WM
Boris Smiljanic: Ein Kleiderschrank für Hitzfeld

GC-Verteidiger Boris Smiljanic zeigt eine überragende Saison. Und er ist die Lösung für Ottmar Hitzfelds Problemzone Innenverteidigung. Doch er gibt sich skeptisch, was seine WM-Chancen betrifft.

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Ein Kleiderschrank für Hitzfeld

Ein Kleiderschrank für Hitzfeld

François Schmid-Bechtel

Am 22. Mai reist Boris Smiljanic mit seiner Familie für zwei Wochen in den Urlaub nach Kroatien. So ist es jedenfalls geplant. Drei Tage später beginnt in Crans-Montana die Vorbereitung für die WM. «Aus meiner Sicht ist es nicht realistisch, dass ich in Südafrika dabei sein werde», sagt der GC-Verteidiger. Doch in der Szene sind viele anderer Meinung. Philippe Senderos kommt seit dem 25. Februar bei Everton nicht mehr zum Einsatz. Die persönliche Bilanz von Mario Eggimann in Hannover ist bedenklich, jene von Hertha-Verteidiger Steve von Bergen ist nicht viel besser.

Boris Smiljanic, 28.9.1976, Grasshoppers Meisterschaftsspiele: 26Einsatzminuten: 2340Tore: 7Gegentore: 30Gegentor alle...: ...78 MinutenSiege/Remis/Niederlagen: 17/2/6Siegquote: 65%

Boris Smiljanic, 28.9.1976, Grasshoppers Meisterschaftsspiele: 26Einsatzminuten: 2340Tore: 7Gegentore: 30Gegentor alle...: ...78 MinutenSiege/Remis/Niederlagen: 17/2/6Siegquote: 65%

Spätestens bei diesem Punkt kommt Boris Smiljanic ins Spiel. Selbst aus Basel hört man, dass Hitzfeld wohl kaum um den 33-jährigen Kleiderschrank herumkommen werde. Natürlich ziehen diese Spekulationen nicht spurlos an Smiljanic vorbei. Weil er nun von allen Seiten hört, er müsse doch ein Thema für Hitzfeld sein, beginnt er sich mit der WM auseinanderzusetzen. «Doch mein persönlicher Eindruck ist ein anderer.» Den Zweifeln zum Trotz hält er die Tür für einen Spalt offen. «Bis zwei Tage vor Reisebeginn kann ich die Ferien noch absagen.»

Der Anruf um 2 Uhr morgens

Smiljanic und die Nationalmannschaft – eine harmonische Beziehung sieht anders aus. Das erstaunt. Denn seit 1996 ist der Aargauer unbestrittener Stammspieler in der höchsten Schweizer Spielklasse. In dieser Zeit hat er für GC und den FC Basel 375 Meisterschaftsspiele bestritten, wurde aber nur dreimal im Nationalteam eingesetzt.

Steve von Bergen, 10.6.1983, Hertha BSC Meisterschaftsspiele: 24Einsatzminuten: 2103Tore: 0Gegentore: 37Gegentor alle...: ...57 MinutenSiege/Remis/Niederlagen: 3/6/15Siegquote: 13%

Steve von Bergen, 10.6.1983, Hertha BSC Meisterschaftsspiele: 24Einsatzminuten: 2103Tore: 0Gegentore: 37Gegentor alle...: ...57 MinutenSiege/Remis/Niederlagen: 3/6/15Siegquote: 13%

Doch seit jenem Intermezzo wurde Smiljanic von Hitzfeld nicht mehr aufgeboten. Dafür gibt es Gründe: Einerseits war Smiljanic in der letzten Saison verletzt. Andererseits wollte Hitzfeld nach erfolgreicher WM-Qualifikation den Fächer öffnen, um hoffnungsvolle Talente zu testen. Doch die jungen Abwehrspieler Barmettler und Rossini fielen durch. Und weil die Situation in der Innenverteidigung weiterhin alarmierend ist, rückt Smiljanic vermehrt in den Fokus der Spekulationen rund um die Zusammensetzung des Schweizer WM-Teams. Umso mehr, weil er sich in einer wirtschaftlich schwierigen Situation als Leader einer berauschend spielenden Equipe etabliert hat.

Mario Eggimann, 24.1.1981, Hannover 96 Meisterschaftsspiele: 17Einsatzminuten: 1006Tore: 0Gegentore: 32Gegentor alle...: ...31 MinutenSiege/Remis/Niederlagen: 4/2/11Siegquote: 23%

Mario Eggimann, 24.1.1981, Hannover 96 Meisterschaftsspiele: 17Einsatzminuten: 1006Tore: 0Gegentore: 32Gegentor alle...: ...31 MinutenSiege/Remis/Niederlagen: 4/2/11Siegquote: 23%

Super League als Handicap?

Normalerweise ist ein Spieler mit dieser Statistik für das Nationalteam unverzichtbar. Doch Smiljanic hält den Ball flach. Er sagt, dass er noch nicht sein bestes Niveau erreicht habe, weil ihn immer noch die gereizte Achillessehne «stresst». Besserung erhofft er sich, wenn nach der Saison ein wurzelbehandelter Zahn gezogen wird. Der Hauptgrund für seine Skepsis ist: Smiljanic glaubt nicht, dass den Lobeshymnen ein WM-Aufgebot folgen wird. Er zweifelt, dass seine Leistungen überhaupt anerkannt würden. Sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart. An Selbstbewusstsein mangelt es ihm jedenfalls nicht, wenn er sagt: «Ich bin besser als andere Spieler, die nach Südafrika reisen werden.»

Wo ist der Haken? Smiljanic glaubt, ein Opfer der Super League zu sein. Nicht, dass er mit seiner Karriere unzufrieden wäre. Doch er glaubt, dass man nicht die Wertschätzung bekommt, wenn man in der Schweiz statt im Ausland spielt. «Gute Leistungen in der Schweiz werden mit durchschnittlichen Leistungen im Ausland gleichgesetzt», moniert er. «Ich sehe mich in einer ähnlichen Situation wie Hakan Yakin. Mal ist er in der Nati, mal nicht. Und ständig werden Zweifel an seiner Fitness laut. Aber welcher Spieler hat an der EM in der Schweiz etwas gerissen? Nur Hakan. Denn er weiss, was Fussball spielen – mit Betonung auf spielen – heisst.»

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