist der Sport. Und der zweitbeste Weg das Gewerbe mit den Berufslehren.

Die SVP war gegen die erleichterte Einbürgerung. Somit besteht die Gefahr, dass uns einige Talente abhandenkommen.

Eine Einbürgerung muss eine Identifikation zum Ausdruck bringen. Diese Identifikation und der Wille zur Integration müssen erst vorhanden sein, bevor man eingebürgert wird. Die Einbürgerung ist kein Mittel zur Integration, sondern der Abschluss der Integration.

Was trauen Sie dieser Nationalmannschaft in Wales und gegen Montenegro zu?

Die Schweizer werden beide Spiele gewinnen. Die Mannschaft wurde erneuert, was sich positiv auf den Siegeswillen ausgewirkt hat. Die Mischung zwischen dem ordnungsliebenden Schweizer und seiner seriösen Grundlagenarbeit sowie der Leistungsbereitschaft der Secondos bietet grossartige Perspektiven.

Falls die Schweiz tatsächlich zweimal gewinnt, kann man davon sprechen, dass die Nati gerade noch rechtzeitig umgebaut wurde.

Ja, das sehe ich auch so. Man hätte schon nach den mageren WM-Auftritten gegen Honduras und Chile den Umbruch einleiten müssen.

Werden Sie die Partie gegen Montenegro im Stadion verfolgen?

Ich denke nicht, weil ich mit dem Zug nicht mehr nach Hause komme.

Waren Sie am Sonntag beim Zürcher Derby?

Ja, ja. Das war natürlich eine absolute Katastrophe. Das muss jetzt aufhören. Ich bin zwar für GC. Aber in beiden Lagern tummeln sich Chaoten, die nichts an einem Fussballspiel verloren haben. Es braucht nun härtere Massnahmen.

Welche?

Man sollte die Fankurven für eine gewisse Zeit lang schliessen.

Dann wechseln die Chaoten einfach den Sektor.

Das glaube ich nicht. Wenn sie 50 oder 60 Franken für ein Ticket bezahlen müssen, bleiben viele dem Stadion fern.

Dann gibts halt mehr Randale in den Innenstädten.

In Zürich hat man endlich Ruhe, weil die Justiz erstmals ihre Möglichkeiten ausgenutzt hat. Vorher wurden diese Chaoten mit Samthandschuhen angefasst: Personalien aufnehmen und wieder laufen lassen.

Am Sonntag indes sind nur vier Täter festgenommen worden – eine magere Bilanz.

Das ist wieder die alte Gleichgültigkeit. Larifari hat wieder Einzug gehalten. Das werde ich in der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrats zum Thema machen.

Wer ist für den angeblichen Larifari-Betrieb verantwortlich?

Die Linken – und die Justiz. Das sind die gleichen Schlappschwänze, die nur zuschauen und den Rahmen der Gesetze nicht nutzen.

Haben Sie Verständnis, dass die Partie abgebrochen wurde?

Ja, das habe ich. Für viele Zuschauer war es nicht ungefährlich. Ich war auf der Gegentribüne. Also ziemlich nahe am schrecklichen Geschehen. Und ich habe gesehen, wie sie sich sogar innerhalb der Fangruppen verprügelt haben.

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