Fifa

Auf dass die Wahrheit nie ans Licht komme

Dr. No: Nicolas Maingot als Bodyguard der Wahrheit: Er beschützt sie jeden Tag, damit sie nur ja nicht ans Licht kommt.

Auf dass die Wahrheit nie ans Licht komme

Dr. No: Nicolas Maingot als Bodyguard der Wahrheit: Er beschützt sie jeden Tag, damit sie nur ja nicht ans Licht kommt.

Wie der Weltverband Fifa mit allen Mitteln versucht, unliebsame Nachfragen einfach abzuwürgen.

Thomas Häberlein, Antje Rehse

Manchmal erweckt der Weltverband Fifa den Eindruck, als sei er nicht mehr von dieser Fussball-Welt. Er rühmt sich seiner Taten, er verbreitet diese Kunde voller Pathos und Selbstbeweihräucherung – sollte aber der ein oder andere hinter die Kulissen schauen wollen, knallen die manchmal weltfremden Herrscher die Türen zu. Bei der Fifa sind dafür zwei im Grunde ja ganz nette junge Männer zuständig, einer ist Franzose, einer Spanier. Fifa-Boss Joseph S. Blatter ist bestimmt stolz auf sie.

Nicolas Maingot und Pekka Odriozola sind die Bodyguards der Wahrheit. Sie beschützen sie, jeden Tag, damit sie nur ja nicht ans Licht kommt. Das Dumme dabei ist nur: In jedem Stadion hat die Fifa mittlerweile 32 Kameras aufgestellt, nichts, aber auch gar nichts entgeht ihnen. Zum Beispiel haben die Kameras gezeigt, dass Lampard ein Tor geschossen hat. Und sie haben nachgewiesen, warum Tevez einen Treffer erzielt hat, der kein Tor hätte sein dürfen.

Jeden Tag um elf Uhr lädt die Fifa in Johannesburg zu einem so genannten Briefing ein. Es ist ein Akt der Gnade, denn im Grunde hasst die Fifa nichts mehr, als dass sie in der Öffentlichkeit eine Frage beantworten soll, noch dazu eine Frage, die, huch!, im Ansatz etwas mit Fussball zu tun hat. Doch die versammelte Weltpresse wollte gestern Antworten haben. Was sagt die Fifa zu den Schiedsrichtern? Warum verweigert sie sich dem Videobeweis? Warum veranstaltet sie jeden Tag ein Briefing und sagt dann nichts? Maingot, Spitzname mittlerweile «Dr. No» (für «no comment»), aber im Grunde ein netter junger Mann, gab sogar welche. (Auszüge aus dem Theater weiter unten)

Maingot beendete nach der Frage-Anwort-Runde die Diskussion und leitete erfreut zum Thema «Football for Hope» über. Anders ausgedrückt: Und damit ab zur Werbung. Die Weltpresse verliess daraufhin fast geschlossen das Briefing. Maingot hatte die Fifa zum wiederholten Male der Lächerlichkeit preisgegeben. Sepp Blatter hat es bestimmt nicht mal gemerkt. Am Nachmittag verschickt Maingot dann in der Tat eine Stellungnahme von Blatter: Sie datiert vom 11. März 2010.

Antworten des Fifa-Sprechers Nicolas Maingot auf Journalistenfragen:

«Die Fifa wird zu vermeintlichen Fehlern der Schiedsrichter keinen Kommentar abgeben.»

Auf die Frage, ob die Fifa eine Stellungnahme zu den Fehlentscheidungen der Schiedsrichter abgeben könne.

«Wir werden hier beim Media Briefing keine Schiedsrichter-Debatte eröffnen. Dafür ist dies nicht der richtige Ort.»

Ein Journalist hakte nach.

«Es gibt eine Schiedsrichter-Kommission und ein International Board. Sollte irgendein Statement zu den Schiedsrichter-Leistungen nötig sein, wird es von diesen Stellen kommen.»

Auf die Frage, wer dann Antworten geben könne.

«Sie werden dazu sicher keine Stellung nehmen.»

Auf die Frage, ob die Schiedsrichter oder Verantwortliche beim «media day» der Schiedsrichter am Dienstag Antworten geben.

«Die Fifa wird nicht wegen eines speziellen Falls am Schiedsrichter-Wesen arbeiten. Die Fifa tut dies seit Jahren gemeinsam mit den entsprechenden Stellen. Das ist ein globales Thema.»

Auf die Frage, ob die Fifa nach den Fehlentscheidungen einen Diskussions-und Handlungsbedarf sehe.

«Die Position der Fifa hat sich nicht verändert.»

Auf die Frage, ob Sepp Blatter weiter zu seiner Meinung stehe, dass Fussball ein Spiel mit Fehlern bleiben solle.

«Die Kampagne ‹My Game is Fair Play› hat nichts mit den Schiedsrichter-Entscheidungen zu tun. Diese Kampagne besteht seit Jahren und bezieht sich auf das faire Verhalten auf dem Platz.»

Auf den Hinweis, dass die Fifa «Fair Play» predige, aber England oder Mexiko nicht fair behandelt wurden.

«Das Thema Technologien zur Unterstützung von Schiedsrichtern ist ein Thema für das International
Board. Ich kann nur immer wieder auf die Pressemitteilung verweisen, die das International Board im März zu diesem Thema veröffentlicht hat.»

Auf die Frage, warum sich die Fifa technischen Hilfsmitteln für Schiedsrichter verweigere.

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