Reformpaket
Auf dem Papier plant die Fifa einen radikalen Wechsel

Morgen Freitag stimmen die Fifa-Delegierten nicht nur für ihren neuen Präsidenten, sie entscheiden über die Zukunft ihrer Organisation. Ein umfangreiches Reformpaket soll abgesegnet werden.

Rainer Sommerhalder
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Die Aktivitäten des Weltfussballverbandes sollen transparenter werden.Reuters

Die Aktivitäten des Weltfussballverbandes sollen transparenter werden.Reuters

REUTERS

Dicke Post kommt am Freitag auf die 207 Wahlberechtigten am Fifa-Kongress in Zürich zu. Nicht weniger als 39 der bisher 87 Paragrafen der Fifa-Statuten erhalten relevante Änderungen, 20 Paragrafen werden ganz gestrichen.

Mit der Zustimmung zu den neuen Statuten genehmigen die Fifa-Mitglieder eine umfassende Reform, welche eine Kommission in den letzten Monaten ausgearbeitet hat.

Viele Vorschläge widerspiegeln Ansichten und Empfehlungen von Aussenstehenden. So flossen Berichte von Fifa-kritischen Organisationen wie Transparency International oder Play the Game und Rückmeldungen von Hauptsponsoren in die Reform ein.

75 Prozent Zustimmung nötig

Obwohl die 15-köpfige Reformkommission unter der Leitung des Schweizers François Carrard und mit dem tatkräftigen Walliser Präsidentschaftskandidaten Gianni Infantino die Reformen einstimmig verabschiedete.

Obwohl das Fifa-Exekutivkomitee im Januar nachdrücklich zustimmte. Und obwohl die Notwendigkeit eines radikalen Wandels der schwer angeschlagenen Organisation unbestritten ist.

Das Erreichen der für die Statutenänderung notwendigen Dreiviertelmehrheit am Kongress ist kein Selbstläufer.

Denn ein Ja zu den neuen Regeln bedeutet für viele Funktionäre des Weltfussballs ein Machtverlust und für einige Nationen ein Bekenntnis zu Rechten, die in ihren Ländern nicht selbstverständlich sind.

So fordern die Statuten die bedingungslose Gleichstellung von Männern und Frauen. Den Worten müssen sogleich Taten folgen.

Im künftigen Führungsgremium des Weltfussballs, dem Fifa-Rat, sind ein Sechstel der Sitze (6) für Frauen reserviert. Im bisherigen Exekutivkomitee sass mit Lydia Nsekera aus Burundi eine einzige Frau.

Wichtigste Änderungen:

Die Amtsdauer der wichtigsten Fifa-Funktionäre wird auf 12 Jahre beschränkt.

Das Exekutivkomitee wird durch den Fifa-Rat ersetzt und von 24 auf 37 Personen (minimal 6 Frauen) vergrössert.

Alle Ratsmitglieder müssen einen Integritäts- und Eignungscheck bestehen.

Klare Gewaltentrennung: Der Fifa-Rat (mit dem Präsidenten) hat keine Exekutivgewalt und operative Aufgaben mehr. Dafür wird die Funktion des Generalsekretärs zum CEO aufgewertet.

Die Gehälter von Präsident, Generalsekretär und Ratsmitgliedern werden öffentlich gemacht.

Die Funktion eines Chief Compliance Officer wird geschaffen. Dieser untersucht Finanzströme und kontrolliert Verhalten sowie Einhaltung der neu definierten Führungsgrundsätze.

Die Anzahl Kommissionen wird von 26 auf 9 reduziert. Die neue Governance-Kommission leitet Strukturen und Prozesse, die Audit- und Compliance-Kommission prüft die Geldflüsse.

Die Anzahl Fifa-unabhängiger Mitglieder in den wichtigsten Kommissionen wird massiv erhöht.

Die Fifa bekennt sich in den Statuten zur Einhaltung und zum Schutz der Menschenrechte.

Mit der Beschränkung der Amtszeit auf maximal 12 Jahre für den Präsidenten und die Ratsmitglieder läuten bisherige Sesselkleber ihr eigenes Ende ein.

Und dank der vermehrten Bestückung von Kommissionen mit unabhängigen Experten verlieren Funktionäre an Einfluss und Bedeutung.

Erst recht, weil der Passus, wonach jede Kommission zwingend von einem Mitglied des Exekutivkomitees geleitet werden muss, gestrichen wird.

Das Reformpaket ist durchaus radikal. Doch Papier ist bisweilen geduldig. Das neue Führungspersonal der Fifa muss beweisen, mit welchem Tempo und welcher Hartnäckigkeit der Wandel tatsächlich angegangen wird. So oder so wird es dauern, bis die Fifa ihre Glaubwürdigkeit zurückerlangt hat.

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