Rücktritt
Aus und vorbei: Alex Frei nimmt beim FC Luzern den Hut

Seit Wochen ist über Alex Freis Zukunft beim FC Luzern spekuliert worden. Nach dem 0:3 gegen Basel trat der FCL-Sportchef zurück. Über die Gründe der Vertragsauflösung äusserten sich die FCL-Exponenten nicht öffentlich.

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Nach dem Spiel gegen Luzern die Bestätigung: Alex Frei verlässt den Club.

Nach dem Spiel gegen Luzern die Bestätigung: Alex Frei verlässt den Club.

Keystone

Schon Stunden vor seiner Derniere hatten verschiedene Online-Portale seinen Abschied angekündigt. Unmittelbar nach der neunten Niederlage zog sich Frei in die Garderobe zurück und übermittelte der Equipe die Fakten: sofortiger Rücktritt im gegenseitigen Einvernehmen.

"Die Suche nach dem Nachfolger beginnt jetzt", erklärte Präsident Ruedi Stäger. Neben ihm sass Frei auf dem Podium - gezeichnet und schwer enttäuscht. Auf nähere Ausführungen zu den Beweggründen, die knapp 20-monatige Zusammenarbeit vorzeitig einzustellen, verzichteten die Hauptdarsteller indes. Öffentliche Schuldzuweisungen blieben (vorerst) aus.

Die Trennung verlief prima vista kurz, aber sicher nicht schmerzlos. Frei bedankte sich zwar für die Chance, "zwei tolle, aber anforderungsreiche Saisons" erleben zu können. Aber innerlich brodelte es im früheren Stürmerstar. Für den einst wohl ehrgeizigsten Nationalspieler wiegt der (erzwungene) Abgang mutmasslich schwerer als manche empfindliche Niederlage seiner Aktivzeit.

"Ich habe Ecken und Kanten, bin aber immer authentisch und ehrlich", hielt er beim Abschied nicht zufällig fest. Und Frei betonte mehrfach, er habe sich primär für das Wohl des Klubs engagiert. Die gleiche Identifikation vermisste er offensichtlich im zerrütteten Umfeld des Vereins - ohne diesen Mangel aber beim Namen zu nennen.

Am Abend des Rückzugs mochte Frei keine brisanten Details der Abspaltung mehr aufgreifen. Er wolle sich zunächst einmal die Zeit gönnen, Distanz zu erhalten. "Es kommt jetzt ja die Zeit der Besinnung." Es war ein letztes Bonmot à la Frei.

Der wertlose (Gegen-)Angriff

Auf die teilweise über verschiedene Medienkanäle gestreute Kritik aus der Ecke der Investoren hatte der junge (Ex-)Sportchef vor zwei Wochen in einem Interview mit der "NZZ am Sonntag" mit einer provokativen Aussage geantwortet: "Ich wusste, dass der FCL ein Haifischbecken ist. Aber mir war nicht bewusst, dass so viele Haie darin schwimmen."

Insider interpretierten Freis Äusserung als bewussten, aber letztlich verzweifelten (Gegen-)Angriff gegen den früheren Präsidenten Walter Stierli. Ihm war vermutlich längst klar, dass er ohne Hausmacht - sein Mentor Mike Hauser ist seit bald einem Jahr nicht mehr im Präsidentenamt - im Strudel der Luzerner Strömungen untergehen würde.

Es wird überliefert, dass Stierli im Hintergrund bewusst gegen Frei politisierte und so die Arbeit des Rekord-Torschützen der Nationalmannschaft spürbar beeinträchtigte. Als zweitgrösster Aktionär neben Bernhard Alpstaeg ist Stierli in der Innerschweiz nach wie vor ein einflussreicher Key-Player. Frei hingegen war in der Klubleitung trotz seines beeindruckenden Fussball-Fundus ein Rookie.

Intensive Wortmeldungen

Am 15. April - einen Tag nach seiner Derniere als Basel-Professional - trat Frei seinen Job in der Teppichetage des FCL an: "Den Mutigen gehört die Welt." In der ersten Saison führte er den Klub ins europäische Geschäft. Nach einem von den Geldgebern verordneten Sparprogramm musste Frei dann aber trotz gleich hohen Ansprüchen zurückbuchstabieren.

Er fasste den Auftrag, das Team erheblich umzubauen. Die Rechnung ging selbstredend nicht auf. Luzern reihte eine Enttäuschung an die nächste. Ausgerechnet aus dem Umfeld Stierlis, das weniger Mittel zur Verfügung stellte, wurden die Wortmeldungen intensiver, die Freistellung von Carlos Bernegger folgte.

Die Entlassung jenes Trainers, auf den Frei gesetzt hatte, beschleunigte den Negativprozess zusätzlich. Unter dem deutschen Nachfolger Markus Babbel stabilisierte sich die Lage nicht. Luzern taumelt weiter, ein Jahr nach dem temporären Höhenflug (Platz 2 nach der Vorrunde) droht der Fall in die Zweitklassigkeit.

Frei bezahlt nun als Nächster für die Fehler der illoyalen Geldgeber, die zwar hohe Ziele verfolgen, aber ihre Energie zu oft auf Nebenschauplätzen verschwenden, und, das wird von Klub-Insidern bestätigt, immer wieder bewusst Machtkämpfe anzetteln, ohne selber an die Front zu treten.

Das Zerwürfnis hat zur Folge, dass weiteres Know-how verloren geht. Wer die Führung bei den Zentralschweizern übernimmt, ist unklar. Die Frage ist viel mehr, wer sich überhaupt noch zutraut, im Epizentrum der Fasnacht und Fussball-Folklore eine professionelle Sportorganisation zu lenken.

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