Fussball

Blatter zeigt Reue: «Ich bereue, dass ich nicht zurückgetreten bin»

Blatter gab sich kämpferisch, wirkte aber gesundheitlich angeschlagen.

Blatter gab sich kämpferisch, wirkte aber gesundheitlich angeschlagen.

Der suspendierte Fifa-Präsident Sepp Blatter zeigt etwas Reue. Doch dafür ist es jetzt zu spät, die Nachspielzeit läuft bereits und das Spiel wird bald für immer abgepfiffen.

Es ist ein Bild, das eigentlich undenkbar geworden ist für einen, der sich für den fleischgewordenen Fussballgott hält. Sepp Blatter zeigt Reue. «Ich bereue, dass ich 2014 nach der WM nicht zurückgetreten bin», sagt er gestern in einem Gespräch mit der «Rundschau» des Schweizer Fernsehens.

Die Reue kommt spät. Wahrscheinlich zu spät. Am 26. Februar wird in Zürich Blatters Nachfolger als Fifa-Präsident gewählt. Es ist Blatters letztes Ziel, einen würdigen Abschied zu erhalten. Es ist fraglicher denn je.

Quelle: SRF

Rundschau Blatter 25.11.2015

Blatters Auftritt in der «Rundschau» zeigt deutlich, wie sehr die vergangenen Tage an ihm genagt haben. Er wirkt wie ein gebrochener Mann. Die Zuschauer sehen ihm jedes seiner bald 80 Lebensjahre an. Manchmal ist er den Tränen nahe. Manchmal stottert er.

Ob vier oder acht Kisten ist doch egal

Aber manchmal wird Blatter auch sehr emotional. «Mein Lohn? Ob vier Kisten (Millionen, d.Red.) oder acht Kisten – das kommt doch nicht drauf an!» Oder: «Der Weltcup (die WM, d.Red) wird nicht gekauft! Den Weltcup kann man nicht kaufen.» Oder: «Ich habe in meinem Leben Prinzipien erhalten von meinem Vater. Erstens: ‹Nimm nur Geld, das du verdient hast.› Zweitens: ‹Versuche nicht, mit Geld etwas zu erreichen.› Diese Prinzipien habe ich immer befolgt.»

Trotzdem: Blatter steht – zusammen mit seinem einst-Freund-aber-jetzt-Feind Michel Platini – am Pranger. Es geht um eine dubiose Zwei-Millionen-Zahlung an Platini. Viel zu spät überwiesen. Viel zu nebulös die Umstände. Vorerst ist Blatter für 90 Tage suspendiert. Aber nun droht die Umwandlung in eine lebenslange Sperre. Blatter behauptet: «Die Ethik-Kommission kann Funktionäre bestrafen – aber nicht den Präsidenten. Wer mit meiner Amtsführung nicht zufrieden ist, muss zum Kongress gehen. Nur das Fifa-Parlament kann eine Amtsaufhebung beantragen.» Es ist eine reichlich absurde Verteidigung.

Wie lange Blatter gesperrt wird, ist sekundär. Seine Karriere als Fussball-Funktionär scheint sowieso vorbei. Interessanter ist, ob Blatter auch strafrechtliche Konsequenzen fürchten muss. Nicht nur die Fifa-Ethikkommission, auch die Schweizer Bundesanwaltschaft ermittelt gegen ihn. Selbst eine Gefängnisstrafe ist nicht auszuschliessen. «Ich ins Gefängnis? Dann müsste ich ja wissen, wofür ich ins Gefängnis sollte.»

Jedes Spiel hat ein Ende

Ganz am Anfang des Gespräch, angesprochen auf den Fifa-Sumpf, hat Blatter gesagt: «Mal schauen, ob wir das etwas entsumpfen können.» Es gelingt ihm nicht. Aber eine Botschaft darf trotzdem nicht fehlen: «Ich bin froh, dass ich bei Ihnen war», sagt er zum starken SRF-Moderator Sandro Brotz, «das hat mir gut getan. Jetzt soll man erst einmal beweisen, dass ich ein schlechter Mensch bin.»

Blatter versucht ein letztes starkes Bild von sich zu zeichnen. Etwas, das er auch privat tut. In einem Brief an Ulrich Giezendanner, den Aargauer SVP-Politiker, der Blatters Verdienste in der «Schweiz am Sonntag» würdigte, schreibt Blatter: «Ich bin ein Kämpfer, betrachte die aktuellen Turbulenzen als Herausforderung. Ein Spiel dauert 90 Minuten. Und die Zeit ist noch lange nicht abgelaufen. Ich komme zurück!»

Die Realität ist anders. Es läuft längst die Nachspielzeit. Und bald pfeift der Schiedsrichter ab. Für immer.

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