Fifa-Skandal

Bestechungsgelder: Brief bringt den Blatter-Vertrauten Valcke in Erklärungsnot

Sepp Blatter und sein Vertrauter und Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke (r.): Gegen letzteren wird wegen Verdachts auf Betrug, Geldwäsche und Bestechung ermittelt.

Sepp Blatter und sein Vertrauter und Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke (r.): Gegen letzteren wird wegen Verdachts auf Betrug, Geldwäsche und Bestechung ermittelt.

Die Spur im Fifa-Korruptionsskandal führt immer dichter zu Joseph Blatter. US-Medien berichten unter Berufung auf Ermittler, dass Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke für die Zahlung von zehn Millionen Dollar an Jack Warner verantwortlich sein soll.

Die ins Visier der US-Behörden geratene Zehn-Millionen-Überweisung der FIFA an Jack Warner soll laut einem Bericht der «New York Times» von Generalsekretär Jérôme Valcke veranlasst worden sein. 

Der Weltfussballverband weist die Vorwürfe zurück. Weder Valcke noch irgendein anderer führender FIFA-Manager seien in Anbahnung, Genehmigung und Umsetzung des genannten Projekts involviert gewesen, so das Commmuniqué.

Der Screenshot eines Briefes, der heute Mittag auf dem Twitter-Konto des Sportjournalisten Martyn Ziegler veröffentlicht wurde, rückt die Aussagen der FIFA in ein Zwielicht. 

Tweet Brief

Der Brief, in dem die Rede von der 10-Millionen-Dollar-Überweisung ist, ist von Molefi Oliphant unterzeichnet, dem damaligen Präsident des südafrikanischen Fussballverbands. Als Empfänger ist klar Jérôme Valcke zu erkennen, Generalsekretär der FIFA damals wie heute.

Das «Diaspora Legacy Programme» in der Karibik, Nutzniesser der 10-Millionen-Dollar-Zahlung, soll laut Brief vom Concacaf-Präsident und FIFA-Vize Jack Warner «vollstreckt» und «umgesetzt» werden.

Keine Beschuldigungen gegen Valcke 

Jerome Valcke, Generalsekretär des Fußball-Weltverbandes FIFA und enger Vertrauter von Sepp Blatter, soll dem mittlerweile geschassten Vizepräsidenten und CONCACAF-Chef Jack Warner im Jahr 2008 zehn Millionen Dollar von einem FIFA-Konto überwiesen haben. Im Gegenzug habe Warner Südafrika als WM-Ausrichter 2010 seine Unterstützung zugesagt. Südafrika hatte im Zusammenhang mit der Zahlung Bestechungsvorwürfe rund um die Vergabe der WM 2010 vehement zurückgewiesen.

Das berichtet die New York Times unter Berufung auf Ermittlerkreise des FBI. In der Anklageschrift steht jedoch nicht, dass «der hochrangige Fifa-Funktionär» wusste, dass das Geld zur Bestechung eingesetzt werden sollte. Valcke wird weder als einer der 14 Angeklagten noch als Mitverschwörer geführt. 

Tweet New York Times

US-Justizkreise gehen davon aus, dass Valcke den Geldtransfer «veranlasst» hat – obschon dieser dies in einer E-Mail an die New York Times dementiert. Formell «bewilligt» wurde die Überweisungen durch den letztes Jahr verstorbenen Vorsitzenden der Fifa-Finanzkommission, Julio Grondona.

Die Überweisung der zehn Millionen Dollar auf ein laut FBI «von einem hochrangigen FIFA-Funktionär kontrolliertes Konto» stehen laut Times im Mittelpunkt der Ermittlungen. Valcke, der in einer Mail an die New York Times seine Verwicklung in die finanzielle Transaktion bestritt, ist allerdings bislang von den Justizbehörden der USA und der Schweiz nicht offiziell ins Visier genommen worden.

Die US-Behörden ermitteln gegen Jack Warner wegen des Verdachts des Betruges, der Geldwäsche und der Bestechung. Warner selbst bezeichnete die Anschuldigungen wiederholt als Revanche der USA für die Niederlage des Landes bei der Abstimmung über die Vergabe der WM-Endrunde 2022 gegen Katar.

Das US-Justizministerium hat die Auslieferung von Jack Warner beantragt. Ihm wird organisierte Kriminalität, Korruption und Geldwäsche vorgeworfen. Der Funktionär war in seinem Heimatland Trinidad und Tobago in der vergangenen Woche nach einem Gerichtstermin gegen eine Kaution von 2,5 Millionen Dollar auf freien Fuss gesetzt worden.

Jack Warners Tätigkeiten werden ganz genau unter die Lupe genommen. (Archiv)

Jack Warners Tätigkeiten werden ganz genau unter die Lupe genommen. (Archiv)

Die FIFA erklärte in einer Stellungnahme an die "New York Times", die Überweisung der zehn Millionen Dollar sei vom damaligen Vorsitzenden des Finanzkomitees genehmigt und gemäss der eigenen Regularien vorgenommen worden. Zahlungen in dieser Höhe bedürften der Zustimmung des FIFA-Finanzkomitees.

Blatter hatte in der vergangenen Woche auf die Frage nach dem «hochrangigen Fifa-Funktionär» geantwortet: «Ich bin es definitiv nicht. Ich habe keine zehn Millionen Dollar.» Generalsekretär Valcke hält den zweitwichtigsten Posten der Fifa inne. Seit Jahren arbeitet er Hand in Hand mit Blatter. Der Vorgang dürfte neue Fragen an den Fifa-Boss aufwerfen.

Jérôme Valcke hatte am Montag seine geplante Reise zur Frauen-WM nach Kanada kurzfristig abgesagt. Angeblich müsse sich der Generalsekretär am Fifa-Sitz in Zürich «um Dinge» kümmern, teilte der Verband mit. 

(edi/sda/SI)

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