Nationalmannschaft
Auch diese Schweizer Sportgrössen wurden bedroht

Alex Frei ist aus der Nationalmannschaft zurückgetreten. Mitverantwortlich sind die Morddrohungen gegen seine Person. Nun sprechen Schweizer Sportgrössen darüber, wie sie vom Mob belästigt, verfolgt und mit dem Leben bedroht wurden.

Vasilije Mustur
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Hodel und Meier

Hodel und Meier

Keystone

Der Rücktritt von Alex Frei beschäftigt die Fussballschweiz. Bisher gingen Fans, Medien und Experten davon aus, dass die Kritik und Pfiffe gegen seine Person für die Demission aus der Nationalmannschaft verantwortlich waren. Nun zeigt sich aber: Der Stürmer wird seit letztem Jahr mit dem Leben bedroht. Dieser Umstand hat den Entscheid des Spielers letztendlich befördert.

Hodel: Ignorieren ist die beste Waffe

Angesichts dieser Tatsache kann der ehemalige FCZ- und GC-Verteidiger Marc Hodel den Schritt von Alex Frei nachvollziehen.

Zudem bestätigt der Ex-Fussballer gegenüber der az während seiner Karriere selbst Opfer von Anfeindungen gegen seine Person geworden zu sein. «Als ich vom FC Zürich zu den Grasshoppers wechselte, erhielt ich böse Anrufe». Dabei fielen laut dem Ex-Fussballer Beschimpfungen weit unter der Gürtellinie. «Einige waren gar so dreist, ihre Rufnummer nicht zu unterdrücken». Zu Morddrohungen gegen seine Person oder sein Umfeld kam es aber nicht.

Reagiert hat Hodel auf die Anfeindungen indes nicht. «Ich habe es einfach ignoriert». Ratschläge will er Frei zwar nicht erteilen, weist jedoch daraufhin, dass Fussballer in der Öffentlichkeit stünden und eine gewisse Aussendarstellung hätten - dies gelte auch für Alex Frei. «Die Schweiz mag ruhige Leute. Hierfür ist Roger Federer das Paradebeispiel. Trotz 16 Grand Slam Siegen ist der Mann ruhig und bescheiden geblieben».

Urs Meier musste um sein Leben fürchten

Neben Hodel und Frei wurde auch der ehemalige FIFA-Schiedsrichter Urs Meier Opfer von Morddrohungen. So erhielt der Schiedsrichter nach der Partie zwischen England und Portugal während der Europameisterschaft 2004 Morddrohungen aus Grossbritannien.«Ich erhielt Emails, Briefe oder anonyme Anrufe». Für Meier eine unangenehme Situation.

Als die Polizei während den Ermittlungen von einer «seriösen Bedrohung» gegen den Schiedsrichter sprach, die Behörden daraufhin nicht mehr für die Sicherheit von Meier garantieren konnten, rieten sie ihm in Portugal zu bleiben und nicht in die Schweiz einzureisen. Im Zuge dessen tauchte der einstige Weltklasse-Schiedsrichter für einige Tage unter.

Mit Autowechsel an einen sicheren Ort

Als Meier Tage später am Flughafen Zürich-Kloten landete, wurde er umgehend unter strengen Sicherheitsvorkehrungen in Empfang genommen. «Ich wurde von Polizisten aus dem Flugzeug geholt und es gab in einer Tiefgarage in Baden einen Autowechsel».

Auch Rumänen wollten Meier an den Kragen

Neben den Vorkommnissen nach der England-Partie spricht Meier auch über die Drohungen, die er nach der Euro-Qualifikationspartie 2003 in Dänemark zwischen Rumänien und Dänemark erhielt. «Diese haben mir mehr Angst gemacht, als diejenigen nach dem England-Spiel», sagt Meier. Darüber hinaus habe es laut Meier nicht zur Beruhigung beigetragen, dass die Polizei die Drohungen nicht überbewerten wollte. «Sie sagten mir nur, dass sie sporadische Kontrollen rund um mein Haus durchführen und auf Autos mit rumänischen Nummernschildern achten könnten».

Derweil wünscht Meier Alex Frei nach den Morddrohungen viel Kraft und alles Gute. Ausserdem fordert Meier, künftig gegen Drohungen und Beschimpfungen gegen Spieler, Schiedsrichter und Trainer härter vorzugehen. Dies könne von Bussen über Stadionverbot bis hin zu Gefängnisstrafen gehen.