Ein 1:1 im letzten Spiel unter Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg reichte der SFV-Auswahl in Schaffhausen nicht, um im Playoff gegen die Niederlande noch die Wende zu schaffen.

Ein Tor von Vivianne Miedema in der 52. Minute sorgte vor 5148 Zuschauern, der Rekordkulisse für ein Frauenfussballspiel in der Schweiz, für die Vorentscheidung im Duell zwischen dem Europameister 2017 und der SFV-Auswahl. Die Gäste spielten nach der frühen Roten Karte gegen Anouk Dekker über weite Strecke in Unterzahl, verwalteten den 3:0-Vorsprung aus dem Hinspiel am Ende aber souverän. Der Debütantin Coumba Sow gelang immerhin noch der Ausgleich (71.) beim Abschied von Martina Voss-Tecklenburg.

In ihrem 88. Länderspiel als Schweizer Nationaltrainerin (44 Siege) hatte die Deutsche noch einmal alles probiert. Sie stellte das System um und spielte erstmals mit einer Dreierkette. Nach der Pause setzte sie alles auf eine Karte und brachte mit Alisha Lehmann eine dritte Stürmerin. Die taktischen Kniffs zeigten aber nicht die gewünschte Wirkung, dank dem Ausgleich durch Sow (71.) blieb Voss-Tecklenburg zum Abschluss ihrer fast siebenjährigen Amtszeit immerhin ein kleines Erfolgserlebnis vergönnt.

Perfekter Beginn für die Schweiz

Just in dem Moment, in dem die Schweizerinnen mehr riskierten, wurden sie eiskalt erwischt. Miedema schloss kurz nach der Pause den herrlichen Angriff über Lieke Martens und Shanice van de Sanden zum 1:0 für die Nummer 10 der Weltrangliste ab, womit der letzte Hoffnungsschimmer des Heimteams auf die Sensation schwand. Nun hätten die Schweizerinnen fünf Tore schiessen müssen.

Aus Sicht der Schweizerinnen hatte das Spiel perfekt begonnen. In der 7. Minute provozierte Ramona Bachmann gegen Dekker einen Ballgewinn und wurde danach vom niederländischen Captain zurückgerissen, was die Rote Karte als logische Konsequenz zur Folge hatte. Beinahe hätte das Heimteam aus der Aktion noch mehr Profit schlagen können. Der leicht abgelenkte Freistoss Bachmanns flog knapp am Tor vorbei.

In Überzahl versuchte die SFV-Auswahl das Spiel in die Hand zu nehmen, nach einem taktischen Wechsel von Sarina Wiegman fanden die Gäste aber schnell wieder ihre defensive Stabilität. Chancen, um das Gesamtskore zu verkürzen, blieben für die Schweizerinnen Mangelware, Eseosa Aigbogun traf alleinstehend den Ball nicht richtig (18.). Die beste Chance zu einem Treffer vor der Pause hatte der Europameister, Gaëlle Thalmann parierte den Abschlussversuch der herrlich lancierten Van de Sanden glänzend (36.).

Qualifikation früher verspielt

Auch wenn im Rückspiel mehr möglich gewesen wäre, die Qualifikation verspielten die Schweizerinnen nicht in den beiden Duellen gegen die spielerisch klar bessere Niederlande. Die Teilnahme an der dritten Endrunde in Folge verpasste die SFV-Auswahl zum Abschluss der Gruppenphase, als sie gegen Schottland und Polen zwei Matchbälle vergab. Während die Spielerinnen das Turnier in Frankreich als Zuschauer verfolgen müssen, wird Voss-Tecklenburg im nächsten Sommer mit der deutschen Auswahl um den WM-Titel spielen.

Nun gilt es für Nachfolger Nils Nielsen die Arbeit der Deutschen fortzusetzen. Mit Ausnahme von Lara Dickenmann (33), Gaëlle Thalmann (32) und Vanessa Bernauer (30) ist keine aus dem Schweizer Kader älter als 28 Jahre alt, viele der jungen Spielerinnen haben früh den Sprung ins Ausland gewagt, um sich sportlich der internationalen Spitze anzunähern. Dieses Team gilt es innerhalb des SFV weiterzuentwickeln. Eine ähnliche Aufgabe hatte Nielsen mit Bravour gelöst. Sein Heimatland Dänemark führte der 47-Jährige nach vierjähriger Aufbauarbeit 2017 in den EM-Final gegen die Niederlande.