Nati-Manager
Auf Achse für die Liga – Adrian Knup ist Sportchef der SFL und Anwärter auf den Job des Nati-Supermanagers

Adrian Knup ist Sportchef der Swiss Football League. Er fungiert als Bindeglied zwischen der Liga und den Vereinen. Wird er der neue Supermanager der Schweizer Nati?

Markus Brütsch
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Hat viele Ideen: Adrian Knup vor dem Haus des Fussballs.

Hat viele Ideen: Adrian Knup vor dem Haus des Fussballs.

BR

Als sich Adrian Knup vor dem Eingang zum Haus des Schweizer Fussballs für ein Foto positioniert, sagt er: «Hier war ich als junger Nationalspieler zusammen mit Heinz Hermann bei der Aufrichte.» Natürlich dachte er damals, vor gut 25 Jahren, in keiner Sekunde daran, dass in diesem Zweckgebäude in Muri bei Bern einmal sein Arbeitsplatz sein könnte. Und das hätte er vielleicht auch noch vor zwei Jahren, als er als Verwaltungsrat des FC Basel tätig war, nicht für möglich gehalten. Doch seit dem 1. September 2017 hat er genau hier sein Büro, um als Chief Sports Officer der Swiss Football League seiner Arbeit nachzugehen.

Wir treffen uns mit Knup, um zu erfahren, was sich hinter seiner Berufsbezeichnung verbirgt und welches seine Aufgaben sind. Wir sind aber auch gekommen, um den 50-Jährigen zu fragen, ob er Interesse habe, der neue «Supermanager» der Schweizer Nationalmannschaft à la Deutschlands Oliver Bierhoff zu werden. Ende November hatte die Agentur von Bernhard Heusler und Georg Heitz in ihrer Analyse zur Nati vorgeschlagen, einen starken Mann mit weitgehenden Kompetenzen zu installieren, und der Verband will diese Idee nun umsetzen.
In den Medien werden Namen wie Christoph Spycher (Sportchef YB) und Peter Knäbel (Technischer Direktor Schalke-Nachwuchs) ins Spiel gebracht. Auch Adrian Knup wird, aus gutem Grund, immer mal wieder genannt. Der 48-fache Nationalspieler, der 1994 mit seinen beiden Toren beim 4:1 im WM-Spiel gegen Rumänien zum Volkshelden wurde, hat inzwischen einen gut gefüllten Rucksack, sodass er bei der Evaluation des «Supermanagers» schon ein Thema sein müsste.

Grosse Erfahrung

Knup war Co-Kommentator beim Fernsehen und kennt die Medienarbeit. Er sass acht Jahre lang als Nachwuchsverantwortlicher und Mitglied der technischen Kommission im Verwaltungsrat des FCB und kennt die Ausbildungsarbeit. Er hatte vor der EM 2008 bei der Nati ein Beratermandat, um Coach Köbi Kuhn zu unterstützen, und weil er inzwischen seit über einem Jahr im Haus des Fussballs arbeitet, kennt er auch die Abläufe bei der Liga und im Dachverband.

Nun also die Frage an Knup: Würde es Sie denn nicht reizen, dieses Nati-Manageramt zu übernehmen, falls der Verband anklopft? «Was wäre, wenn – auf Spekulationen will ich gar nicht eingehen. Ich möchte nur über Dinge reden, die ich beeinflussen kann», sagt Knup. «Ich will mich ganz auf die spannenden Projekte konzentrieren, in die ich involviert bin.»
Als Chief Sports Officer besetzt Knup die neu geschaffene Stelle eines Liga-Sportchefs. Er sitzt in der Geschäftsleitung der Swiss Football League und ist zentrales Bindeglied zwischen Liga, Klubs und dem SFV. Er ist verantwortlich für die Super und Challenge League, die Nachwuchsförderung, das Schiedsrichterwesen, den Frauen-Spitzenfussball und seit Oktober auch noch für die U21-Nati. Das zu bearbeitende Feld ist umfangreich und Knup gibt zu, einige Monate gebraucht zu haben, um in den Job hineinzufinden. «Es ist jedoch ein Privileg, im Fussball arbeiten zu dürfen. Da zählt man die Stunden nicht», sagt Knup, der mit seiner Familie in der Nähe von Basel lebt. Neben der nötigen Präsenz auf der Geschäftsstelle in Muri ist er auch viel ausser Haus und vor Ort bei den Klubs. Die U21-Nati wird ihn 45 bis 50 Tage im Jahr beanspruchen. «Wir sind nun dabei, ein Konzept zu erstellen, wie wir diese Mannschaft stärker positionieren und pushen können», sagt Knup.

Videobeweis aufgegleist

Er ist auch eine treibende Kraft gewesen, als es darum ging, die Einführung des Videobeweises aufzugleisen. «Wir gingen nach Deutschland und Belgien, hatten Kontakt mit der Fifa und dem IFAB, erstellten ein Budget und fanden mit dem Deutschen Hellmut Krug den Mann, der die VAR (Video-Assistent-Referee) ausbildet, und mit Reto Häuselmann einen Gesamtprojektleiter», erzählt Knup. Die Schweiz könne nun viel von den Erfahrungen anderer Länder profitieren. «Das Projekt ist ambitioniert, aber wir sind gut unterwegs.»

Angestossen hat Knup unter Mitwirkung des früheren FCB-Sportchefs Georg Heitz auch einen zweitägigen Workshop für die Sportchefs der Swiss Football League. «Wir haben versucht, den Teilnehmern ein paar Dinge mitzugeben, die sie im Alltag verwenden können», sagt Knup. Wie beispielsweise Tipps zum Transfer- und Vertragswesen. Der Kurs hat Anklang gefunden und soll auch nächstes Jahr stattfinden.

Und Knup berichtet noch von einem weiteren von der Liga initiierten und finanzierten Projekt, das in der Super League schon läuft und nun auch in der Challenge League kommt. Bereits vor der letzten Saison waren die Stadien der höchsten Klasse mit zwei Kameras auf dem höchstmöglichen Punkt ausgestattet worden, die je eine Feldseite abdecken. So haben die Videoassistenten der Klubs alle 20 Feldspieler im Blick. Wenn sie wollen, können sie ihrer Mannschaft nun sogar schon in der Pause gewisse Szenen zeigen. «Das Feedback ist sehr positiv», sagt Knup.

Erfreut über die Barrage

Und sehr positiv ist aus seiner Sicht auch, dass die Klubs der Wiedereinführung der Barrage zugestimmt haben. Es ist gut zu spüren, dass es Knup wohl ist in seiner Funktion als Liga-Sportchef. «Ja, ich bin angekommen. Wir haben sehr spannende Projekte. Die Liga ist dynamisch unterwegs. Es bewegt sich viel. Und ich freue mich auf die U21.»
So spricht gewiss keiner, der seinen Job Hals über Kopf aufgeben würde, selbst wenn er Nati-Manager werden könnte. Vielleicht wird der SFV gleichwohl bei ihm vorstellig. Denn Knup hat ja nie gesagt, er würde eine Anfrage auf jeden Fall abschlägig beantworten.