FC Basel
Basel gegen Vaduz - Mit minimalem Aufwand zum maximalen Ertrag

In einer weitgehend unspektakulären Partie kamen die Basler zu einem ungefährdeten 2:0-Sieg gegen den FC Vaduz. Nach einem frühen Penaltytreffer schalteten die Basler zwei Gänge zurück, bevor Kakitani in der 80. Minute alles klar machte.

Sebastian Wendel (Text) & Adrian Gottwald (Liveticker)
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FC Basel - FC Vaduz
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Shkelzen Gashi erhielt die Auszeichnung zum Topscorer der Saison 2014/2015.
Der neue FCB-Captain: Matias Delgado bei Einlauf in den Joggeli.
Der Rückkehrer: Zdravko Kuzmanovic wurde für Matias Delgado eingewechselt.
Yoichiro Kakitani erzielte das 2:0.
Urs Fischer bedank sich nach seinem ersten Pflichtspielsieg bei seinen Spielern.

FC Basel - FC Vaduz

Keystone

Als Yoichiro Kakitani das erlösende 2:0 erzielt, weiss Urs Fischer, bei wem er sich zu bedanken hat: Zärtlich tätschelt er Zdravko Kuzmanovic den Rücken, während dieser einen grossen Schluck aus der Wasserflasche nimmt. 3143 Tage liegen zwischen Kuzmanovic’ letztem Spiel und der Rückkehr gestern in den St. Jakob-Park – eine lange Zeit.

Doch als Kuzmanovic Mitte der zweiten Halbzeit das Feld betritt, ist nichts zu spüren von Anpassungsproblemen. Der Beobachter spürt förmlich den Ruck, der durch die Basler Mannschaft geht. Unter der Regie des Rückkehrers rennen alle wieder ein paar Meter mehr, sind alle wieder genauer im Passspiel, reden alle wieder mehr miteinander – bis schliesslich Kakitani das Aufbäumen mit dem spielentscheidenden Treffer krönt.

Mit Kuzmanovic in die Champions League

Kuzmanovic ist der wichtigste Neuzugang des FC Basel in diesem Sommer. Nach lehrreichen, sportlich eher durchschnittlichen Jahren in Florenz, Stuttgart und Mailand soll er das bewährte FCB-Modell fortsetzen, ehemalige Spieler im besten Alter zurückzuholen. Dass «Kuz», wie ihn in Basel alle rufen, schnell in Form kommt, ist entscheidend für Urs Fischer, den neuen Trainer.

Bereits nächste Woche steigt Rot-Blau in die Qualifikation für die Champions League ein – auf dem steinigen Weg zu den Honigtöpfen (es winken 20 Millionen Bruttoeinnahmen) braucht es widerstandsfähige Typen. Sollte der FCB die Qualifikation verpassen, stünde Fischer bereits heftig in der Kritik – das ist so beim Ligakrösus mit seinen Ansprüchen.

«Zdravko ist der geborenen Leader. Wie er führen soll, muss man ihm nicht sagen», sagte Fischer vor einigen Tagen. Nach dem Abgang von Marco Streller, Fabian Frei und Fabian Schär, die in der vergangenen Saison praktisch die komplette Führungsarbeit verrichtet haben, ist Kuzmanovic der Spieler, der das Team durch das Wellenmeer der neuen Saison lenken soll.

Guter Einstand nach kurzer Vorbereitung

Also kann Fischer nur gefallen haben, wie gut Kuzmanovic gegen die Liechtensteiner die Leaderrolle bereits angenommen hat. Dieser sagte zum Einstand nach nur zwei Wochen im Kreise der Mannschaft: «Das war die kürzeste Vorbereitung meiner Karriere, vor diesem Hintergrund war es ganz okay. Ich brauche jetzt viel Wettkampfgefühl, dann wirds noch viel besser.»

Beim warmen Applaus von den Rängen nach seiner Einwechslung habe er sich gefühlt wie auf «Wolke 7», dafür habe er sich gleich mit Taten bedanken wollen. Das ist gelungen – genauso wie der erste Auftritt vor den Mikrofonen der Journalisten: So konnte sich der 27-Jährige eine Spitze gegen die Konkurrenz aus Zürich und Bern, die sich am Samstagabend 1:1 trennte, nicht verkneifen. Kuzmanovic: «Dort wurde viel geredet, wie gut sie in Form seien. Doch als ich das Spiel sah – phuu! Das war überraschend, wie schwer sich YB getan hat.»

Auch die anderen Neuen überzeugen

Kuzmanovic verschweigt dabei wohl ganz bewusst, dass auch seine Mannschaft noch weit entfernt ist vom Maximum. Es braucht nach zehn Minuten sogar eine krasse Fehlentscheidung von Schiedsrichter Schärer, damit der FCB gegen Vaduz in Führung geht: Statt auf Freistoss entscheidet Schärer nach Pavel Pergl’s Handspiel auf Penalty – dabei findet das Duell mit Breel Embolo einen Meter vor dem Strafraum statt.

Im Anschluss trifft der neue FCB-Captain Matias, Delgado. Das Zitat zur Szene des Tages liefert Vaduz-Trainer Giorgio Contini: «So wie die Spieler stehen auch die Schiedsrichter am Anfang der Saison und haben noch viel Potenzial, sich zu verbessern.» Lob verdient Schärers Reaktion auf den Fehler: Nach dem Studium der TV-Bilder geht er in die Vaduz-Kabine und entschuldigt sich bei Pergl.

Zurück zum FCB: Bei diesem debütieren gestern nicht nur Fischer und Kuzmanovic, genauso ist es für Innenverteidiger Daniel Hoegh und Michael Lang der erste Ernstkampf im rot-blauen Dress. Und nach der Horror-Saison unter Paulo Sousa darf auch Yoichiro Kakitani als Neuzugang bezeichnet werden. Alle drei gehören zur Hälfte der Basler Spieler, die überzeugt.

Wobei vor allem der Auftritt von Hoegh imponiert: Schnörkellos, unaufgeregt und fehlerfrei bringt der 24-jährige Däne die 94 Minuten hinter sich. Und dann sind da mit dem österreichischen Nationalstürmer Marc Janko, dem isländischen Edeltechniker Birkir Bjarnason und Abwehrtalent Manuel Akanji weitere neue Kräfte, die gestern noch nicht eingegriffen haben, allesamt aber das Potenzial haben, die Mannschaft besser zu machen.

Auch wenn die Mannschaft im ersten Spiel der neuen Saison vieles schuldig geblieben ist: Darauf hoffen, dass der FCB in der neuen Saison schwächer als zuletzt ist, darf die Konkurrenz nicht.

Basel - Vaduz 2:0 (1:0). - 27'066 Zuschauer. - SR Schärer. - Tore: 10. Delgado (Handspenalty/Pergl) 1:0. 80. Kakitani (Zuffi) 2:0.

Basel: Vaclik; Michael Lang (73. Zuffi), Höegh, Suchy, Traoré; Xhaka, Elneny; Kakitani (81. Callà), Delgado (63. Zdravko Kuzmanovic), Gashi; Embolo.

Vaduz: Jehle; Von Niederhäusern, Pergl, Grippo, Aliji; Ciccone (88. Caballero), Muntwiler, Kukuruzovic (81. Costanzo), Steven Lang; Neumayr, Messaoud (75. Sutter).

Bemerkungen: Basel ohne Degen, Gonzalez, Ivanov, Safari (alle verletzt), Janko (rekonvaleszent) und Bjarnason (nicht im Aufgebot), Vaduz ohne Burgmeier, Hasler, Kaufmann, Kristian Kuzmanovic, Schürpf und Untersee (alle verletzt). 35. Lattenschuss von Höegh. 72. Tor von Embolo aberkannt (Offside). Verwarnungen: 74. Elneny. 85. Traoré (beide wegen Fouls).

Die Partie gibts in unserem Live-Ticker nachzulesen: