FC Basel
Aufgeblasenes Kader: Dem FCB wächst ein Wohlstandsbauch

Das Kader des FC Basel fasst gegenwärtig 29 Spieler. Auf den ersten Blick scheint das zu gross. Doch der FC Basel agiert mit Weitblick.

Calvin Stettler
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Neuzugang Blas Riveros während des Trainings mit dem FC Basel.

Neuzugang Blas Riveros während des Trainings mit dem FC Basel.

Andy Mueller/freshfocus

Wohlstand ist, wenn man als Fussballklub einen Spieler verpflichten kann, obwohl dessen Dienste im Moment nicht einmal opportun sind. Der FC Basel kann das. Seit längerem. Doch in diesem Jahr zelebriert er seine Vormacht-
stellung besonders. Neun Neuzugänge wurden am Rheinknie bisher vermeldet, dazu wurden drei Eigengewächse in den Profibetrieb integriert. Gegenwärtig fasst das Kader 29 Spieler. Auf den ersten Blick ein Übermass. Oder eben: ein Wohlstandsbauch.

Zwar hatte der FC Basel seine Abgänge, die gewichtig waren. Es war deshalb logisch, dass ein Innenverteidiger, ein Linksverteidiger und ein Stürmer auf die wegfallenden Stammkräfte Samuel, Safari und Embolo folgen mussten. Aber solch ein Basler Kaufrausch war nicht absehbar.

Dreifach- statt Doppelbesetzung

Dass das Gros der Verpflichtungen vom Zeitpunkt her schon ziemlich früh als perfekt vermeldet wurde, liegt nicht nur am frühen Start der Super League. «Es gibt für die Verpflichtung eines Spielers meist nur ein begrenztes Fenster», skizziert FCB-Sportdirektor Georg Heitz die Abwicklung eines Transfers. «Wenn man den Spieler will, muss man dann zuschlagen.» Der FCB schlug zu. Mehrmals. Heitz kann es zwar nicht definitiv bestätigen, sagt aber, dass es vermutlich die grössten Investitionen seien, die je in einer Transferperiode getätigt wurden. Die Rede ist von mehr als 15 Millionen Franken. Vergleiche mit früheren Jahren gestalten sich aber schwierig, steigen die Preise im Fussball doch laufend an.

Es ist eine Transferoffensive, mit der der FCB nicht nur seine Muskeln spielen lässt, sondern seinen Fans schon vor Saisonbeginn das liefert, was sie wollen: Spektakel. Auf gewissen Positionen spricht man schon nicht mehr von einer Doppel-, sondern Dreifachbesetzung. Da liegt es nahe, dass gewisse Spieler nicht auf jenes Einsatzpensum kommen, das sie sich von ihrer alten Wirkungsstätte gewohnt sind. Die Annahme, dass der Wohlstandsbauch zur Last werden könnte, ist nicht unbegründet.

Alles für den zweiten Stern

Drei Gründe sprechen aber gegen die Befürchtung von atmosphärischen Störungen: Zum einen tanzt der FCB mit Meisterschaft, Cup und Champions League auf drei Hochzeiten. Zu Einsätzen dürfte deshalb jeder kommen. Zum anderen liegt es an Heitz’ Verhandlungsgeschick, Spielern wie Bua die Destination Basel schmackhaft zu machen, auch wenn er ihnen im gleichen Atemzug offenbart, dass sie jetzt noch nicht jedes Spiel von Beginn an bestreiten werden. Dafür wird ihnen vermittelt, ein Zukunftsprojekt zu sein.

Und: Die Klubverantwortlichen kennen den Markt. Sie wissen, dass Abgänge wie jener von Birkir Bjarnason realistisch sind. Heitz sagt: «Heute zu sagen, die Transferaktivitäten des FC Basel seien schon zu Ende, wäre vermessen.» Der FCB macht vor allem eines: Er agiert mit Weitsicht. So auch, weil in den letzten Jahren so mancher Spieler den Klub im Winter verliess. Hinzu kommen Verletzungen. Und gibt es sie dann in dieser Regelmässigkeit wie letzte Saison, dann ist das 29-Kopf-Kader bereits wieder gerechtfertigt. Mit dieser Personalstrategie sichert sich der FC Basel letztlich gegen alle Eventualitäten ab. Ganz nach dem Motto: alles für die
20. Schweizer Meisterschaft. Alles für den zweiten Stern.