Meistertitel

Bern im Freudentaumel — Bis zur Erlösung mussten die Young Boys aber leiden

Bern ist aus dem Häuschen: Überglückliche YB-Fans feiern im Stade de Suisse frenetisch den Meistertitel ihres Fussballclubs.

Bern ist aus dem Häuschen: Überglückliche YB-Fans feiern im Stade de Suisse frenetisch den Meistertitel ihres Fussballclubs.

Vom 24. Mai 1986 bis zum 28. April 2018 musste man in Bern auf einen Meistertitel der Young Boys warten. Mit einem 2:1-Sieg gegen Luzern stellten die Berner den verdienten Triumph sicher.

Wenige Sekunden nach dem Schlusspfiff von Schiedsrichter Stephan Klossner war das Terrain geflutet und überflutet mit gelbschwarzen Fans, die ihre Freude in den vom Petardennebel abgedeckten Abendhimmel schrien. Die Spieler waren unter den Aberhunderten von Fans nicht auszumachen. Der Speaker musste darauf aufmerksam machen, dass der Rasen diesen Frühling auch noch für den Match gegen Lugano am 17. Mai und für den Cupfinal am 27. Mai gebraucht werde.

YB-Fans nach Meistertitel ausser Rand und Band

YB-Fans nach Meistertitel ausser Rand und Band

Nach 32 Jahren ist YB erstmals wieder Fussballmeister. Nach dem 2:1 Sieg gegen Luzern stürmten die Fans das Stade de Suisse und feierten ihre Mannschaft stundenlang. Für die YB-Anhänger ist der Gewinn der Meisterschaft wie eine Erlösung.

Es zeugte letztlich von Stärke und der grossen Ausgeglichenheit des YB-Kaders, dass Jean-Pierre Nsame kurz vor Schluss aus kurzer Distanz den Meisterball zum 2:1 verwertete. In der Auswahl von Trainer Adi Hütter musste er als Stürmer in den letzten Wochen fast immer hinter Guillaume Hoarau und Roger Assalé zurückstehen.

Gute bis sehr gute Chancen hatten die Berner in beiden Halbzeiten reichlich, um den riesigen Jubel der Fans viel früher zu ermöglichen. Paradoxerweise erzielten sie ihr erstes Tor unter Mithilfe des Schiedsrichters, der ihnen einen ungerechtfertigten Penalty zuerkannte. Dass sie nicht noch zum zweiten Mal in Rückstand gerieten, verdankten sie ihrem Goalie Marco Wölfli. Der Routinier parierte nach 76 Minuten einen - gerechtfertigten - Penalty, indem er den Schuss von Valeriane Gvilia mit einer tollen Parade ans Lattenkreuz lenkte.

Früh Druck machen, früh Tore schiessen: Diesen Vorsatz hatten die Young Boys beim 4:1 im letzten Meisterschaftsspiel gegen Lausanne tadellos umgesetzt. Nach 18 Minuten hiess es 2:0, nach 38 Minuten 3:0. Im Spiel gegen Luzern hätten die Berner in der Pause noch klarer führen können als mit 3:0. Aber es stand 0:0, weil die Berner ein ums andere Mal weniger durch Unvermögen als mit Pech scheiterten. Die besten von etwa einem halben Dutzend Chancen vergaben die Offensivkräfte Christian Fasnacht, Hoarau und Assalé, während die Innerschweizer nur zu einer ernsthaften Möglichkeit kamen.

Das Spiel erinnerte an eine gewisse Partie YB - Luzern, an die von den noch aktiven Bernern nur noch Marco Wölfli zurückdenken kann. Im Frühling 2008 hatten die Young Boys im Fernduell gegen Basel um den Meistertitel alle Vorteile auf ihrer Seite, als sie daheim gegen Luzern 0:1 verloren. Damals erzielte der nur kurze Zeit für den FCL tätig gewesene Franzose Faysal El Idrissi vier Minuten nach der Pause mit einem Weitschuss bei der ersten und einzigen Torszene der Innerschweizer das 0:1. Die Young Boys hatten vorher und nachher Chancen für einen Kantersieg, aber sie verloren. Diesmal hätte sich das Gleiche abspielen können. Der Ex-YB Christian Schneuwly traf nach 48 Minuten mit einem Freistoss, ganz entgegen dem Spielverlauf. Diesmal aber brachte der Schiedsrichter die Berner wieder auf Kurs, und zwar mit einem unerklärlichen Penaltypfiff. Fassnacht und Idriz Voca stiessen im Strafraum zusammen. Schiedsrichter Klossner zeigte zum Entsetzen der Luzerner auf den Punkt. Der sichere Schütze Hoarau nutzte dies nur vier Minuten nach dem 0:1 zum Ausgleich.

Für Druck und Chancen sorgten auch danach nur die Young Boys. Bevor Jean-Pierre Nsame sie erlöste, mussten die Berner leiden. Die klarste Chancen vergab Assalé nach einer Stunde. Er zog allein auf Goalie Jonas Omlin los, zögerte aber zu lange. Seis drum: Am Schluss ging für YB alles auf. YB-Meistertrainer Adi Hütter: «Es sind unglaubliche Emotionen, das werde ich mein Leben lang nicht vergessen.»

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