Fussball-WM
Argentinien, Island, Kroatien und Nigeria: Das müssen Sie über die Gruppe D wissen

Argentinien, Island, Kroatien und Nigeria – wer qualifiziert sich für die Achtelfinals? Wer ist der Cheftrainer? Und welche Spieler ragen aus dem Kollektiv heraus? Das müssen Sie vor dem Auftaktspiel der Gruppe D wissen.

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Gruppe D: Argentinien, Island, Kroatien, Nigeria

Gruppe D: Argentinien, Island, Kroatien, Nigeria

Keystone

Argentinien: Messis letzte Chance

Argentinien

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Vor vier Jahren hätte sich Argentiniens Generation um Lionel Messi, den Rekord-Internationalen Javier Mascherano, Gonzalo Higuain oder Angel Di Maria unsterblich machen können. Stattdessen gelang dem Deutschen Mario Götze im dritten Endspiel-Duell nach 1986 und 1990 in der 113. Minute das siegbringende 1:0. Aus Argentiniens damaligem Kader sind heuer nur noch sieben Spieler (neben den Erwähnten auch Sergio Agüero, Marcos Rojo und Lucas Biglia) dabei.

Für Messi ist die WM 2018 womöglich die letzte Chance, den ihm noch fehlenden Titel zu holen und aus dem Schatten von Diego Armando Maradona herauszutreten, der 1986 die «Albiceleste» zum bislang letzten Titel geführt hat. Während der WM feiert der fünffache Weltfussballer des Jahres seinen 31. Geburtstag.

Dank Messi hat es Argentinien überhaupt an die WM geschafft. Die Treffer 5 bis 7 seines Captains im entscheidenden Spiel der südamerikanischen Qualifikationsphase in Ecuador (3:1) bewahrten den zweifachen Weltmeister vor dem Gang in die Playoffs.

Argentinien in Zahlen

- Gründung des Verbandes «Asociacion del Futbol Argentino»: 1893

- Fifa-Ranking (November 2018): 5

- Bisherige WM-Teilnahmen (16): 1930, 1934, 1958, 1962, 1966, 1974, 1978, 1982, 1986, 1990, 1994, 1998, 2002, 2006, 2010, 2014

- Bestes WM-Resultat: Weltmeister 1978, 1986

- Qualifikation: 3. Platz in der Südamerika-Zone

- Bester Torschütze Qualifikation: Lionel Messi (7 Tore)

- Bilanz gegen die Schweiz: 7 Spiele, 5 Siege, 2 Unentschieden, 0 Niederlagen

Der Trainer: Jorge Sampaoli – Mit einer Jobgarantie ausgestattet

Wie vier Jahre zuvor Chile übernahm Jorge Sampaoli auch das Nationalteam seines Heimatlands während einer laufenden WM-Qualifikation. Der heute 58-Jährige löste seinen Vertrag vor einem Jahr mit dem FC Sevilla auf, führte die "Albiceleste" als Nachfolger von Edgardo Bauza aber erst mit Verzögerung und dank einem überragenden Lionel Messi im letzten und entscheidenden Spiel gegen Ecuador in die Erfolgsspur zurück.

Seine grössten Erfolge als Trainer hatte Sampaoli in Chile gefeiert. Mit Universidad de Chile gewann er 2011 die Copa Sudamericana, die zweitwichtigste kontinentale Klubtrophäe. Das Nationalteam Chiles führte er an die WM 2014 in Brasilien, wo es im Achtelfinal dem Gastgeber im Penaltyschiessen unterlag. Ein Jahr später gewann Sampaoli mit Arturo Vidal, Alexis Sanchez und Co. die Copa America, ehe ihn der FC Sevilla nach Europa lotste. Sampaoli war früh ins Trainermetier eingestiegen, nachdem er seine Karriere als Spieler mit 19 Jahren nach einer schweren Schien- und Wadenbeinverletzung hatte abbrechen müssen.

Jorge Sampaoli (ARG), Argentinien. - Geboren am 13. März 1960 in Casilda. - Grösste Erfolge als Trainer: WM-Achtelfinalist 2014 mit Chile, Sieger der Copa America 2015 mit Chile, dreifacher chilenischer Meister sowie Sieger der Copa Sudamericana 2011 mit Universidad de Chile.

Island: Ein Märchen, das keine Eintagsfliege ist

Island

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Was wurde 2016 nicht alles geschrieben über das isländische EM-Märchen in Frankreich. Keine Story liessen die Medien aus. Vom Torhüter Hannes Halldorsson, der auch ein Filmregisseur ist. Vom Captain und Einwerfer Aaron Gunnarsson, dessen Bruder Handball-Profi in der deutschen Bundesliga ist. Oder von den vielen Trainingshallen, deren Bau das Fussball-Wunder erst ermöglichte.

Die Liste der wunder- und manchmal auch sonderbaren Geschichten der Isländer lässt sich erweitern. Seit der EM und dem Rücktritt von Lars Lagerbäck ist Heimir Hallgrimsson allein verantwortlich für das Team. Das Amt des Nationaltrainers füllte ihn bis zur Übernahme des neuen Amtes nicht ganz aus; er arbeitete deshalb als Zahnarzt in der eigenen Praxis. «Auf meiner Insel wohnen 4000 Menschen. Die brauchen einen Zahnarzt.»

In der Qualifikation setzte sich Island gegen Kroatien, die Ukraine und die Türkei durch. Das unterstreicht, dass das EM-Märchen keine Eintagsfliege war. Anders als EM-Emporkömmlinge wie Ungarn, Wales oder Albanien hat sich Island nun auch für die WM qualifiziert - zum ersten Mal in seiner Geschichte.

Island in Zahlen

- Gründung des Verbandes "Knattspyrnusamband Islands": 1947

- Fifa-Ranking (Mai 2018): 22

- WM-Teilnahmen (0)

- Qualifikation: 1. Platz in der Gruppe I der Uefa-Zone

- Bester Torschütze Qualifikation: Gylfi Sigurdsson (4 Tore)

- Bilanz gegen die Schweiz: 6 Spiele, 0 Siege, 1 Unentschieden, 5 Niederlagen

Der Trainer: Heimir Hallgrimsson – Zahnarzt und Erfolgstrainer

Heimir Hallgrimsson hat eine der interessantesten Biografien der 32 Trainer, die an der Endrunde in Russland dabei sein werden. Aufgewachsen ist der 50-Jährige auf einem kleinen Archipel mit gut 4000 Einwohnern und rund 80 Vulkanen vor der Südküste Islands, wo es durchaus vorkam, dass mit Booten an die Fussballspiele gesegelt wurde, um Geld zu sparen. Ein Vierteljahrhundert war Hallgrimsson in seiner Heimat als Spieler und Trainer tätig, ehe er 2011 als Assistenztrainer zum nationalen Verband stiess. Neben seiner Passion als Amateurfussballer hatte er schon früh damit begonnen, Junioren zu trainieren, auch die Frauenmannschaft seines Heimatvereins betreute er mehrmals. Und nebenbei arbeitete er jeweils als Zahnarzt.

Im isländischen Verband war Hallgrimsson zusammen mit dem Schweden Lars Lagerbäck der Baumeister des Märchens an der EM-Premiere vor zwei Jahren, als man dank einem Sieg gegen England in die Viertelfinals vorstiess und ganz Europa begeisterte. Hallgrimsson ist seit dem Turnier in Frankreich alleine für das Team verantwortlich und führte das Land mit seinen knapp 350'000 Einwohnern und etwas mehr als 20'000 lizenzierten Fussballern auch erstmals an eine WM. Geschätzt wird unter anderem die Bodenständigkeit. Die Erläuterung der Taktik an interessierte Fans in einer Sportbar ein paar Stunden vor einem Spiel macht Hallgrimsson für die Einwohner der Insel erst recht greifbar.

Heimir Hallgrimsson, Island. - Geboren am 10. Juni 1967 in Vestmannaeyjar. - Grösste Erfolge als Trainer: EM-Viertelfinal 2016 mit Island, WM-Qualifikation 2018 mit Island.

Kroatien: Der Traum von der Wiederholung des Coups

Kroatien

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1998, bei der ersten WM-Teilnahme seit der Unabhängigkeit, feierte Kroatiens Nationalteam sogleich den grössten Triumph. In Frankreich wurde die Mannschaft um Captain Zvonimir Boban oder den WM-Topskorer und heutigen Verbandspräsidenten Davor Suker erst im Halbfinal vom Gastgeber gestoppt. Drei Tage darauf sicherte sich Kroatien durch ein 2:1 gegen die Niederlande den 3. Rang.

20 Jahre später träumen sie in Kroatien von der Wiederholung des Coups. Das aktuelle Kader wird geprägt von starken Individualisten wie Ivan Rakitic, Luka Modric, Mario Mandzukic oder Ivan Perisic. «Wir haben eine brillante Generation und Spieler, die wie ich wissen müssen, dass wir nicht in der Vergangenheit leben dürfen», sagte Nationaltrainer Zlatko Delic.

Im Champions-League-Final stand neben Real Madrids Taktgeber Modric mit Liverpools Innenverteidiger Dejan Lovren ein zweiter Kroate im Einsatz. «Das zeigt unsere Qualitäten», findet Delic, der die «Vatreni» seit seiner Amtsübernahme in drei Spielen inklusive Playoffs zur fünften WM-Teilnahme geführt hat.

Kroatien in Zahlen

- Gründung des Verbandes "Hrvatski Nogometni Savez": 1912

- Fifa-Ranking (Mai 2018): 18

- Bisherige WM-Teilnahmen (4): 1998, 2002, 2006, 2014

- Bestes WM-Resultat: Dritter 1998

- Qualifikation: Sieger der Playoffs der Uefa-Zone gegen Griechenland

- Bester Torschütze Qualifikation: Mario Mandzukic (5 Tore)

- Bilanz gegen die Schweiz: 3 Spiele, 1 Sieg, 2 Unentschieden, 0 Niederlagen

Der Trainer: Zlatko Dadic – Der Notnagel darf bleiben

Er kam, sah und siegte. Kroatien drohte die Endrunde in Russland zu verpassen, als Zlatko Dalic im Oktober das Amt von Ante Cacic übernahm. Mit Siegen gegen die Ukraine und in der Barrage gegen Griechenland schafften die Kroaten doch noch den Sprung an die WM, womit sich Dalic die Verlängerung seines Engagements bis 2020 verdiente. Auch die Spieler - einige von ihnen kannte Dalic bereits aus seiner Zeit als Assistent der U21 - lobten ihren neuen Chef in höchsten Tönen. "Er hat einen phänomenalen Job gemacht", sagte Superstar Luka Modric, der Mittelfeldspieler von Real Madrid.

Zwischen seinen beiden Engagement beim kroatischen Verband war Dalic sieben Jahre im Nahen Osten engagiert. Zuerst war er drei Jahre in Saudi-Arabien tätig, ehe er 2014 in die Vereinigten Arabischen Emirate wechselte. Mit Al-Ain gewann Dalic sowohl den President's Cup (2014) als auch den Titel in der Liga (2015), in der asiatischen Champions League scheiterte der Klub aus Abu Dhabi 2016 erst im Final.

Zlatko Dalic (CRO), Kroatien. - Geboren am 26. Oktober 1966 in Livno (BIH). - Grösste Erfolge als Trainer: Meister der Vereinigten Arabischen Emirate 2015 mit Al-Ain, Finalist in der asiatischen Champions League 2016 mit Al-Ain, WM-Qualifikation 2018 mit Kroatien.

Nigeria: Oft Geheimfavorit, immer früh gescheitert

Nigeria

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Seit sich Nigeria 1994 am Turnier in den USA erstmals für eine WM qualifizierte, wurde das mit knapp 200 Millionen Einwohnern grösste Land Afrikas immer wieder als Geheimfavorit gehandelt. Ein sportlicher Coup an einer WM gelang dem fünffachen U17-Weltmeister und Olympiasieger von 1996 aber noch nie, obwohl die «Super Eagles» mit Rasheed Yekini, Jay Jay Okocha, Nwankwo Kanu oder John Mikel Obi immer wieder Ausnahmekönner in ihren Reihen hatten. Über die Achtelfinals kam Nigeria nie hinaus.

Die Qualifikation für Russland schafften die von dem auch in der Schweiz bekannten Gernot Rohr trainierten Westafrikaner ohne Probleme, Sambia und die beiden mehrfachen WM-Teilnehmer Kamerun und Algerien wurden souverän in die Schranken gewiesen. Einen besonderen Bezug zu Nigeria haben aus Schweizer Sicht Granit Xhaka, Ricardo Rodriguez und Haris Seferovic. 2009 sorgten sie mit dem 1:0 im Final der U17-WM gegen den Gastgeber in Abuja für einen historischen Triumph für den Schweizerischen Fussballverband.

Nigeria in Zahlen

- Gründung des Verbandes "Nigeria Football Federation": 1945

- Fifa-Ranking (Mai 2018): 47

- Trainer: Gernot Rohr (GER/FRA/seit 2016)

- Bisherige WM-Teilnahmen (5): 1994, 1998, 2002, 2010, 2014

- Bestes WM-Resultat: Achtelfinals 1994, 1998, 2014

- Qualifikation: Sieger der Gruppe B in der Afrika-Zone

- Bester Torschütze Qualifikation: Victor Moses (3 Tore)

- Bilanz gegen die Schweiz: 1 Spiel, 1 Sieg, 0 Unentschieden, 0 Niederlagen

Der Trainer: Gernot Rohr – Die späte Premiere

Als Spieler gehörte der aus einer Fussballer-Familie stammende Gernot Rohr Anfang der Siebzigerjahre zum Kader von Bayern München. Der Durchbruch gelang dem Defensivspieler aber erst in Frankreich, wo er mit Bordeaux ein Dutzend Jahre später dreimal Meister wurde. Auch den grössten Erfolg als Trainer feierte Rohr mit den Girondins und Spielern wie Bixente Lizarazu oder Zinédine Zidane, die 1996 via UI-Cup bis in den Final des UEFA-Cups vorstiessen und dort an Bayern München scheiterten. Mit den Young Boys erreichte er 2006 den Cupfinal (Niederlage gegen das unterklassige Sion), im folgenden Herbst trat der in Bern nicht mehr erwünschte Elsässer nach einem knappen Jahr zurück.

Die Liebe zu Afrika entdeckte Rohr erst später in seinem Leben - sowohl beruflich als auch privat, stammt doch seine Ehefrau aus Madagaskar. Er trainierte die Nationalmannschaften von Gabun, Niger und Burkina Faso, ehe er 2016 das Team von Nigeria übernahm und es an die Endrunde in Russland führte. Für den bald 65-jährigen gebürtigen Mannheimer ist es die erste WM-Teilnahme seiner Karriere.

Gernot Rohr (GER/FRA), Nigeria. - Geboren am 28. Juni 1953 in Mannheim (GER). - Grösste Erfolge als Trainer: UEFA-Cup-Finalist 1996 mit Bordeaux, WM-Qualifikation 2018 mit Nigeria.