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Aus 1 mach 3: Wie der FCB die Bulgaren aushebeln will

Der Captain Marco Streller fällt aus. In Bulgarien ist beim FCB die neue Generation Führungsspieler gefragt. Valentin Stocker wird als Captain einlaufen und vorne im Sturm steht mit Sio einer, der keine Woche beim FCB ist.

Sebastian Wendel, Sofia
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Belagert: FCB-Goalie Yann Sommer ist einer der drei FCB-Führungsspieler, die in Sofia Verantwortung übernehmen müssen. Kefalas/Keystone

Belagert: FCB-Goalie Yann Sommer ist einer der drei FCB-Führungsspieler, die in Sofia Verantwortung übernehmen müssen. Kefalas/Keystone

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«Fabian, kurze Frage», «Yann, darf ich schnell?» oder «Valentin, hast du einen Moment?» So tönt es im Check-In-Bereich am Basler Euro-Airport. Nicht: «Hallo Marco, wie gehts?»

Marco, das ist Marco Streller und der grosse Abwesende, als der FCB-Tross gestern in den frühen Morgenstunden die Reise nach Sofia antritt. Ans Hinspiel der Playoff-Duelle gegen den bulgarischen Meister Ludogorez Rasgrad. Es geht um den Einzug in die Gruppenphase der Champions League. Um «brutto 20 Millionen Franken haben oder nicht haben», sagt Präsident Bernhard Heusler.

Der FC Basel steht vor der wichtigsten Partie der noch jungen Saison. Und ausgerechnet jetzt fällt mit Streller (32) der Anführer und einzige über 30-jährige Stammspieler der jungen Mannschaft verletzt aus. «Das ist sehr bitter für uns. Die Präsenz von Marco als Mensch und Skorer macht viel aus», sagt Murat Yakin. Lamentieren bringe jedoch nichts, andere müssen die Scharte auswetzen.

Wer Streller als Führungsfigur ersetzt, liegt auf der Hand. Wobei es gleich drei Spieler sind, auf deren Schultern sich die Verantwortung nun verteilt: Valentin Stocker, Fabian Frei und Yann Sommer. Gestern sind sie es, die von den Journalisten bestürmt werden. Vorbeihuschen hinter Strellers Rücken wie sonst, wenn der Captain vorangeht, ist dieses Mal nicht.

Alle 24 Jahre alt, sind sie seit ihrer Jugend mit dem FCB-Virus infiziert. Zwischen 2006 und 2008 holte Ex-Trainer Christian Gross das Trio aus der U21 in die erste Mannschaft, wo sie sich im Schatten der damals Arrivierten an das Profiklima gewöhnen konnten. Nach Ausleihen zu GC und St. Gallen (Sommer, Frei) und einer schweren Knieverletzung (Stocker) sind sie während der vergangenen Saison endgültig zu tragenden Säulen der Mannschaft gereift. Und nach den Rücktritten von Alex Frei und Benjamin Huggel stehen sie für die neue Generation Führungsspieler im FCB.

Stocker wird heute als Captain ins Stadion einlaufen. «Schön – und speziell im positiven Sinn», antwortet er danach gefragt, was ihm dies bedeute. Für Yakin bedeutet Strellers Ausfall, «dass Vali noch mehr gefordert und gefragt ist.» Nicht mehr nur als die Lebensversicherung, die Tore erzielt und vorbereitet. Auch als Anführer für die Jungen und Neuen im Team. Die Rolle nimmt Stocker an, sagt aber: «Ich trage nun mal die Binde. Aber ich bin froh um den neben mir und den im Tor.»

Der neben ihm heisst Fabian Frei und ist seit Yakins Schachzug, Frei vor der Abwehr aufzustellen, der Taktgeber im Spielaufbau. «Mein Stellenwert ist höher, seit ich eine klare Rolle habe», sagt Frei. Sein Wort zählt im Dreiergremium wie jenes von Stocker und Sommer. «Wenn Marco dabei ist, sagt er, wo es langgeht. Nun müssen wir drei uns absprechen.» Das erfordere, auch mal einen Kompromiss einzugehen. «Auch wenn ich vielleicht anderer Meinung bin.»

Dass das Führungstrio von heute Abend bestens harmoniert, davon ist Yann Sommer überzeugt. «Wir verstehen uns super, jeder weiss, wie der andere Fussball spielt und wir wollen alle das gleiche: in die Champions League», sagt er. Sommers Aufgabe heute Abend ist, die junge Innenverteidigung vor ihm zu dirigieren. Fabian Schär und Arlind Ajeti sind zwar eingespielt. Dass sie mit 21 (Schär) und 19 Jahren (Ajeti) unter Druck auch mal wacklig agieren, musste Sommer beim 3:3 in Tel Aviv erfahren.

Zusammen wollen Stocker, Frei und Sommer den Ausfall von Streller auffangen. Aus 1 mach 3. Dass die Rechnung aufgehen kann, haben sie im Februar in Dnjepropetrowsk bewiesen. Streller verfolgte in Basel vor dem Fernseher, wie seine Teamkollegen im Rückspiel des Europa-League-Sechzehntelfinals dem Druck der Ukrainer standhielten und letztlich souverän den Einzug in die nächste Runde schafften.

Streller als Führungsspieler zu ersetzen, ist das eine. Ebenso schmerzlich ist der Verlust aus sportlicher Sicht. «Ich bin gekommen, um zu helfen», sagt Giovanni Sio. Auch vom Neuzugang aus Wolfsburg hängt es ab, ob Basel heute Abend das so wichtige Auswärtstor erzielt. Die Frage ist, wie gut der Ivorer nach drei Trainingstagen mit seinen Teamkollegen harmoniert. Die Antwort gibts heute Abend in Sofia.

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