Thomas Müller redet gerne und viel, doch bei der Rückkehr von James an dessen alte Wirkungsstätte war der Spassvogel von Bayern München weitgehend zum Schweigen verurteilt. Vor dem Halbfinal-Rückspiel in der Champions League bei Real Madrid stand im überfüllten Presseraum des Estadio Bernabeu ganz klar der Kolumbianer im Mittelpunkt.

James hatte bereits fünf Minuten über seine unvergängliche Liebe zu Madrid gesprochen, als Müller zum ersten Mal zu Wort kam. In 15 Minuten Pressekonferenz brachte er es auf ganze vier Antworten. Ansonsten lauschte er interessiert den Ausführungen seines Kollegen, der ähnlich dominant auftrat wie zuletzt so oft auf dem Platz.

Im vergangenen Herbst war das noch ganz anders. «Als ich hierher gekommen bin, war James nicht gut in Form und auch nicht gut drauf», sagte Jupp Heynckes zuletzt. Er habe dann häufiger mit dem 26-Jährigen gesprochen, «mich um ihn gekümmert - und dann ist er offener geworden und hat sich wohler gefühlt».

James Rodriguez spricht vor dem Champions-League-Halbfinal-Rückspiel über Real-Trainer Zinedine Zidane.

Inzwischen habe die Real-Leihgabe «eine wunderbare Entwicklung genommen und ist ein fester Bestandteil des FC Bayern». Die Fans seien «verzückt, wenn sie ihn spielen sehen». Nur mit der deutschen Sprache tue er sich schwer, «aber dafür hat er ja mich», ergänzte der Trainer lächelnd.

Bei Karl-Heinz Rummenigge reicht die Verehrung für den Kolumbianer bis in die eigene Familie hinein. Seit James da sei, verzeichne der FC Bayern in den Sozialen Medien «mehr Likes aus Südamerika», hat der Bayern-Boss festgestellt, «wir sind mit ihm total zufrieden. Ausserdem, habe ich das von meiner Frau und meinen Kindern gehört: Er sieht auch gut aus.» Kurz: Er sei Ex-Trainer Carlo Ancelotti für diesen «sehr, sehr guten Transfer» dankbar.

Heynckes' Vorgänger hatte James 2014 nach Madrid und im vergangenen Sommer, als es für den Hochbegabten dort unter Zinedine Zidane nicht mehr lief, nach München geholt.

Anfangs hatte James mit Verletzungen zu kämpfen und litt unter der Trennung von Ehefrau Daniela, mit der er Töchterchen Salome hat. Erst unter Heynckes blühte James auf.

«Das ist ein sehr zurückhaltender und freundlicher junger Mann, der wunderbar kicken kann», sagte Präsident Uli Hoeness über den Torschützenkönig der WM 2014, «deshalb ist er hier.»

Im Zweikampf gegen den ehemaligen Teamkollegen: James Rodriguez im Laufduell mit Superstar Cristiano Ronaldo

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Und deshalb werden die Bayern 2019 voraussichtlich die Kaufoption in Höhe von 42,5 Millionen Euro für ihn ziehen.

Real-Trainer Zidane legt ohnehin keinen grossen Wert mehr auf die Dienste des Zauberfusses.

Beim Champions-League-Triumph 2017 gegen Juventus Turin hatte er ihn nicht einmal in den Kader genommen - die Höchststrafe und der letzte Grund für den Abschied, auch wenn Zidane jetzt versichert: «Ich wollte nicht, dass er geht. Ich hatte keine Probleme mit ihm.»

Auch James spricht voller Achtung von Zidane und Real. «Mein Herz war drei Jahre hier. Es waren drei einzigartige Jahre mit vielen Titeln. Ich habe Respekt vor den Fans und dem Klub», sagte er bei der Rückkehr. Die Gegenwart aber, ergänzte James, heisse FC Bayern. Und die Zukunft. 

James Rodriguez gilt als technisch versierter Spieler.

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