Pierluigi Tami braucht Geduld. Auch im vierten Anlauf war dem 53-jährigen Fussballlehrer kein Sieg beschieden. Zwar gab es in der AFG Arena vor 13 175 Zuschauern den ersten Punkt für GC unter seiner Regie, doch so, wie der Sieg den Hoppers in den letzten Sekunden entglitten war, muss Tami allmählich das Gefühl haben, ihm bleibe in seinem neuen Job nichts erspart.

Nachdem er am letzten Spieltag beim 0:2 verlorenen Derby gegen den FCZ nach 15 Minuten Michael Dingsdag mit Platzverweis verloren hatte, brachte ihn diesmal ein Aussetzer von Captain Daniel Pavlovic wenige Sekunden vor dem Ende um den ersehnten Erfolg mit drei wichtigen Punkten. Ein weiter Flankenball von Albert Bunjaku war an den ausgestreckten Arm Pavlovics geflogen. Über die Berechtigung des Penaltys gab es keine zwei Meinungen. «Ich kann mir nicht erklären, wie das passieren konnte», sagte der Sünder. «Klar ist, dass die Hand dort nichts zu suchen hatte. Es war wohl einfach ein Reflex.» Roberto Rodriguez hatte danach den Strafstoss zum 1:1 verwertet und dem FC St. Gallen einen Punkt gerettet. Es war schon der vierte Elfmeter, den Joker Rodriguez in dieser Saison versenkt hatte.

Die Grasshoppers, das schlechteste Auswärtsteam der Liga, hatten allen Grund zu hadern. «Es tut sehr weh, auf diese Art zwei Punkte zu verlieren», sagte Aufbauer Amir Abrashi. Seit fünf Spielen warten er und seine Kollegen auf einen Sieg. Letztmals gab es am 22. November beim 3:2 gegen Luzern drei Zähler.

Guter Einstand von Wüthrich

Im Gegensatz zu den vorangegangenen Partien zeigten die Zürcher aber einstellungsmässig eine einwandfreie Vorstellung. Auf dem tiefen und äusserst schwierig zu bespielenden Rasen bewiesen sie, dass sie den Abstiegskampf angenommen haben. Der von den Young Boys ausgeliehene junge Innenverteidiger Gregory Wüthrich erwies sich gleich beim ersten Spiel als Verstärkung, und dem ungarischen Mittelfeldspieler Kriszian Vadocz gelang im zweiten Einsatz ein wichtiger Assist. Nach einer halben Stunde hatte er eine weite Freistossflanke von Pavlovic volley und mit Übersicht zu Michael Lang gelenkt, der seinen fünften Saisontreffer erzielte und sich allmählich zu Torjäger entwickelt, seit er von der Aussenverteidigerposition ins Mittelfeld aufgerückt ist.

GC im Pech

Nachdem die Gäste, die erstmals unter Tami in Führung lagen, nach der Pause offensiv nicht mehr oft in Erscheinung getreten waren, hatte der eingewechselte Anatole Ngamukol vier Minuten vor Schluss eine Hereingabe von Benjamin Lüthi in guter Abschlussposition nicht im Tor untergebracht, und nach 91 Minuten hätte Ngamukol allein aufs St. Galler Tor laufen können, wurde aber fälschlicherweise vom Linienrichter in einer Offsideposition gesehen.
Gleichwohl liess sich hinterher sagen, dass sich die St. Galler den Ausgleich verdient hatten. Sie hatten vor der Pause durch den Österreicher Daniel Sikorski eine grosse Möglichkeit zum 1:0 ausgelassen und sich nach dem Wechsel gesteigert. «Wir hatten vier oder fünf riesige Chancen», sagte Trainer Jeff Saibene. «Wenn man dann aber so kurz vor Schluss noch ausgleicht, kann man auch mit einem Unentschieden leben.» Wie schon in der letzten Saison, als die Ostschweizer erst im achten Rückrundenspiel zum ersten Sieg kamen, finden sie auch dieses Mal mit nur zwei Punkten aus drei Spielen nur schlecht aus den Startlöchern.

Matchtelegramm:

St. Gallen - Grasshoppers 1:1 (0:1)

13'175 Zuschauer. - SR Bieri. - Tore: 31. Lang (Vadocz) 0:1. 90. Rodriguez (Handspenalty) 1:1.

St. Gallen: Herzog; Mutsch, Besle, Kapiloto, Facchinetti; Tafer, Everton, Janjatovic (46. Mathys), Tréand (67. Rodriguez); Bunjaku; Sikorski (59. Cavusevic).

Grasshoppers: Vasic; Lüthi, Wüthrich, Grichting, Pavlovic; Lang; Ben Khalifa (62. Brown), Vadocz, Abrashi, Ravet (69. Ngamukol); Dabbur (88. Bauer).

Bemerkungen: St. Gallen ohne Karanovic (rekonvaleszent), Russo (nicht im Aufgebot), GC ohne Dingsdag (gesperrt), Merkel (nicht im Aufgebot). Verwarnungen: 22. Ben Khalifa, 63. Lüthi, 74. Pavlovic, 75. Besle (alle Foul), 80. Vasic (Unsportlichkeit), 87. Ngamukol (Foul) und Kapiloto (Unsportlichkeit).