Das ausführliche Interview
Bernhard Heusler: «Diese Lösung wäre eine, hinter der wir stehen könnten»

Der FC Basel plant seine Zukunft. Ein Abschied von Präsident Bernhard Heusler und Sportdirektor Georg Heitz im Sommer zeichnet sich ab, der FCB bestätigte dies am Sonntagmorgen. Nun hat auch der Präsident selber Stellung bezogen.

Céline Feller
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(Noch) das Gesicht der Erfolgsmaschinerie: Präsident Bernhard Heusler.

(Noch) das Gesicht der Erfolgsmaschinerie: Präsident Bernhard Heusler.

Mario Heller

Bernhard Heusler, wir waren etwas überrascht über diese Bombe, die da in der Nacht auf Sonntag geplatzt ist.

Bernhard Heusler: Wir waren auch etwas überrascht. Aber es ist ja nur eine Bombe, die geplatzt ist, weil jetzt die Namen bekannt sind. Die Namen sind immer spannend. Es geht bei dieser ganzen Geschichte aber nicht nur um mich und Georg Heitz, sondern um die ganze Führungsriege, die ausnahmslos bereit ist, ihren Platz zu räumen, wenn sich eine neue, nachhaltige und akzeptable Lösung finden lässt.

Wie konkret sind die Pläne?

Wir sind noch in dem Stadium, in dem Konzepte auf dem Tisch liegen, darunter auch eine Lösung aus Basel. Es ist so, dass wir uns, wie wir das im Sommer angekündigt hatten, Gedanken gemacht haben über die Zukunft. Gegen Winter haben wir uns dann entschieden, dass wir eine Lösung in Basel suchen möchten für die Zeit nach uns. Und diese Lösung haben wir dann auch etwas provoziert. Jetzt ist es an diesem unabhängigen Gremium, diese nun anzuschauen und dann gehen wir damit an die Mitgliederversammlung. Es ist noch etwas früh, um darüber zu reden.

Dass Sie und die Vereinsführung im Sommer die Macht übergeben, ist doch schneller gekommen, als gedacht.

Den Ausdruck «Macht übergeben» finde ich etwas schwierig. Ich habe das nie als Macht ausüben empfunden. Ich habe es immer so empfunden und verstanden, dass wir eine Aufgabe für den Club haben. Den Club gab es vor uns und es wir ihn auch nach uns geben. Wir sind da, um das Beste zu machen. Wenn wir in der Vergangenheit Personalentscheide gefällt haben, dann auch, um neue Akzente zu setzen. Und dann haben wir das immer mit besten Wissen und Gewissen getan. Oft lagen wir richtig, oder auch oft falsch aus Sicht der Anderen. Aber wir haben uns jetzt überlegt, an welchen Stellen, an welchen Schrauben wir drehen müssen, um diesen Club weiterzubringen und um das eine oder andere Neue reinzubringen und neue Reize zu schaffen. Wir haben dann gemerkt, dass es nicht reicht, einfach irgendeinen neuen Spieler zu verpflichten, sondern dass es vielleicht richtig ist, wenn man den Mut hat, zu sagen, dass es nach einer gewissen Zeit vielleicht auch einfach mal neue Köpfe braucht. Und dann kommt dazu, dass Leute wie eben Marco Streller Verantwortung suchen, und wir nicht einfach Plätze besetzen oder Pseudo-Stellen schaffen wollen, nur, damit wir, wie Sie sagen, an der Macht bleiben können.

Sie sprechen Marco Streller und die Basler Lösung an. Also können Sie diese Namen bestätigen?

Ihr kennt uns. Wir haben eine Mitteilung publiziert, nachdem die Namen raus waren, also kann man daraus ableiten, dass das kein Humbug ist, sondern dass das stimmt. Wir sind in Kontakt mit diesen Leuten, mit Marco Streller natürlich schon lang. Und dann war uns klar, dass es neben einer sportlichen Führung auch eine unternehmerische braucht. Mit Bernhard Burgener hat man da jemanden, den man in der Region kennt, von dem man weiss, dass er unternehmerisch gut aufgestellt ist und im Fussball schon tätig war. Von dem her ist dieser Weg einer, der für mich von den Personen her sehr, sehr interessant klingt und hinter dem die aktuelle Vereinsführung stehen könnte.

Wäre Bernhard Burgener eine gute Lösung? Er hat keine Erfahrung im Tagesgeschäft Super League.

Es ist schwer, das jetzt zu beurteilen. Ich hatte 2003, als ich angefangen habe, auch keine grossen Erfolge gefeiert in der Super League. Er hat aber bewiesen, dass er unternehmerisches Geschick hat und mit Menschen umgehen kann. Das Wichtigste für uns, und das muss ich jetzt mal sagen, ist, dass sich diese Mannschaft nach wie vor wohl fühlt, genauso wie die Menschen auf der Geschäftsstelle, die uns sehr ans Herz gewachsen sind. Einfach zu sagen „und nach mir die Sintflut“, da würde ich mich nicht wohl fühlen.

Sollte das Gremium dem Konzept zustimmen, müssen zuerst auch die Mitglieder noch zustimmen. Das ist eine zusätzliche Hürde.

Wir hätten auch einfach sagen können: Das ist ein Handwechsel auf Holding Ebene, ob ihr da ja oder nein sagt, ist uns egal, das interessiert uns nicht. Aber ich habe gemerkt, dass in Basel eine gewisse Angst besteht, dass, auch durch die vielen wirtschaftlichen Erfolge, die Leute, die die Aktien halten, diese über Nacht irgendjemandem verkaufen könnten. Wir hatten in den ersten Monaten auch finanzbasierte Lösungsvorschläge vorliegen, aber wir haben dann entschieden, dass wir von diesem Weg nicht überzeugt sind. Deshalb haben wir dann diese Basler Lösung provoziert, indem wir dem Einen oder Anderen auch gesagt haben, dass wir nicht beleidigt wären, wenn jemand sich getraut, ein Team auf die Beine zu stellen.

Diese wirtschaftlichen Erfolge haben angeblich auch ausländische Investoren angelockt. Was könne Sie dazu sagen?

Wir werden bald unsere Zahlen vorlegen und es wissen alle, dass wir zum siebten Mal nacheinander profitabel sein werden. Und ja, dann gibt es immer Leute, die sich den Umsatz anschauen, der sich um die 130 Millionen bewegt, und den Gewinn, der etwa bei 30 Millionen liegt, und dann anfangen zu überlegen, was das Wert sein könnte. Das waren Leute aus Europa und auch eine Gruppe aus der Schweiz, aber die waren von der Idee her nicht das, was wir als nachhaltig empfunden haben. Das war alles finanzbasiert. Und wenn man unseren Fall analysiert, dann kann man diesen einfach nicht rein finanzbasiert anschauen, sondern man muss das Ganze sehen und wissen, dass das, was wir erreicht haben, nicht nur der Finanzwirtschaft, sondern auch der Menschenführung zu verdanken ist. Die ist am Schluss für den Verein entscheidend.

Wie haben die Leute darauf reagiert, dass Sie wahrscheinlich im Sommer abtreten werden?

Es sind alle froh, dass ich gehe. Nein, ernsthaft jetzt, die Reaktionen waren verschieden. Es ist noch früh. Es ist auch für mich noch früh. Ich bin vorgestern aufgewacht und habe nicht im Traum daran gedacht, hier und heute zu diesem Thema Auskunft zu geben. Das ist zwar etwas gelogen, weil ich wusste, dass es eine Frage der Zeit ist. Aber von dem Moment an, in dem wir eine Basler Lösung provoziert haben, war klar, dass die Namen irgendwann an die Öffentlichkeit gelangen werden.

Und wie geht es Ihnen persönlich damit, dass Sie im Sommer vielleicht nicht mehr der Präsident sind?

Ich stecke so mitten drin in diesem ganzen zeug, dass ich am Samstagabend in den Schlussminuten des Spiels zwischen YB und St. Gallen das Gefühl hatte, man müsse mich beatmen. Ich war mir so sicher, dass YB noch das entscheidende Tor erzielt. Und heute sitze ich da, und darf erleben, wie wir ein 1:3 noch in ein 4:3 drehen. Ich bin völlig nicht in dieser Welt, in der ich die Zukunftspläne diskutiere, ich bin noch voll im Tagesgeschäft.

Ist es dann nicht erst recht komisch, dass bald Schluss sein könnte?

Doch, es ist ein komisches Gefühl, das ist klar. Heute ist mir zum Beispiel durch den Kopf, dass es mein letztes Heimspiel gegen Lausanne in dieser Funktion sein könnte. Aber da muss man sich auch versuchen zu lösen. Ich bin 40 Jahre lang vorher in dieses Stadion gegangen und werde es auch nachher wieder tun, wenn auch in einer anderen Rollen. Und es ist nicht so, dass wenn es zu diesem Wechsel kommen sollte, ich ein Buch schliessen und nie wieder aufmachen werde. Sondern ich werde bis zum Lebensende mit diesem Verein verbunden sein.

Was für Pläne haben Sie für die Zeit, in der Sie nicht mehr FCB-Präsident sind?

Das kann ich noch nicht sagen. Ich habe natürlich Ideen, aber es ist nicht gut, damit in der Öffentlichkeit zu hausieren. Das wäre zum jetzigen Zeitpunkt auch unanständig und respektlos. Ich brauche auf jeden Fall kein Sabbatical. Ich bin heiss, etwas zu machen, und sehe mich nicht ein halbes Jahr auf den Malediven. Aber natürlich werde ich dann auch froh sein, mal einen Moment durchschnaufen zu können.

Eine Übergabe ist auch finanziell für Sie reizvoll.

Das Gremium schaut nicht an, was für die Aktien gezahlt wird, sondern es schaut sich das Konzept an. Die Übergabe soll ausserhalb der Dividenden sein, die noch ausbezahlt werden könnten oder von Gehältern, die jetzt noch erhöht werden könnten. Der FCB soll genauso übergeben werden, wie er jetzt aufgestellt ist: Mit Mitteln von 20 Millionen Cash in der Holding und den 40 bis 50 Millionen in der Tochtergesellschaft. Was dann für die Aktie bezahlt wird, das ist reine Privatsache zwischen den Aktionären.

Wie setzt sich dieses Gremium eigentlich zusammen? Und existiert es schon?

Ja, dieses Gremium gibt es schon. Wir haben sie vor etwa 8-9 Monaten angefragt. Die sind auf Stand-by. Das Gremium ist ein Kontrollmechanismus, der stattfindet, um das Ganze weiter zu entwickeln. Aber ich bin der Meinung, dass man die Namen dieser Personen nicht herausgeben muss, das ist nicht die Idee, dass sie in der Öffentlichkeit stehen, sondern dass sie sich in Ruhe dieses Konzept anschauen können.

Wie sehen die nächsten Monate aus?

Ich hoffe, dass das Gremium im März zusammenkommt, dann bräuchte es eine ausserordentliche Mitgliederversammlung im April, damit wir die neue Saison vorbereiten könnten. Dann gäbe es eine Transitions-Phase, in der wir mit der neuen Phase eng zusammenarbeiten würden. Wie lange diese Phase gehen würde, wird noch diskutiert. Genauso wie die Frage, was mit meinem Ämtern in der Liga, dem Fussballverband, der Uefa und der Fifa passieren wird. Klar ist aber schon, dass das neue Team dann den Schlussentscheid hätte, was die neue Saison angeht.

Inwiefern tangiert der Wechsel Urs Fischer und die Frage, ob er in der nächsten Saison noch an der Seitenlinie steht?

Wir haben mit Urs Fischer einen Vertrag, der eine Option, respektive eine Bedingung drin hat. Wir haben immer das Ziel, dass, wenn jemand seinen Vertrag erfüllen will, er das auch darf. In den letzten Monaten hatten wir keinen Anlass, etwas an seinem Vertrag zu ändern. Es ist aber auch ganz klar, dass die Personalie Trainer nicht von mit und Georg Heitz präjudiziert oder gar entschieden werden soll. Das ist der wichtigste Personalentscheid für die neue Saison. Also würden wir auch dort mit offenem Visier mit den Leuten reden. Aber im Moment ist das bei uns keine Pendenz.