FC Basel
Auf allen Ebenen zu wenig: Der FCB unterliegt YB verdient mit 0:2

Der FC Basel verliert 0:2 gegen YB, kassiert die erste Heimniederlage seit Februar und verpasst den Sprung an die Spitze.

Céline Feller
Drucken
Teilen
Der FCB unterliegt YB mit 0:2.
18 Bilder
Zwei Welten: Jubelnde Berner und enttäuschte Basler.
Von Ballmoos klärt gegen Timm Klose.
Timm Klos ist sichtlich bedient.
Arthur Cabral windet sich vor Schmerzen.
Ein Sinnbild für den Abend des FC Basel.
Julian von Moos setzt das Leder über den Berner Kasten.
Fabian Frei hat im Mittelfeld alle Hände voll zu tun.
Afimico Pululu lässt seinen Gegenspieler alt aussehen.
Frei verteidigt am Boden gegen Elia.
Nsame bejubelt sein Tor.
Arthur Cabral mit einer seltenen Basler Torchance.
Timm Klose hat das Nachsehen gegen Jean-Pierre Nsame.
YB kann sich bisher freuen.
Sandor Schärer nimmt einen Elfmeter gegen den FCB zurück.
Meschak Elia erzielt den ersten Treffer des Abends.
Luca Zuffi verteilt den Ball.
Arthur Cabral will den Ball aus der Luft kontrollieren.

Der FCB unterliegt YB mit 0:2.

freshfocus.ch

Es war ja schon lange nicht mehr so, dass man vor einem Spiel zwischen dem FC Basel und den Young Boys so stark das Gefühl haben konnte, dass die Basler Favorit sind. Aber vor diesem Aufeinandertreffen gestern Abend, da sprach tatsächlich sehr viel für den FCB. Da war einerseits die Form: Drei Siege reihten die Basler zuletzt aneinander, zwei davon zu Null. Seit dem 15. Februar und damit seit fast auf den Tag genau zehn Monaten hatte man im Joggeli in der Liga nicht mehr verloren. Dazu kam die tiefere Belastung im Vergleich mit den Bernern, die kürzere Absenzenliste.

Und doch braucht es in dieser Partie keine zehn Minuten, um zu realisieren: All das, all diese guten Argumente, sie würden an diesem Abend nicht relevant sein. Denn während YB von der ersten Sekunde an da ist, bereits in den ersten 60 Sekunden einen Eckball heraus holt, ist der FCB abwesend. Mental, aber auch von der Aggressivität, der Körpersprache her. Alles geht dem auf drei Positionen umgestellten Baslern ab. Im Zentrum kriegen weder Pajtim Kasami noch Fabian Frei oder Luca Zuffi annähernd Zugriff auf das Geschehen. Viel mehr werden sie vom sehr präsent agierenden Gegner neutralisiert. Und: Wie der Rest der Mannschaft extrem weit in die eigene Hälfte gedrückt.

Obschon der FCB in diesem Spiel Gastgeber ist, sind es die Berner, die wie ein Heimteam auftreten. Sie haben die Kontrolle, bestimmen Tempo und Richtung. Der Plan von Ciriaco Sforza, nach vorne zu agieren, funktioniert zu keiner Zeit. Stattdessen kassieren die Basler nach Slapstick-artigen Einlagen von Eray Cömert und Timm Klose nach zwölf Minuten den ersten Gegentreffer. Und acht Minuten später den zweiten. Verdient. Denn wer nach einer Ecke mit Jean-Pierre Nsame den Topskorer der Liga so sträflich alleine lässt, der bettelt förmlich um ein Tor.

Vier Tage für eine komplett andere Ausgangslage

Dass es nicht in diesem Takt weitergeht, ist der abnehmenden Genauigkeit der Berner, aber auch den sich langsam stabilisierenden Baslern zu verdanken. Der FCB fängt sich mit zunehmender Dauer. Gut – das wird er aber nie. Ihm fehlen Ideen, Kreativität, Biss und ohne Spieler wie Valentin Stocker oder Taulant Xhaka auch die unbändige Leidenschaft. So ist die Niederlage am Ende mehr als verdient, auch wenn Julian von Moos in Durchgang 2 eine Topchance liegen lässt.

In den letzten beiden Aufeinandertreffen – vor dreieinhalb Wochen und im Cupfinal Ende August – war dem FCB zuletzt wenigstens ein Tor gelungen. Aber: Damals war der FCB auch nicht so weit weg vom Meister. Gestern ist dieser meilenweit weg. Mehr als zwei Tore. So wird dem FCB, statt vorübergehend an die Tabellenspitze zu klettern, in aller erbarmungsloser Deutlichkeit aufgezeigt, dass er die Nummer 2 ist. Fragte man sich vor der Partie, wo Bernhard Burgener das Team verstärken möchte, fragt man sich nun: Wo nicht?

Nach Verlustpunkten sind die Basler wieder acht Punkte hinter YB. Und das, nachdem vor Anpfiff die Chance kaum je grösser schien, heranzurücken. Aber dafür kommt vom FCB schlicht zu wenig. Auf allen Ebenen. Der leichte Aufwärtstrend ist gestoppt. Jäh. Ausgerechnet, bevor auch noch St. Gallen am Samstag ins Joggeli kommt. Die Espen spielten zwar gestern nur 0:0. Dennoch sind sie nun punktgleich. Je nach Resultat könnte der FCB also innert vier Tagen vom wiederernannten Titelaspiranten zur Nummer 3 verkommen. So schnell der Aufwind da war, so schnell ist er wieder weg.

Das Telegramm:

Heinz Lindner: Note 4 Auch sein neuerscher Reklamierarm kann das 0:2 nicht verhindern, das 0:3 aber mit einer starken Parade.
15 Bilder
Silvan Widmer: Note 4 Verliert das wichtige Kopfballduell vor dem 0:2 und hat Glück, dass der VAR sein Penaltyfoul für nicht foulwürdig hält. Immerhin stemmt er sich mit einigen Offensivläufen gegen die Niederlage.
Eray Cömert: Note 3 Spielt den Weihnachtsmann und schenkt YB das 1:0. Auch später mit einigen Ballverlusten.
Timm Klose: Note 2,5 Sein verwirrter Kopfball nach Cömerts Querschläger lädt YB zur frühen Führung ein. Spielt sonst viele lange Bälle zum Gegner und hat Mühe mit den flinken Gegenspielern und dem YB-Pressing.
Jorge: Note 3,5 Immer wieder entstehen Lücken zwischen ihm und Klose. Muss nach einer Stunde am Knie verletzt in die Kabine getragen werden.
Luca Zuffi: Note 3 Geht zu vielen Zweikämpfen aus dem Weg. So hat YB im Zentrum die Oberhand.
Fabian Frei: Note 3,5 Kommt bei YB-Ballbesitz nur schwer in die Zweikämpfe und auch er hat bei FCB-Ballbesitz Mühe mit dem YB-Pressing. Sammelt Pluspunkte mit einer schönen Grätsche gegen Elia.
Edon Zhegrova: Note 3 Verliert alle seine entscheidenden Dribblings, fällt dann oft um und wartet vergeblich auf den Pfiff.
Pajtim Kasami: Note 3,5 Probiert erst nach 35 Minuten, etwas Gegenwehr zu leisten. Eine Lösung gegen gut verteidigende Berner findet aber auch er nicht.
Afimico Pululu: Note 3 Wird eng gedeckt und hat damit grosse Mühe. Nach 14 seiner 20 Ballkontakte ist das Leder weg.
Arthur Cabral: Note 3 Hängt in der Luft, weil sich das Spiel grösstenteils in der eigenen Hälfte abspielt und die Gegner ihm den Ball schnell abknöpfen, wenn er ihn denn mal hat.
Julian von Moos: Note 3,5 Leidet unter den gleichen Probleme wie Pululu, für den er in der 52. Minute ins Spiel kommt. Hat dann aber aus dem Nichts die Chance zum 1:2, die er leider drüber ballert.
Andrea Padula: Note 3,5 Kommt in der 62. Minute für Jorge. Kann sich nicht für einen Stammplatz empfehlen, wenn der am Knie verletzte Brasilianer länger ausfallen sollte.
Yannick Marchand: keine Note Kommt für Zuffi und stemmt sich gegen die drohende Niederlage. Doch Wille allein reicht nicht. Zu kurz im Einsatz für eine Bewertung.
Ricky van Wolfswinkel: keine Note Kommt in der 72. Minute für Zhegrova. Einmal fällt er auf, als sein Schuss erst auf der Linie geblockt wird. Doch da stand er im Offside. Zu kurz im Einsatz für eine Bewertung.

Heinz Lindner: Note 4 Auch sein neuerscher Reklamierarm kann das 0:2 nicht verhindern, das 0:3 aber mit einer starken Parade.

Freshfocus

Die Highlights: