Blerim Dzemaili
Blerim Dzemaili: «Es gibt viele Sachen, die nicht in Ordnung sind»

Die Enttäuschung nach dem 0:0 gegen Bulgarien sitzt tief bei den Spielern der Nationalmannschaft. Der Mittelfeldspieler Blerim Dzemaili deutet die Probleme im Schweizer Team an.

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Blerim Dzemaili auf dem Flughafen von Sofia, dem Ort des jüngsten Fehltrittes der Schweizer Nationalmannschaft. Di Domenico/freshfocus

Blerim Dzemaili auf dem Flughafen von Sofia, dem Ort des jüngsten Fehltrittes der Schweizer Nationalmannschaft. Di Domenico/freshfocus

Der zentrale Mittelfeldspieler Blerim Dzemaili war beim 0:0 am Samstag gegen Bulgarien einer der wenigen Lichtblicke in der Schweizer Nationalmannschaft. Vor dem Check-in zum Rückflug Richtung Zürich will er zuerst nicht reden, schiebt dann aber seine Kopfhörer zur Seite und lässt durchblicken, was die Leistungen der letzten Spiele schon deutlich gemacht hatten - in der Nati stimmt etwas nicht.

Lausige Zeiten für Fussballfans - ein Kommentar von Michael Wehrle

Der Schweizer Fussballfan ist ein armer Teufel. Da freut er sich am frühen Samstagabend auf einen engagierten Auftritt der Nationalkicker. Anschliessend gehts dann ab in den Ausgang, feiern. Und dann das: 90 Minuten lang Ärger. Nicht nur schlecht, nein auch ohne Mut und Leidenschaft schleichen die Schweizer in Sofia über den Rasen. Von wegen jubeln und feiern, da bleiben nur das Frustbier und die Hoffnung, dass es einige Stunden später im Fernsehen wenigstens schönen Fussball und ein paar Tore gibt.

Doch die nächste Pleite folgt auf dem Fuss. So uninspiriert wie die Kicker in Sofia, so lieblos nimmt sich das Schweizer Fernsehen der Fussballfans an. Rainer Maria Salzgeber liest die restlichen Resultate der EM-Qualifikation herunter, erklärt die Tabellen und präsentiert ganz stolz tolle Spiele und Tore. Nur, das sind alte Kamellen, alles Spiele vom Freitag. Das hat der Fussballfan bereits 24 Stunden zuvor im ZDF gesehen, in einer Sondersendung, Deutschland spielte auch erst am Samstag. Und das Schweizer Fernsehen? Keine Bilder am Freitag, alte Konserven am Samstag. Lausige Zeiten für Fussballfans in der Schweiz.

Blerim Dzemaili, das Unentschieden in Bulgarien gleicht einer Niederlage. Wie ist die Stimmung im Team?

Blerim Dzemaili: Wir sind traurig und enttäuscht, dass wir nicht mehr erreicht haben. Ich denke aber, dass noch alles möglich ist. Wir müssen dieses Spiel vergessen, nach vorne schauen und sowohl das Positive wie das Negative mitnehmen.

Man sprach immer von einem Finalspiel, trotzdem ist das Team nicht dementsprechend aufgetreten, warum?

Wir waren am Anfang nicht auf die Angriffe der Bulgaren vorbereitet. Man weiss, dass sie so auf den Platz gehen, wenn sie zu Hause spielen. Mit der Zeit und vor allem in der zweiten Hälfte haben wir dann aber das Spiel bestimmt.

Auch Ihr Beginn der Partie war nicht optimal.

Ich wusste noch nicht, wo es lang ging. Die Mannschaft ist auch für mich wieder neu, das ist klar. Ein Ernstkampf ist immer etwas Anderes. Danach bin ich immer besser ins Spiel gekommen, hatte mehr Selbstvertrauen, wollte den Ball immer mehr und habe etwas probiert.

Im Gegensatz zu weiten Teilen des Teams - der Auftritt der Schweiz war mutlos. War die Mannschaft nicht richtig eingestimmt?

Wenn ich jetzt eine Erklärung hätte, dann hätten wir sie auch gestern auf dem Platz gehabt. Das ist schwierig zu beurteilen. Wir haben uns gut vorbereitet. Wir hatten uns auch viel vorgenommen, aber leider nicht alles umsetzen können.

Gelson Fernandes rückte oft ins Zentrum, was das Angriffsspiel unterstützte. Braucht die Nati mehr Substanz in der Mitte?

Nein, wir brauchen allgemein mehr Wille. Wir müssen den Sieg mehr suchen. Wir müssen uns von Anfang an sagen: «Wir sind hier um zu gewinnen und wir tun alles dafür». Wir dürfen nicht die erste halbe Stunde verschlafen.

Unabhängig von einer Qualifikation: Das Nationalteam braucht einen Neubeginn. Welche Rolle wollen Sie dabei spielen?

Das werden wir sehen. Ich hoffe, immer noch eine Rolle zu spielen und dort anknüpfen zu können, wo ich gestern aufgehört habe. Die zweite Halbzeit war nicht so schlecht.

Was muss in der Nationalmannschaft anders werden?

Es gibt viele Sachen, die meiner Meinung nach noch nicht in Ordnung sind. Wir müssen das alles bereinigen. Wir Spieler haben darüber gesprochen und werden das sicher gemeinsam klären.

Was meinen Sie konkret?

Das gehört nicht in die Öffentlichkeit.