Den grössten Spass an diesem ungeliebten Duell der Halbfinalverlierer hatte der Fifa-Präsident. Als Gianni Infantino den Roten Teufeln die Bronzemedaillen um den Hals hängte, strahlte der Schweizer über das ganze Gesicht.

Captain Eden Hazard und seine Kollegen nahmen das beste Ergebnis der belgischen WM-Geschichte emotionsloser zur Kenntnis. Das 2:0 gegen ausgelaugte englische Junglöwen brachte ihnen Platz drei, aber nicht die Erfüllung ihrer Träume.

Dem Mutterland des Fussballs bleibt nach berauschenden Wochen und einem tristen Ende in Russland noch weniger: Immerhin darf sich Harry Kane über den Goldenen Schuh als bester Torjäger der WM freuen, solange im Finale zwischen Frankreich und Kroatien am Sonntag nicht noch völlig verrückte Dinge passieren. Das konnte Kane nach der dritten Niederlage im siebten Turnierspiel jedoch nur bedingt aufheitern.

"Das Spiel hat wieder gezeigt, dass wir noch viel Platz nach oben haben", sagte der Captain, blickte aber zuversichtlich in die Zukunft: "Wir sind noch lange nicht am Ende, wir verbessern uns weiter und werden immer besser. Wir wollen nicht wieder 20 Jahre auf ein Halbfinale und grosse Matches warten."

Belgiens Trainer Roberto Martinez lobte derweil seine Spieler. "Sie haben sich auf ihrem Talent nicht ausgeruht, sondern wollten Erfolg und haben hart dafür gearbeitet", sagte der Spanier.

Grosse Anspannung war vor 64406 Zuschauern in St. Petersburg nicht zu spüren, aber wer wollte es den beiden Teams auch verdenken? "Um ehrlich zu sein, es ist nicht das Spiel, das irgendeine Mannschaft spielen möchte", hatte Englands Teammanager Gareth Southgate nach der bitteren Niederlage gegen Kroatien (1:2 n.V.) gesagt.

Für den Weltverband Fifa ist die Partie jedoch eine willkommene Gelegenheit, mehr Geld zu verdienen und mehr bunte Bilder zu produzieren.

Dafür sorgten Thomas Meunier (4.) mit einem frühen und Hazard (82.) mit einem späten Tor nach einem klasse Pass von Kevin De Bruyne.

Die Three Lions, mit fünf Neuen und der jüngsten Startelf ihrer WM-Geschichte (25 Jahre, 174 Tage), waren in ihrem 100. Spiel bei einem grossen Turnier phasenweise überfordert und verloren nach dem 0:1 in der Vorrunde auch das zweite Duell mit den Belgiern.

Im Spielaufbau fehlte der angeschlagene Jordan Henderson und damit die Dynamik, die England ins erste Halbfinale seit 28 Jahren gebracht hatte. Immerhin auf Keeper Jordan Pickford war Verlass: Die englische Entdeckung des Turniers hielt reaktionsschnell gegen De Bruyne (12.). Beim Schuss des belgischen Verteidigers Toby Alderweireld (35.) hatte Pickford Glück.

Und Captain Kane? Der Torjäger hatte weder im Viertel- noch im Halbfinale getroffen, in der 23. und 54. Minute verpasste er seinen siebten Turniertreffer jeweils um Zentimeter. Doch sein ärgster Verfolger im Kampf um den Goldenen Schuh blieb noch harmloser: Romelu Lukaku spielte bekannt mannschaftsdienlich, rieb sich jedoch an den kantigen Verteidigern auf, die er aus der Premier League kennt.

Apropos: 19 der 22 Spieler, die zu Beginn auf dem Platz standen, sind bei Vereinen in Englands Edelliga beheimatet. Erfahrener und auch technisch überlegen sind jedoch die Belgier. Zudem hatten sie einen Tag länger Zeit zu regenerieren und zweimal 30 Minuten Verlängerung weniger in den Beinen.

All das reichte letztlich locker, um aus dem Schatten der legendären WM-Helden von 1986 zu treten. Damals hatten Jean-Marie Pfaff und seine Vorderleute in Mexiko das Spiel um Platz drei gegen Frankreich verloren (2:4 n.V.).

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