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Befindet sich Lichtsteiner bei Juventus vor dem Absprung?

Juventus Turin ist Leader in der Serie A, international läuft es der «Alten Dame» nicht. Und hinter der Zukunft von Stephan Lichtsteiner gibt es einige Fragezeichen.

Von Lukas Plaschy, Turin
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Stephan Lichtsteiner (r.): Bei Juventus eine feste Grösse - wie lange noch?

Stephan Lichtsteiner (r.): Bei Juventus eine feste Grösse - wie lange noch?

Keystone

In der heimischen Liga gibt Juventus Turin auch unter seinem neuen Trainer Massimiliano Allegri weiterhin den Ton an. In der Chamions-League aber droht dem italienischen Meister das Aus in der Gruppenphase. Dem Heimspiel gegen Olympiakos Piräus am Dienstag kommt fundamentale Bedeutung zu.

Der Oktober und der damit verbundene Jahreszeitenwechsel scheint den Spielern von Juventus Turin nicht zu behagen. Aus sieben Partien (darunter zwei in der Champions League) resultierten für die «Alte Dame» drei Niederlagen, ein Unentschieden und nur gerade drei Siege – zu wenig für ein Team dieser Gewichtsklasse. Auf den Negativtrend angesprochen, entgegnete Trainer Allegri unter der Woche ein wenig genervt, dass zum Gewinn des «Scudetto» nicht 128 Punkte nötig seien.

Steiniger Weg in der Champions League

Verteidiger-Haudegen Giorgio Chiellini analysierte die jüngsten Auftritte der «Bianconeri» ehrlicher: «Wir haben etwas den Faden verloren.» Captain Gianluigi Buffon hingegen verwies nochmals auf die Saisonziele: «Vierter Meistertitel in Folge und Champions-League-Viertelfinal». Während in der Serie A das Plansoll momentan erfüllt wird, verspricht der Weg in die K.-o.-Runde der Königsklasse um ein Vielfaches steiniger zu werden.

Nach der 0:1-Niederlage in Athen gegen Olympiakos Piräus (das Siegtor für die Griechen erzielte der Schweizer Pajtim Kasami) droht wie schon im vergangenen Jahr das Aus in der Gruppenphase. Morgen Dienstag müssen Buffon und Co. im Rückspiel gegen den 41-fachen griechischen Meister nun zwingend siegen.

International erfolglos

Bereits seit mehreren Jahren lassen die Leistungen des Juventus FC auf internationaler Ebene zu wünschen übrig. In einem Verein mit dem Motto: «Siegen ist das Einzige, was zählt» steht die Anzahl gewonnener nationaler Meisterschaften (30) im krassen Missverhältnis zu den Triumphen in der Königsklasse (1985 und 1996). Erfolgscoach Antonio Conte, der den Club in drei Saisons zu drei Meistertiteln geführt hatte, verlangte deshalb im vergangenen Sommer dringend Verstärkungen, um in Europa Schritt halten zu können. Das Präsidium unter Andrea Agnelli und Manager Giuseppe Marotta sah dies allerdings anders. Was folgte, ist bereits Geschichte.

Conte warf das Handtuch, nur um wenige Wochen später als Nachfolger von Nationaltrainer Cesare Prandelli nominiert zu werden. Nun agiert beim italienischen Rekordmeister der 47-jährige Massimiliano Allegri als Übungsleiter. Dessen Wahl war für viele Beobachter eine Überraschung. Die Skepsis der Tifosi noch grösser. Der gebürtige Toskaner hatte 2011 mit der AC Milan zwar die Meisterschaft und den Supercup gewonnen, fiel dann aber wegen fehlender positiver Resultate und wenig spektakulärer Spielweise beim Vereinseigentümer und Schöngeist Silvio Berlusconi in Ungnade.

Lichtsteiner in Verhandlungen

Neuer Coach, neue Hierarchie? Nicht so für Stephan Lichtsteiner. Der gebürtige Luzerner zählt auch in seiner vierten Saison in Turin zu den unbestrittenen Stammspielern. Dass er beim gestrigen 2:0-Sieg der Turiner gegen Em-
poli erst zu Beginn der zweiten Halbzeit eingewechselt wurde, dürfte damit zusammenhängen, dass Trainer Allegri den Schweizer Dauerläufer für den wichtigen Auftritt in der Champions League vom Dienstag schonen wollte. Der 30-jährige Dauerläufer ist mit seinen Flanken und seiner taktischen Intelligenz auch für Allegri unverzichtbar. Im heimischen «Juventus Stadium» gehört «lo svizzero» zu den Publikumslieblingen.

Interesse aus England und Frankreich

Doch der Vertrag des zweifachen Familienvaters läuft Ende Saison aus. Der robuste Verteidiger hat mehrfach signalisiert, dass er gerne bleiben würde. Die Verhandlungen gestalten sich allerdings schwieriger als erwartet. Während sich beide Seiten bei der Vertragsdauer (3 Jahre) einig sind, klaffen die Vorstellungen von der Gehaltssumme (der Spieler möchte 3 Millionen Euro, der Klub offeriert aktuell 2,3 Millionen) noch weit auseinander.
Der Name des 70-fachen Schweizer Nationalspielers wird auf dem Transfermarkt schon herumgeboten. Arsenal London ist eine Option. Schon vor Lichtsteiners Wechsel von Lazio Rom zu den Turinern im Jahr 2011 (Ablöse 10 Millionen Euro) hatte Manchester City intensiv um den Rechtsfuss gebuhlt, im letzten Sommer hatte auch Paris St. Germain Interesse signalisiert.

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