Schweizer Nati

«Betriebsblamage» gegen Katar: Warum Petkovic nicht sauer ist

Vladimir Petkovic hatte keinen Spass am Testspiel gegen Katar

Vladimir Petkovic hatte keinen Spass am Testspiel gegen Katar

Die Schweiz verliert das Testspiel gegen Katar 0:1, die grösste Blamage seit dem 1:2 gegen Luxemburg im Jahr 2008. Warum Trainer Vladimir Petkovic trotzdem nicht sauer ist.

Die Schweiz verliert 0:1 gegen Katar. Ein Debakel? Peinlich? Oder doch nur eine ärgerliche, aber unbedeutende Niederlage?

Ja, was soll man davon halten? Nationaltrainer Vladimir Petkovic findet: «Katar hat den Sieg nicht gestohlen. Manchmal kommt so ein Abend vor. Das sollte zwar nicht sein. Aber wir sind alle auch Menschen. Darum bin ich auch nicht so böse auf das Team.» Verteidiger Fabian Schär meint: «Wir waren einfach schlecht. So gewinnst du einfach keine Spiele. Das einzig Gute ist, dass es nur ein Testspiel war.»

Eine Mischung aus Verständnis und Selbstkritik also. Warum? Verständlich, weil solche Spiele im tiefen Herbst eigentlich niemand braucht. Schweiz gegen Katar findet nur statt, da ein Testspiel zu diesem Zeitpunkt von der Uefa vorgeschrieben ist. So sehr das für Katar (Nummer 96 der Weltrangliste) ein Highlight ist, so sehr ist es für die Schweiz (Nr. 8) eine Pflichtaufgabe. Und da fehlt dann der letzte Wille, richtig in die Zweikämpfe zu steigen, nach einem Ballverlust nachzusetzen – oder mit letzter Konsequenz Tempo zu machen. Und trotzdem ist Selbstkritik angebracht. Weil es trotz den Umständen nicht sein kann, dass die Schweiz gegen einen bescheidenen Gegner wie Katar in Nöte gerät, ja sogar verliert. Ein bisschen stolz darf auch erwartet werden, wenn man das rote Schweizer Shirt bei einem Test trägt.

«Etwas zwischendrin»

Ob es eher eine Blamage oder ein Betriebsunfall war, wird Petkovic noch gefragt. «Etwas zwischen drin, vielleicht eine Betriebsblamage», sagt er. Den Humor hat er nicht verloren. Denn er weiss, das Schweizer Highlight folgt erst noch, am Sonntag gegen Belgien, wenn es um den Gruppensieg der Nations League geht. Dann wird eine ganz andere Schweiz auf dem Platz stehen. «Vielleicht haben wir tatsächlich ein bisschen zu sehr in Richtung Sonntag geschaut», sagt Petkovic noch, «und deshalb bin ich auch überzeugt, dass dies nun kein Rückschlag ist.»

Man kann ihn verstehen. Schliesslich hat der Trainer mit seiner Aufstellung auch die Richtung vorgegeben. Es spielt die zweite Garde. Womit man aber auch sagen kann: Genau jene, die sich eigentlich aufdrängen müssten in so einem Spiel, haben versagt. Von Freuler, über Zakaria zu Fassnacht oder Gavranovic – da muss deutlich mehr kommen.

Ein Plan fehlt

Gefährlich wird die Schweiz nur zweimal. Ein Kopfball von Lang landet am Pfosten. Ein Schuss von Fassnacht an der Latte. Aber sonst? Der Ball wird hin und her geschoben, ein echter Plan fehlt. Die Bereitschaft, sich zum Sieg zu leiden ebenfalls. Über 90 Minuten gesehen hat Katar die besseren Möglichkeiten, steht mehrfach kurz vor der Führung. Nur der starke Mvogo verhindert sie. Bis zur 86. Minute. Dann vollendet Akram Afif einen Konter nach dem Ballverlust von Lacroix und Sow. Die Szene hat etwas von Slapstick.

Felix Sanchez, Katars Trainer, sagt hinterher mit Recht: «Wir standen kompakt, waren gut organisiert, es war nicht einfach für die Schweiz.» Und dann ergänzte er: «Ich bin richtig stolz auf diese Leistung. Meine Jungs feiern zurecht in der Garderobe. Es war für uns die Möglichkeit, zu zeigen, dass wir mithalten können mit Spielern, die zu den Besten der Welt gehören, viele Erfahrungen in der Champions League gemacht haben. Das ist toll.»

«Es hat jeder verstanden, was gefehlt hat»

Die Frage, ob denn Katar so gut, oder die Schweiz so schlecht war, goutierte Sanchez nicht wirklich. Wohl wissend, dass das Resultat schon auch mit der Bühne zusammenhing. Das ist auch der Grund, warum Petkovic das Spiel nicht gross analysieren wird. «Es hat jeder verstanden, was gefehlt hat.»

Zum Schluss ein Blick zurück. Das 0:1 gegen Katar ist auf dem Papier das schlimmste Resultat der Nati seit dem 1:2 in der WM-Qualifikation gegen Luxemburg im September 2008, kurz nachdem Ottmar Hitzfeld das Team als Trainer übernahm. Einmal gab es noch ein 0:0 auf Malta, im Februar 2011. Seither aber blieb die Schweiz von solchen Peinlichkeiten verschont.
Nun, die Niederlage gegen Katar ist die vierte in den letzten sechs Spielen. Eine Korrektur ist dringend nötig. Am besten schon gegen Belgien.

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